Stand: 21.03.2016 11:00 Uhr | AutorIn: Anja Haufe

Coole Mode - nicht "Made in Bangladesh"

Kleidung kaufen und dabei ständig ein schlechtes Gewissen haben? Das nervt. Aber für jedes Teil 150 Euro ausgeben? Keine Option. Wir zeigen euch drei Online-Shops für faire, coole und bezahlbare Mode.

Diese Geschichte startet als Selbstversuch. Letztes Jahr habe ich mir gesagt: Ich möchte keine Kleidung mehr kaufen, die vielleicht von Kindern in Indien genäht wurde. Jahrelang habe ich weiter bei H&M, Zara, Mango und Co. eingekauft - obwohl ich wusste, dass die Kleidung unter schlechten Bedingungen produziert wird.

Immer wieder habe ich Filme wie "Sweatshop - Deadly Fashion" gesehen, in denen Näherinnen uns ihr Leben zeigen. Sie verdienen oft weniger als 50 Euro im Monat, arbeiten teilweise 16 Stunden am Tag. Bei dem Zusammensturz einer Nähfabrik in Dhaka (Bangladesch) vor drei Jahren starben mehr als 1.000 Näherinnen. Offensichtlich achten viele Unternehmen wenig darauf, unter welchen Arbeitsbedingungen ihre Ware entsteht - ganz abgesehen von Aspekten wie Umweltschutz, Chemikalien und Pestiziden bei der Textilherstellung.

Teurer ist nicht gleich besser

Zum Start meines Experiments bin ich in kleinere Läden gegangen, in denen Klamotten mehr kosten - weg von den großen Ketten, rein in die scheinbar faire Welt. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass der Preis nicht unbedingt etwas darüber aussagt, ob die Arbeitsbedingungen für die Baumwoll-Bauern und Näherinnen akzeptabel sind oder nicht.

Mir nur noch teure Sachen zu kaufen, hilft also - abgesehen von Unternehmen mit riesigen Gewinnspannen - niemandem. Auch darauf zu achten, ob die Kleidung "Made in Europe" ist, bringt nichts. Diese Angaben auf den Schildchen sind in Deutschland nämlich nicht verpflichtend und beziehen sich nur auf den letzten Arbeitsschritt (wie zum Beispiel das Einnähen des Schildchens). Meinetwegen kann die Kleidung ja gerne in Asien hergestellt werden - solange die Näherinnen anständig bezahlt werden, vernünftige Arbeitszeiten haben und ihre Arbeitsplätze sicher sind.

Drei nachhaltige Online-Shops:

  • Der Avocadostore aus Hamburg hat eine große Auswahl: Mode für Frauen, Männer und Kinder ist dort genauso zu finden wie Accessoires, Möbel und PC-Zubehör.

  • Glore ist ein Mode-Shop mit Sitz in Nürnberg. Neben Kleidung für Frauen, Männer und Kinder gibt es auch eine extra Yoga-Ecke.

  • Greenality aus Stuttgart liegt, was das Sortiment betrifft, zwischen den beiden anderen Shops. Hier gibt es Mode für Frauen, Männer und Kinder sowie eine große Auswahl an Accessoires wie Taschen, Sonnenbrillen oder Kopfhörer.

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Faire Mode muss her - aber bitte kein Ökokram

Nach einigen Interviews und Google-Orgien stand fest: Online-Shopping wird mein neues Ding. Es ist zumindest die einfachste Variante, um eine größere Auswahl an fairer Mode zu haben. Die drei genannten Online-Shops bieten eine große Auswahl an Marken und die Kleidung sieht nicht öko aus, sondern könnte genauso oder so ähnlich bei den großen Modeketten im Schaufenster hängen.

Natürlich kostet der Pulli eher 50 Euro statt 9,99 Euro. Ein T-Shirt ist eher ab 20 Euro zu haben als ab fünf Euro und Jeans kosten mindestens 70 Euro. Aber wenn ich mir vornehme, weniger Kleidung zu kaufen, dann ist das gar nicht so teuer, wie ich befürchtet habe. Immerhin gibt es auch in fairen Läden eine Sale-Ecke, in der ich stöbern kann.

Der Siegel-Dschungel

Es gibt Organisationen, die Inspektoren in Fabriken überall auf der Welt schicken und dann Labels - also Gütesiegel - vergeben. Dazu gehören zum Beispiel "Fair Wear", "GOTS" (Global Organic Textile Standard) und der "Blaue Engel". Manche Firmen, die solche Siegel vergeben, konzentrieren sich auf Arbeitsbedingungen, andere auf die Umweltfreundlichkeit im Herstellungsprozess. Sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welches Siegel was aussagt, kostet allerdings Zeit.

Diese drei Seiten helfen beim Vergleich:

  • Siegelklarheit

    Das Portal Siegelklarheit stammt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Hier könnt ihr die bekanntesten Siegel in den Kategorien Sozialverträglichkeit (Stichwort: Arbeitsbedingungen), Glaubwürdigkeit (der Organisation, die das Siegel vergibt) und Umweltfreundlichkeit (Stichwort: Bio-Baumwolle) vergleichen. Siegelklarheit gibt es auch als App, damit ihr direkt im Laden nachschauen könnt, wie gut ein Siegel ist.

  • Label-Online

    Label-Online startete schon vor 16 Jahren als Verein, wurde aber später auch von Bundesministerien gefördert. Neben der Kategorie "Bekleidung und Schuhe" gibt es hier auch Informationen über Essen, Strom und Kosmetik. Label-Online ordnet die Siegel als "besonders empfehlenswert" oder "eingeschränkt empfehlenswert" ein. Außerdem findet ihr zu jedem Siegel noch mehr Infos. Auch Label-Online gibt es als App.

  • It fits

    Auf der Seite It fits könnt ihr die "Label-Schule" besuchen und zu jedem Siegel viele Details erfahren: Welche Organisation steckt dahinter? Welche Ziele hat sie? Welche Standards sind für dieses Siegel wichtig?

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Es tut sich was auf dem Modemarkt

Und dann muss man die Siegel ja auch noch an Kleidungsstücken wiederfinden. Inzwischen setzen sich auch einige große Modeketten dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen und der Umweltschutz immer mehr in den Fokus rücken. Wenn ihr euch genau umschaut, findet ihr auch bei diesen Ketten immer mal wieder Kollektionen, die mit einem der Gütesiegel ausgezeichnet sind. Weil mir die Suche danach bisher zu anstrengend ist, sind Online-Shops für nachhaltige Mode für mich die einfachste Lösung.

 

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