Stand: 12.11.2019 13:12 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Google Pixel 4 im Test: Strom, bitte!

Astrofotografie, Gestensteuerung, Gesichtserkennung: Googles neues Smartphone Pixel 4 verspricht viel und fordert von Käufern mindestens 750 Euro. Wir haben das Gerät ausprobiert und verraten, wie gut die Android-Alternative zum iPhone ist.  

Es ist 15 Uhr: Die Stromanzeige des Google Pixel 4, das bis morgens um kurz vor 7 Uhr am Ladekabel hing, fällt auf 30 Prozent. Schon wenige Stunden nach Beginn unseres Tests zeigt sich: Der 2.800 Miliamperstunden (mAh) große Akku ist dem Alltagsgeschäft eines Smartphones nicht gewachsen.

Per Bluetooth Musik hören, E-Mails synchronisieren, Chatnachrichten verschicken, Telefonate ermöglichen, zum nächsten Café navigieren: Der Akku des Pixel 4 lässt den Nutzer jedes Mal, wenn er es aus der Tasche holt, mit einem schlechten Gewissen zurück - schon wieder rauben wir dem Akku Strom!

Der Akku: Die vielleicht größte Schwäche des Pixel 4

Dass der Akku schlicht zu klein ist, verrät auch ein Blick auf die Konkurrenten: Die Top-Smartphones von Apple, Samsung und Huawei bieten Akkus mit 3.100 bis 4.200 mAh Leistung. Der Akku des Pixel 4 ist also deutlich kleiner und die wohl größte Schwäche des 750-Euro-Geräts. Auf Nachfrage von N-JOY empfiehlt der Konzern selbst Vielnutzern schlicht die größere und mindestens 900 Euro teure Pixel-4-XL-Variante.  

Im oberen Displayrand des Pixel 4 sind Infrarot-Sensor und Selfie-Cam verbaut.
Die Technik: Ausreichend, aber nicht übertrieben 

Tatsächlich hat Google sich dieses Jahr in den technischen Details seines iPhone-Konkurrenten etwas zurückgehalten. Immerhin: Der Arbeitsspeicher des 5,6 Zoll großen Smartphones orientiert sich mit 6 Gigabyte an der Ausstattung des iPhone 11 Pro. Zum Vergleich: Das iPhone 11 verfügt nur über 4 Gigabyte RAM. Doch es geht auch mehr: Samsung und Huawei verarbeiten in ihren Topmodellen mindestens 8 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Ein ähnliches Verhältnis zeigt sich beim internen Speicherplatz: Huawei und Samsung geben den Nutzern in der kleinsten Version des Geräts 128 Gigabyte Platz für Betriebssystem, Apps, Fotos und Videos mit. Google- und Apple-Nutzer müssen sich in der günstigsten Ausstattungsversion auch 2019 mit 64 Gigabyte arrangieren.  

Es ist das erste Pixel-Smartphone mit mehr als einer Linse. Die zusätzliche Tele-Linse unterstützt beim Zoomen.
Sicherheit: Gesichtserkennung entsperrt auch im Schlaf 

Auch beim Thema Sicherheit hat Google sich von Apple inspirieren lassen und den Fingerabdruck-Sensor aus dem Gerät verbannt. An seine Stelle tritt ein Infrarot-Sensor, der das Gesicht des Nutzers identifiziert und das Smartphone dementsprechend entsperrt. Das Problem: Aktuell entsperrt sich das Pixel 4 auch, wenn die Augen des Nutzers geschlossen sind. Also zum Beispiel im Schlaf. Apples Face-ID lässt das nicht zu. Google will die Funktion in einem Update aktualisieren, so der Konzern auf Nachfrage.

Die Kamera: Beeindruckende Bilder bei Nacht 

Nachtaufnahmen: Das Pixel 4 (links), das Pixel 2 (Mitte) und das Huawei P20 Pro (rechts) bilden das gleiche Motiv sehr unterschiedlich ab.

Das Herzstück des Smartphones ist auch bei Google die Kamera. Die Selfie-Cam bietet 8 Megapixel, die Qualität der Bilder ist der des zwei Jahre alten Vorgängermodells weit voraus. Auf der Rückseite wurde erstmals eine Kamera mit einer zweiten Linse verbaut. Die zusätzliche Tele-Linse unterstützt die Kamera beim Zoomen.

Ein großer Teil der Google-Kamera kommt allerdings aus der Software: Kluge Algorithmen verarbeiten das Bild, während es entsteht. Sie lassen den Nutzer beim Pixel 4 sogar während des Fotografierens die Helligkeit des Vorder- und Hintergrundes einzeln anpassen. Gleichzeitig ermöglichen sie einen achtfachen Hybrid-Zoom, ein Zusammenspiel aus optischem und digitalem Zoom, genauso wie eine Nachtsicht-Funktion, die je nach Dunkelheit mehrere Bilder schießt und sie zu einem zusammensetzt. In starker Dunkelheit kann die Kamera 15 Bilder in vier Minuten schießen. So soll sie sogar den Sternenhimmel sichtbar machen. 

Pixel 4: Kamera im Alltagstest

Die Kameratest-Experten von DxOMark bewerten die 16-Megapixel-Rückkamera mit 112 Punkten. Damit landet sie im Gesamtüberblick auf Platz 11, knapp hinter dem Samsung Galaxy S10+ (113), dem Honor 20 Pro (113) und dem OnePlus 7 Pro (114). 

Wedeln und Wischen: Motion Sense im Alltag 

Fortschritt, Neuerungen und Innovation verspricht die Funktion "Motion Sense", die oft auch Gestensteuerung genannt wird. Wedelt der Nutzer mit der Hand oberhalb des Bildschirms durch die Luft, erkennt ein Sensor neben der Selfiekamera das Gefuchtel. Dadurch wechselt das Smartphone zum nächsten Song, lehnt den Anruf ab, schaltet den Timer aus oder den Wecker stumm. 

Es ist das erste Mal, dass ein Infrarot-Sensor in einem Smartphone Bewegungen auf diese Weise verarbeitet. Das Google-Entwickler-Team hat fünf Jahre an dieser Funktion gearbeitet, in Zukunft wird es wohl noch mehr Anwendungen für die Gestensteuerung geben. Eine zukunftsträchtige Technologie, die aktuell allerdings kaum mehr als eine Spielerei ist. 

Fazit: Teure Kamera 

Farbintensiv: Die Kamera des Pixel 4 ermöglicht dem Nutzer, die Helligkeit des Vorder- und Hintergrunds zu verändern. Die Auswirkungen sind im Vergleich zum Foto des Huawei P20 Pro (rechts) klar erkennbar.

Das Pixel 4 ist eine sehr teure und gute Smartphone-Kamera, deren Akku leider nicht für die tägliche Nutzung geeignet ist. Die vielen positiven Eigenschaften und Innovationen in dem Gerät rücken durch diese Schwäche stark in den Hintergrund. Wer sich ein Pixel 4 kaufen möchte, sollte das Smartphone entweder nur wenig nutzen oder immer eine Powerbank griffbereit haben.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 12.11.2019 | 12:00 Uhr

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