Stand: 13.08.2018 14:50 Uhr

Dranbleiben: So halten Apps euch vom Abschalten ab

Eine gute App muss vor allem eines sein: selbsterklärend! Um das zu erreichen, optimieren Entwickler ihre Apps ständig. Manchmal gehen sie dabei allerdings einen Schritt zu weit und fördern so vielleicht sogar eine Sucht.

"Apps werden immer weiter optimiert", sagt der Informatik-Professor Walid Maalej von der Universität Hamburg. Das Spezialgebiet des Dozenten ist die "User Experience" - also die Kunst, einen Nutzer ohne Worte, sondern mit Hilfe von Farben, Schrift und Icons durch eine App, eine Software oder eine Website zu führen.

Maalej fasst die Aufgabe von User Experience - also Benutzerführung - so zusammen:

Positiv formuliert geht es darum, den Nutzern das Leben möglichst leicht zu machen. Negativ dargestellt könnte man sagen, es geht darum, den Nutzer möglichst lange in dieser App zu halten - und ihn vielleicht sogar süchtig zu machen. Walid Maalej, Professor für Informatik an der Uni Hamburg

Die Grenze zwischen dem Optimieren einer App und der Möglichkeit, damit eine Abhängigkeit zu unterstützen, sei sehr schmal, meint der Experte - und verrät, welche Mechanismen eingesetzt werden können, um Nutzer davon abzuhalten, eine App zu schließen.

1. Gamification: Spielerisch hält länger

"Alles spielerisch darzustellen ist ein Mechanismus, weil Spiele in der Regel Spaß machen", erklärt Maalej. Wenn der Nutzer spielt, bekommt er Punkte - und je mehr er die App verwendet, je mehr er spielt, desto mehr Punkte bekommt er. So versuchen Sprachapps und Lernapps, Wissen spielerisch, also durch Gamification, zu vermitteln. Dieser Mechanismus kann Nutzer auch länger in der App halten und sie so vom Abschalten abhalten.


2. Benutzerführung "to the Extreme"

Eine App muss intuitiv benutzbar sein - so fasst die Fachwebseite UXPlanet.org den wichtigsten Grundsatz für die App-Entwicklung zusammen. Für den Nutzer ist das gut: Die Knöpfe sind dort, wo er sie erwartet - er findet, was er sucht. Doch diese Erwartungen können Entwickler auch missbrauchen, erklärt Maalej:

Zum Beispiel, wenn ich mich frage: Wo platziere ich den Button am besten, damit der Nutzer mit sehr großer Wahrscheinlichkeit klickt? Und wenn er einmal klickt, klickt er auch das zweite und dritte Mal. Walid Maalej, Professor für Informatik an der Uni Hamburg

Entwickler können einen "Weiter"-Knopf deutlich auffälliger platzieren und farblich hervorheben, während sie den "Zurück"-, "Schließen"- oder "Daten-löschen"-Knopf sogar verstecken können, zählt der Professor für Informatik die Manipulationsmöglichkeiten auf.


3. Recommender Systems

"Nutzer, die Game of Thrones suchten, suchten auch ...": Beim Online-Shopping sowie beim Streamen von Serien, Filmen und Videos sind "Empfehlungssysteme" Standard.

Die Idee dahinter erklärt Maalej so: "Der Trick ist, dein Verhalten zu analysieren, und dir möglichst passende Sachen vorzuschlagen, damit du in der App bleibst." Die Webseite Business Insider beschreibt auch den Versuch von sozialen Medien oder Quiz-Apps, Nutzer mit "Empfehlungen" per Pushnachricht in die App zu locken.


4. Psychologische Studien

Ein Bild, eine Farbe, ein Begriff, der genau zu DIR passt: Psychologische und soziologische Studien verraten, was die App anzeigen sollte, damit DU nicht abschaltest. Maalej erklärt, die Absicht sei, mit Hilfe solcher Studien genau die Bilder, Farben und Begriffe auszuwählen, die den Nutzer vom Abschalten abhalten - und sogar das zukünftige Verhalten vorherzusagen. Laut dem Experten führen vor allem große Tech-Konzerne solche Studien durch.

Ein Beispiel für eine groß angelegte Studie: Facebook hat 2014 Entrüstung ausgelöst, als bekannt wurde, dass das soziale Netzwerk versucht hatte, die Stimmung seiner Nutzer mit Hilfe des Newsfeeds zu manipulieren - unangekündigt, im Geheimen, für eine Studie. Und auch die Diskussion um die exakte Persönlichkeitsanalyse eines Nutzers mit Hilfe seiner Likes zeigt, dass der Charakter eines Nutzers bei der Benutzung einer App teilweise eine Rolle spielt.


Anti-Sucht-Tipps: Das hilft beim Abschalten!

Wie ihr euch gegen die Sucht-Mechanismen wehren könnt? Die US-Initiative Humanetech.com gibt Tipps für den Alltag: Push-Meldungen ausschalten, Ton stummschalten, den Bildschirm auf Schwarz-Weiß umstellen und nur die Apps auf dem Homescreen platzieren, die praktisch sind - keine Spiele, keine sozialen Netzwerke.

 

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