Stand: 04.01.2019 16:50 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Nach Datenklau: Sollten wir Daten aus der Cloud löschen?

Wie sicher sind unsere Daten im Netz? Das haben wir einen IT-Experten gefragt. Die gute Nachricht: Wir können unsere Daten weiterhin in der Cloud sichern - aber eine Regel sollten wir beachten.

E-Mail-Adressen, Bankverbindungen, Handynummern und Urlaubsfotos: Auf Twitter haben Unbekannte Daten von Prominenten und Politikern veröffentlicht - unter anderem zwei E-Mail-Adressen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Daten des Satirikers Jan Böhmermann sowie Informationen über Musiker wie Marteria oder Sido.

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Hannes Federrath, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Hamburg, erklärt im N-JOY Interview, im aktuellen Fall seien gezielt Daten von Prominenten veröffentlicht worden. Es sei aber genauso gut möglich, Daten von normalen Personen zu veröffentlichen.

Eine Meinung, die auch der Chaos Computer Club teilt. Der "CCC"-Sprecher Frank Rieger bezeichnet den aktuellen Datenklau gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) als "Weckruf":

Die Attacke zeigt, was passiert, wenn sich jemand wirklich dahinter klemmt und versucht, systematisch Unsicherheiten und Schlampigkeit auszunutzen, die wir alle im Alltag mit unseren Geräten und Informationen betreiben. Frank Rieger gegenüber der dpa

Der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer vermutet in einem Interview mit der dpa, dass die Daten nicht aus einer einzigen Quelle stammen, sondern es sich um eine Sammlung verschiedener Materialien aus unterschiedlichen Hacks auf E-Mail-Accounts handelt.

Doppelter Schutz

Gegen Datenklau: Zwei-Faktor-Authentifizierung

Mehr Sicherheit für Profile und Accounts im Netz: Dafür soll die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Zwei-Wege-Authentifzierung sorgen. Die Funktionsweise ist einfach: Immer wenn ihr euch mit eurem Passwort anmeldet, sendet der Dienst euch einen zusätzlichen Code (z. B. per SMS) zu. Nur mit Passwort und Code könnt ihr euch einloggen. PayPal, Google, Facebook, Twitter, WhatsApp, Amazon und Apple bieten diese Sicherheitsfunktion beispielsweise an. Der Vorteil: Datendiebe, die zwar euer Passwort, aber nicht euer Handy haben, scheitern beim Log-In-Versuch.

Datenklau in Zukunft vermeiden: So geht's

Federrath betont aber: "Es ist wichtig, jetzt nicht in Panik zu geraten" - und verrät eine Regel, die euch vor Datendiebstahl im Netz schützen soll:

Es ist ganz wichtig, gute Passwörter zu wählen und niemals gleiche Passwörter für verschiedene Internetdienste zu benutzen. Hannes Federrath, IT-Sicherheitsexperte an der Universität Hamburg

Hacker würden in aller Regel große Passwortlisten, die im Netz veröffentlicht wurden, nutzen. Dabei würden sie zuerst sehr weit verbreitete Passwörter ausprobieren.

Das heißt: Wer versucht, seinen Account mit Passwörtern wie "123456" zu schützen, kann davon ausgehen, dass sein Account gehackt werden kann.

Deswegen, so der Experte, sollte jeder Dienst ein anderes und sicheres Passwort bekommen.

Checkliste: Was ist ein sicheres Passwort?

Wichtig bei der Vergabe des Passworts: Es darf kein ganzes Wort sein. Hackersoftware arbeitet teils mit Wörterbüchern, weshalb solche Passwörter schnell geknackt werden können. Auch kleine Veränderungen wie H@nnov3r entziffern diese Programme schnell. An diesen Kriterien könnt ihr euch orientieren, um zu prüfen, ob ein Passwort sicher ist:

1. Das Passwort besteht aus mehr als sechs Zeichen
2. Das Passwort besteht aus zufälligen Zahlen-Buchstaben-Kombinationen
3. Es sind keine persönlichen Daten im Passwort zu finden (zum Beispiel PIN-Nummern, Telefonnummern oder Autokennzeichen)
4. Es ist ein einmaliges Passwort, das ihr bei keinem anderen Dienst nutzt.

Sichere Passwörter finden

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Panik-Check: Sollten wir keine Daten in der Cloud speichern?

Wenn Hacker Daten aus dem Netz klauen - sollten wir unsere Daten dann nicht lieber auf den heimischen Rechner holen, statt sie in der Cloud zu speichern? Im ersten Moment scheint das sinnvoll.

Daten, die nicht im Netz sind, können natürlich auch nicht direkt im Netz ausspioniert werden. Hannes Federrath, Datenschutzexperte

Doch auf dem eigenen Rechner oder Tablet müssen die Daten ebenfalls gut geschützt sein. "Auch die Daten, die darauf gespeichert sind, können ausgespäht werden", erklärt Federrath. Ein gutes Passwort allein helfe hier nicht weiter: "Es ist ganz wichtig, Updates einzuspielen, das System immer aktuell zu halten und den aktuellsten Browser zu verwenden." So seien Nutzer meist vor den bekannten Sicherheitslücken geschützt.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 04.01.2019 | 15:00 Uhr

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