Stand: 04.02.2019 16:23 Uhr | AutorIn: Elisabeth Weydt und Eva Köhler

Hass im Netz: So reagiert ihr richtig auf Hetze

Ein Smiley auf Facebook: Nett, ist der erste Gedanke. Aber was, wenn der Smiley unter einem Posting steht, das über ertrinkende Menschen im Mittelmeer berichtet? Der Safer Internet Day widmet sich 2019 genau diesem Thema: Hass im Netz.

Wer sich im Netz gegen den Hass stellt, wird selbst zum Ziel von Beleidigungen: Sonja Boddin ist Richterin in Hamburg und engagiert sich gegen Hass im Netz. Wenn es unter einem Posting auf Facebook eskaliert, mischt sie sich zusammen mit ihren rund 45.000 Mitstreitern ein. Unter dem Hastag #IchBinHier kämpfen sie mit Freundlichkeit und Sachlichkeit gegen Hetze im Netz.

Wir werden in den Kommentarspalten tagein, tagaus lächerlich gemacht, verhöhnt und herabgewürdigt. Das harmloseste ist noch, dass man als dumm bezeichnet wird. Sonja Boddin, Netzaktivistin bei #IchBinHier

Sie hat gelernt damit umzugehen, weil sie ein Ziel verfolgt, erzählt sie im Gespräch mit NDR Info und N-JOY: Sie möchte vermeiden, dass stille Mitleser von der Hetze manipuliert und beeinflusst werden.

So wehrt ihr euch gegen Hatespeech

Hetze im Netz: So reagiert ihr richtig

Boddin empfielt drei Wege, um auf den Hass im Netz zu antworten und ihn nicht schweigend zu billigen.

1. Sucht sachliche, freundliche Kommentare, wühlt euch durch den Sumpf aus Bösartigkeiten und vergebt Likes an eben diese sachlichen und freundlichen Stimmen.

2. Schreibt einen eigenen Kommentar, ebenfalls sachlich, fair, inhaltlich richtig und verlasst die Diskussion. Verfolgt sie nicht weiter und sagt ehrlich: "Den Rest tue ich mir nicht an", rät die Netz-Aktivistin.

3. Tretet in einen Dialog. Es ist der zeitaufwendigste und wohl auch der nervenaufreibendste Weg. Aber: "Eines der besten Mittel der Wahl", ist Boddin überzeugt: "Antwortet auf menschenfeindliche, hasserfüllte und pauschalisierende Behauptungen mit sachlichen und freundlichen Fragen: 'Warum?', 'Wie kommen Sie darauf?' oder 'Woher nehmen Sie das?'."

Die Grundregel für Boddin: Höflich bleiben, sachlich kommunizieren und wenn es zu schlimm wird, einfach aus der Diskussion gehen. "Man sollte diesen Menschen nicht zu viel Zeit widmen", fasst sie zusammen.

NetzDG: Ein Gesetz für ein freundlicheres Internet

Seit mehr als einem Jahr liegt der Kampf gegen Hass im Netz nicht mehr nur bei freiwilligen Gruppen wie #IchBinHier. Das sogenannte Netzwerkdurchsuchungsgesetz (NetzDG) legt Spielregeln für soziale Netzwerke fest. Hass und Hetze müssen im besten Fall innerhalb von 24 Stunden von den Plattformbetreibern - also Facebook, Google, Twitter - gelöscht werden. Nur in Ausnahmefällen darf es länger dauern.

Zahlen, bitte: Soviel Hass haben Facebook, YouTube und Twitter gelöscht

Alle sechs Monate müssen die Netzwerke dem Hass im Netz eine Zahl geben. Ende Januar war es wieder soweit: Bei YouTube wurden in den vergangenen sechs Monaten 250.957 Kommentare wegen des NetzDG gemeldet und 54 000 gelöscht. Twitter führt mit 283.462 Beschwerden und rund 23.000 gelöschten Inhalten eine ähnlich hohe Zahl auf. Facebook verweist wiederum auf ein relativ kompliziertes Löschverfahren. Das bedeutet, die meisten Löschungen gibt es wegen Verstößen gegen die Gemeinschaftsrichtlinien. Das NetzDG sei hingegen nur für 362 gelöschte Kommentare im vergangenen halben Jahr verantwortlich, betont Facebook.

EU-Kommission: Hass in sozialen Netzwerken gleichbleibend?

Die EU-Kommission lobt diese Zahlen. Immerhin 72 Prozent der gemeldeten Inhalte wären 2018 gelöscht worden. Neun von zehn gemeldeten Inhalten würden sogar innerhalb von 24 Stunden bearbeitet. Trotzdem erklärte EU-Justizkommissarin Vera Jourová: "Der Kampf gegen Hassrede ist nicht vorbei. Und wir haben kein Anzeichen dafür, dass solche Inhalte in sozialen Netzwerken abnehmen."

Boddin: "Wir wollen in einem Land leben, in dem jeder seine Meinung sagen kann"

Damit fasst die EU-Justizkommissarin zusammen, was auch der Aktivistin Sonja Boddin aufgefallen ist. Ihr Fazit: "Die meisten Hasskommentatoren sind schlau genug, um meist unter der strafrechtlich relevanten Grenze zu bleiben. Und dann bleibt der Hass da eben stehen", erklärt sie und fügt hinzu: "Und das ist auch richtig. Wir wollen ja in einem Land leben in dem jeder seine Meinung sagen kann. Nur bitte sachlich und unter Wahrung der Menschenwürde der Andersdenkenden." Deswegen ist sie der Meinung:

Wir müssen in die Diskussion gehen, nicht um am Ende als Sieger raus zu gehen, sondern um zu zeigen, wie ein gutes Diskussionsverhalten im Netz aussieht. Sonja Boddin, Moderatorin bei #IchBinHier

Notfall-Tipp: Wenn ihr im Netz beleidigt werdet oder Opfer von Hass-Kommentaren werdet, die gegen das Gesetz verstoßen: Sichert die Unterhaltungen, die Kommentare, die Zusammenhänge, in denen der Hass euch persönlich getroffen hat und macht Screenshots davon. Bei der Online-Wache können Betroffene Anzeige erstatten. Die Links zu den Online-Wachen der verschiedenen Bundesländer, hat das Bundeskriminalamt zusammengestellt.

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