Stand: 12.10.2021 13:08 Uhr

In-App-Käufe: So spielen eure Handyspiele mit euch

Drei Extra-Stöße beim Handy-Snooker hier, ein besonderes Werkzeug, mit dem sich Erz im Spiel besser abbauen lässt dort - und schon sind wir wieder einige Euro los. Ein Experte erklärt, welche Tricks der Spielehersteller uns zum Kaufen bringen sollen und ab wann die Zockerei bedenklich wird.

2,3 Milliarden Euro - so viel Geld haben wir Deutschen im vergangenen Jahr für Handy-Apps ausgegeben. Und das Geschäft mit den Apps wächst offenbar weiter: Für 2021 rechnet der Digitalverband Bitkom mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Damit würden wir in diesem Jahr so viel Geld für Apps ausgeben wie noch nie.

Ein großer Teil des Umsatzes - etwa 74 Prozent - entfällt laut Bitkom auf In-App-Käufe, mit denen Userinnen und User zusätzliche Funktionen innerhalb einer App freischalten können. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt - besonders, wenn es um Spiele-Apps geht. So können wir unseren Spielfiguren zum Beispiel schicke Outfits anziehen, zusätzliche Leben freischalten oder uns Werkzeuge und Waffen kaufen, um im Spiel besser voranzukommen.

Ungeduld erzeugen: Wie Spielehersteller an unser Geld kommen wollen

Christian Schaack beschäftigt sich am Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz mit den Themen Glücksspielsucht und Medienabhängigkeit. Im N-JOY Interview erklärt er, dass in der Spieleindustrie eine ganze Reihe an Mechanismen genutzt werden, um uns dazu zu bringen, über In-App-Käufe Geld auszugeben. Gängig seien zum Beispiel Mechnismen, die Spielerinnen und Spieler ausbremsen sollen:

Du spielst, bist gerade richtig drin, baust dein Dorf auf oder was auch immer da geht - und auf einmal gibt es einen Zeitblock von acht Stunden oder drei Tagen, die du warten sollst, bis das Gebäude zum Beispiel fertig gebaut ist. Christian Schaack im N-JOY Interview

Dass sich einige Spielerinnen und Spieler in solchen Momenten dazu hinreißen lassen, sich vom Warten freizukaufen, ist nur allzu verständlich. "Wenn ich gerade was mache, will ich nicht acht Stunden warten. Ich will, dass in dem Moment was passiert", meint auch Schaack.

Dies lässt sich auch mit den Vorgängen in unserem Körper erklären: Haben wir beim Spielen Spaß, schüttet unser Gehirn einen Glückshormon-Cocktail aus. "Wenn mich so ein Spiel ausbremst, zerstört es die angenehme Umgebung und nimmt mir den Spaß. Diesen Spaß kann ich mir jetzt aber kaufen", erklärt Schaack.

Smartphone-Spiele: Prestige als Geldbringer

Ein weiterer Mechanismus der Spielehersteller ist laut Schaack das Erzeugen von Druck über Prestige - zum Beispiel, wenn es darum geht, die eigenen Spielfiguren oder die eigenen Ausrüstungsgegenstände mit denen der anderen Spielerinnen zu vergleichen: "Coole Ausrüstung. Tolle Farben. Welche Klamotten tragen die anderen Spielerinnen und Spieler? Welche Waffen haben sie? Darüber kann man Menschen dazu bringen, Geld auszugeben", erklärt der Experte.

In-App-Käufe: Wie Spielwährungen und krumme Summen uns den Blick verschleiern

In vielen Apps ist die Schwelle, über Geld zusätzliche Features freizuschalten, außerdem nicht besonders hoch. Einen Warenkorb, wie wir ihn vom Onlineshopping kennen, gibt es meist nicht. So können wir vor dem Kauf nicht noch mal checken, wie viel Geld wir eigentlich ausgeben. Meist ist es nur ein Klick und der Einkauf ist getätigt. Dies geht laut Schaack einher mit einer sehr verbreiteten Mechanik:

Das Geld, das ich reingebe, wird verschleiert durch eine krumme Umrechnung und eine Umwandlung in andere, digitale Währungen. Christian Schaack, Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in in Rheinland-Pfalz

Das Prinzip: Zusätzliche Features im Spiel werden nicht direkt mit dem eigenen Geld, sondern über einen Umweg gekauft. Zunächst kaufen wir eine digitale Spielwährung ein - zum Beispiel Monde, Herzen, Blumen oder Diamanten. Mit dieser Fantasiewährung können wir uns im Spiel dann wiederum Funktionen erkaufen.

Der Clou an diesem Prinzip: Spielehersteller arbeiten dabei laut Schaack oft mit krummen Summen. "Die Kurse sind in der ersten Umrechnung - also Geld gegen digitale Währung - krumm. Und sie sind noch mal krumm bei der Umrechnung der digitalen Währung in die Sachen, die ich im Spiel davon kaufen kann", erklärt der Experte. Auszurechnen, wie viel reales Geld wir am Ende eigentlich ausgeben und was wir dafür tatsächlich bekommen, ist also gar nicht so einfach.

Handyspiele und Co.: Ab wann ist der Medienkonsum bedenklich?

Spaß, Neugier und Zocken als reines Hobby - solange diese Motive im Vordergrund stehen, ist das Spielen am Smartphone für Schaack unbedenklich. "Das ist eigentlich gar kein Problem - solange es ein ausgewogener und altersgerechter Konsum ist", erklärt er im N-JOY Interview.

Problematisch werde es, wenn Langeweile und Eskapismus Gründe für den Konsum seien - wir der Situation also durchs Zocken entfliehen wollen, weil wir zum Beispiel Stress, Leistungsdruck oder ein negatives Selbstbild haben.

Wenn ich mit diesem Hintergrund neue Medien konsumiere und das immer wieder tue, ist das problematisch. Dann sind wir an dem Punkt, an dem dieses Verlangen, mir etwas Gutes zu tun oder Spaß zu haben, auch kippen und zu einem Problem für mich werden kann. Christian Schaack im N-JOY Interview

Spiele als Dauerlösung für Stress?

Wenn wir zwar wissen, dass wir nur nachgeben und mehr Geld ausgeben, um der Situation zu entfliehen, es aber trotzdem tun, kann es laut Schaack kritisch werden - vor allem, wenn wir dabei selbst gesetzte Grenzen überschreiten. Etabliere das Gehirn Spiele als Lösung für Stress, könne dies auch zur Sucht führen.

Wenn Entspannung und Zeitvertreib die häufigsten Formen der Nutzung sind, ist es unproblematisch. Die andere Perspektive wäre: Ich mache das immer dann, wenn es mir schlecht geht oder ich unter Druck stehe.

In-App-Käufe ausschalten: So geht's

Wenn ihr in Handyspielen mehr Geld ausgebt als ihr eigentlich wollt, habt ihr übrigens die Möglichkeit, In-App-Käufe zu verhindern oder die Hürde etwas höher zu setzen.

Auf Apple-Geräten könnt ihr In-App-Käufe komplett deaktivieren:

  • Tippt auf "Einstellungen" > "Bildschirmzeit" und aktiviert, falls noch nicht eingestellt, "Bildschirmzeit aktivieren".
  • Klickt auf "Beschränkungen", schiebt den Regler nach rechts und wählt dann "Käufe im iTunes & App Store" aus.
  • Geht in "In-App-Käufe" und stellt dort ein, ob ihr sie "erlauben" oder "nicht erlauben" wollt.

Auf Android-Geräten könnt ihr ein Passwort einstellen, das bei jedem Kauf angegeben werden muss:

  • Öffnet den Google Play Store und geht im Menü auf "Einstellungen".
  • Dort könnt ihr unter "PIN festlegen oder ändern" einen Code vergeben. Je nach Android-Version kann der Menüpunkt auch "Passwort festlegen" oder "Authentifizierung für Käufe erforderlich" heißen. Durch Antippen des Menüpunkts aktiviert ihr die Funktion und könnt einstellen, ob das Passwort des Google-Kontos bei jedem Einkauf, nur alle 30 Minuten oder nie eingegeben werden muss.

Außerdem gibt es sowohl bei Android als auch auf Apple-Geräten die Möglichkeit, die Bildschirmzeit zu begrenzen.

Habt ihr das Gefühl, dass euer Konsum problematisch ist und ihr mit jemandem darüber sprechen solltet, findet ihr beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung sowie beim Fachverband Medienabhängigkeit Informationen sowie Beratungs- und Anlaufstellen.

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