Stand: 06.03.2020 15:29 Uhr

"Disneyfizierung der Liebe": Beziehungskiller Instagram?

Ein Paartherapeut erklärt, was die scheinbar heile Insta-Welt anderer Paare mit uns und unserer Beziehung machen kann.

Der romantische Strandurlaub hier, das Candle-Light-Dinner dort - und zwischendurch ein gemütlicher Abend mit leckeren, stylischen Cocktails: Schauen wir uns die Instagram-Stories oder die Wall-Fotos mancher Freunde an, können wir schnell das Gefühl bekommen, dass bei anderen Pärchen alles viel harmonischer zugeht: mehr Zeit zu zweit, mehr Romantik, mehr gemeinsame Interessen - kurz: viel mehr Liebe. Diesem künstlichen Ideal nachzueifern, kann laut einem Paartherapeuten allerdings ein Risiko für die eigene Beziehung darstellen.

Paartherapeut: "Disneyfizierung der Liebe"

Auf Instagram dreht sich alles um möglichst ästhetische Bilder. Da ist es kein Wunder, dass die weltweit 500 Millionen täglichen User, die an einem durchschnittlichen Tag etwa 95 Millionen Posts teilen und 3,5 Milliarden Likes vergeben, sich in der Schönheit ihrer Bilder gegenseitig überbieten wollen.

Den Effekt, mit anderen Paaren mithalten zu wollen und dem Ideal nachzueifern, um uns am Ende selbst besser zu fühlen, nennt der Paartherapeut Eric Hegmann "Disneyfizierung der Liebe". Ein ewiger Kreislauf: Aus Neid eifern wir der Selbstinszenierung anderer Paare nach, um damit wieder anderen Paaren zu zeigen, wie (vermeintlich) glücklich wir in unserer Beziehung sind. Dass diese Absicht durchaus ein wichtiges Couple-Goal sein kann, zeigt eine Studie, die besagt, dass die Außenwirkung der eigenen Beziehung 65 Prozent der vergebenen Menschen wichtig ist.

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Sich zu vergleichen ist sinnlos

Das Selbstinszenierungsspiel mitzuspielen und dafür ständig andere Paare zu beobachten birgt allerdings die Gefahr, dass wir anfangen, unsere eigene Beziehung in Frage zu stellen, meint Hegmann:

Wenn wir diese Bilder in der Timeline sehen, müssen wir schon einen extrem positiv aufgeladenen Selbstwert haben, um nicht zu denken: Das will ich auch! Und weil wir soziale Medien nutzen, wenn wir uns durch einen Dopamin-Kick ein Glücksgefühl besorgen wollen, denken wir in einer solchen Situation noch negativer: Warum habe ich das nicht? Was läuft eigentlich falsch in meiner Beziehung? Eric Hegmann, Paartherapeut

Die mögliche Folge: Wir zweifeln an uns, an unserem Partner, an unseren Lebenszielen - und das, obwohl diese Bilder im Netz gar nicht unbedingt der Realität entsprechen müssen. "Wir wissen nicht, ob dieses Paar sich nicht stundenlang gestritten hat, um den Strand zu finden und die richtige Aufnahme auszuwählen. Wir sehen nur diese eine Sekunde", erklärt der Experte. Darüber hinaus sei jedes Paar einzigartig - daher sollten wir unsere eigene Lovestory sowieso nie mit den Beziehungen anderer Menschen vergleichen.

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Wahre Romantik braucht kein Publikum

Natürlich ist nicht alles schlecht an Instagram - sich inspirieren zu lassen, wohin der nächste romantische Urlaub gehen könnte oder ob wir nicht mal wieder zusammen joggen gehen könnten, kann sinnvoll sein - aber, so Hegmann: "Ob es wirklich das ist, was diesem Paar gut tut, ist eine andere Frage." Seiner Meinung nach ist es wichtig, dem anderen wieder mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit zu schenken. Der Ort dafür sei unerheblich, auch Publikum brauche es dafür nicht.

Wie viel von dem, was wir in Sachen große Liebe auf Instagram sehen, ist also echt? "Ich glaube, was echt ist, ist der Wunsch nach dieser Form der Romantik", meint Hegmann. Die Romantik selbst sei allerdings nicht echt, denn die definiere sich durch Dankbarkeit für den Moment und für den Partner und nicht über den Sonnenuntergang oder das schöne Bildmotiv.

Wenn es wirklich romantisch ist, denkt man eigentlich nicht an Bilder. Paartherapeut Eric Hegmann im N-JOY Interview

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Susan Hammann | 25.04.2019 | 09:00 Uhr

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