Stand: 05.01.2018 10:01 Uhr

Chip-Probleme: Alle Apple-Geräte betroffen

Prozessoren sind das Kernstück von Smartphones, Tablets und Computern - sozusagen das Gehirn. Jetzt ist ein Fehler bekannt geworden, der Geräte auf der ganzen Welt bedroht. Milliarden Smartphones, Rechner und Tablets sind gefährdet. Jetzt hat Apple bekannt gegeben, dass auch alle iPhones, Mac-Rechner, iPads und Apple Watches betroffen sind.

Milliarden Geräte weltweit sind von einer Sicherheitslücke betroffen. Der Grund: die Prozessoren. Die Kernstücke von Smartphones, Tablets und Notebooks mussten in den vergangenen Jahren immer effektiver und schneller arbeiten. Sicherheitsforscher haben jetzt herausgefunden, dass dieses schnelle Arbeiten Hackern ermöglicht, Daten zu stehlen.

Die betroffenen Computer-Chips stammen von Intel, ARM und AMD – wobei bei ARM und AMD nur einige Chips betroffen sein sollen. Wir erklären, was ihr über die Sicherheitslücke wissen müsst.

Warum ist die Sicherheitslücke gefährlich?

Das Problem ist die massenhafte Verbreitung der Chips. In jedem Smartphone, Tablet und Rechner arbeitet ein Prozessor. Durch die jetzt bekannt gewordene Sicherheitslücke sind einerseits private Geräte für Hacker angreifbar, andererseits arbeiten diese Chips auch in großen Rechenzentren, auf denen zum Beispiel Nutzerdaten abgelegt sind.

Solche Zentren werden beispielsweise von großen Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Google betrieben. Gelingt es Hackern, die Lücke auszunutzen, könnten sie Millionen Datensätze erbeuten.

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Schwachstelle in Computerchips - weltweit

Es ist ein grundlegender Fehler in der Architektur von Computerchips, der PCs angreifbar macht: Mit diesem Problem muss sich nicht - wie anfangs angenommen - nur der US-Hersteller Intel auseinandersetzen. Das Schlamassel scheint größer zu sein. extern


Woher kommt die Sicherheitslücke?

Das ist recht technisch: Prozessoren wurden in den vergangenen Jahren darauf getrimmt, immer mehr Leistung zu liefern und so für schnellere Geräte zu sorgen. Eine der Ideen dabei war, möglicherweise später benötigte Berechnungen schon in Pausen zu machen, in denen der Prozessor nicht ausgelastet ist, damit es keine Verzögerungen gibt.

Wie sich jetzt herausstellt, kann dieses Verfahren ausgetrickst werden, um Daten abzuschöpfen. Die gute Nachricht: Der Fehler kann durch ein Update behoben werden. Der Nachteil der Updates: Die Prozessoren laufen danach zwischen 5 und 30 Prozent langsamer. So heißt es zumindest auf der britischen Tech-Seite "The Register", die zuerst über das Problem berichtete.

Welche Geräte sind betroffen?

Viele Chip-Hersteller setzen das problematische "speculative execution"-Verfahren ein, um Prozessoren schneller zu machen. Intel verwendet es zum Beispiel bereits seit 1995. Die Forscher, die das Problem entdeckt haben, gehen davon aus, dass ein der Großteil der Prozessoren seit 1995 betroffen ist. Betroffen sind laut Experten aber nicht nur Prozessoren von Intel, sondern teilweise auch die von AMD und ARM.
Tatsächlich sind Android-Geräte, Windows-Rechner sowie alle Apple-Produkte inklusive iPhones, iPads und Apple Watch von dem Sicherheitsproblem betroffen.

Hintergrund

"Meltdown" und "Spectre"

Forscher haben zwei Angriffsmöglichkeiten in der Arbeitsweise von Prozessoren entdeckt.

Meltdown betrifft herkömmliche PCs, Laptops und Server, die mit Chips von Intel ausgestattet sind. Hacker könnten unbefugt Daten auslesen - zum Beispiel in Browsern gespeicherte Passwörter.

Spectre lässt Hacker Programme so manipulieren, dass wichtige Daten preisgegeben werden könnten. Diese Attacke ist laut Experten schwieriger umzusetzen - aber auch der Schutz davor sei schwieriger. Nahezu alle modernen Prozessoren, auch die in Smartphones und Tablet-PCs sowie Computerchips von Intel und AMD, sollen betroffen sein.


Wie kann ich mich schützen?

Durch Updates. Google hat bereits am 3. Januar bekanntgegeben, dass Android-Geräte mit dem neuesten Sicherheitsupdate geschützt seien. Auch Microsoft hat die Updates für Windows-Rechner schon veröffentlicht. Updates für Apple-Rechner sind teilweise schon veröffentlicht und auch Updates für den Apple TV und die mobilen Geräte des Konzerns - also für iPhones, die Apple Watch und iPads - kommen in den nächsten Tagen. Die IT-Sicherheitsstelle der US-Regierung, CERT, sagt jetzt sogar: Das Problem könnte nur komplett gelöst werden, wenn die Prozessoren ausgetauscht würden.

Trotzdem sind die Updates wichtig. Ina Fried von der Webseite Axios.com erklärt gegenüber der Tagesschau: "Linux, Microsoft Windows, Mac OS und iOS - all diese Betriebssystem werden in den nächsten Tagen Patches erhalten. Die Art, wie sie arbeiten, wird verändert. Dadurch sind sie wieder sicherer."

Deswegen: Updatet eure Betriebssysteme, sobald eure Geräte sie anzeigen – nur so sind die Geräte bestmöglich geschützt.

Greifen die Hacker mich jetzt über mein Handy an?

Unwahrscheinlich. Bisher ist noch nicht klar, ob die Sicherheitslücke überhaupt schon einmal ausgenutzt wurde. Außerdem wäre es für Hacker wohl lukrativer, Rechenzentren mit Tausenden oder Millionen Nutzerdaten anzugreifen, statt einzelne private Smartphones oder Rechner.

(mit Material der dpa)

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