Stand: 17.08.2018 11:42 Uhr

Fiese Tricks: So locken Werbeanzeigen in die Falle

Wir abonnieren freiwillig Newsletter, entscheiden uns bewusst für einen kostenpflichtigen Premium-Account und entscheiden selbst, auf welche Werbeanzeigen wir klicken und auf welche nicht. Dieses Selbstverständnis versuchen einige Marketingabteilungen zu umgehen.

Ausversehen den Premium-Account bestellt, den teureren Flugpreis gezahlt oder den Newsletter bestätigt, statt ihn abzubestellen? Dann seid ihr vielleicht Opfer eines "Dark Pattern" oder eines "Dark UX"-Designs geworden. So heißt unter Grafik-Designern die Technik mit der Webseiten, Apps, Betriebssysteme oder Software so gestaltet wird, dass sie Nutzer absichtlich in die Irre führen.

Dark Pattern: Ein Designer sammelt die schlimmsten Beispiele

Der Blog DarkPatterns.org sammelt die fiesesten, gemeinsten und absurdesten Nutzer-Veräppelungsbeispiele in der "Hall of Shame". Wir zeigen, die fiesen Tricks der App-, Werbe- und Online-Shop-Designer.

 

1. Kostenlose Premium-Test-Version beenden? Nein oder Nein, Danke?

Wenn die Auswahlmöglichkeiten zwischen "Nein" und "Nein, Danke" liegen, bleibt wohl nichts anderes übrig, als den Premium-Account zu bezahlen. Carsten Ovens ist Marketing-Experte der Uni Hamburg und erklärt, wie er reagieren würde, wenn er das Gefühl hätte, auf die falsche Fährte gelockt zu werden: Den Vorgang abbrechen, im Netz nach dem Problem suchen und gucken, ob es bereits bekannt ist.

Auch die Verbraucherzentrale kann sicherlich eine gute Anlaufstelle sein. Carsten Ovens, Marketing-Experte an der Uni Hamburg

 

2. Das Haar auf dem Turnschuh

Haar wegwischen? Von wegen! Bei dieser Anzeige geht es nur um den einen Klick. Carsten Ovens erklärt:

Je mehr Nutzer auf die Anzeige klicken, desto mehr verdient das Unternehmen, das diese Anzeige geschaltet hat. Carsten Ovens, Marketing-Experte an der Uni Hamburg

Langfristig bezweifelt er aber, dass sich das Konzept auszahlt. Denn wenn der Nutzer sich ärgert, existiere immer die Gefahr, dass ein negativer Effekt für die Marke entstehe. "Von daher hat am Ende des Tages keiner was davon, außer dem, der die Anzeige schaltet und damit Geld verdient, das Jemand darauf klickt."

 

3. Günstig fliegen? Unser Angebot heute: mehr bezahlen!

Wo genau versteckt sich der günstigere Flugpreis? Links unten in der Ecke, in grau und kaum sichtbar, versteckt die US-amerikanische Airline United den Preis. In diesem Fall liegt der Preisunterschied bei 20 US-Dollar. Die Frage hier ist, ist das schon ein "Dark Pattern", also absichtlich irreführend und manipulativ, oder nur kluges Marketing?

 

4. Dreck auf dem Display? Vorsicht, vielleicht ist das Werbung!

Die Frage nach klugem Marketing stellt sich hier nicht: Wer versucht den Dreck vom Display zu wischen, der klickt - auf die Anzeige. Der Marketing-Experte Ovens sieht darin einen klaren Ansatz für Manipulation:

Da wird bewusst mit den Impulsen des Nutzers gespielt. Carsten Ovens, Marketing-Experte an der Uni Hamburg

Gleichzeitig erklärt er, solche sehr manipulativen Werbebanner würden eher kleine Unternehmen nutzen, um einen Klick zu generieren: "Kein seriöses Unternehmen kann sich das leisten."

 

5. Werbung überspringen und App bezahlen

Nutzerführung ist auch, Buttons dort zu platzieren, wo der Nutzer sie erwartet. Im Fall oben macht der Button aber etwas anderes als erwartet. Wer ohne exakt zu lesen auf "Weiter" klickt, der überspringt nicht die Werbung, sondern kann im nächsten Schritt die Bezahlversion der App kaufen. Für Twitter-Nutzer @skaulana fällt auch das bereits unter Dark Pattern.

 

6. Oath, Yahoo, Tumblr: Mehr als 300 Mal klicken!

Wir sollen keine Daten sammeln? Dann klickt! Seit die neue EU-Datenschutzgrundverordnung Ende Mai 2018 in Kraft getreten ist, müssen Firmen ihren Nutzern erlauben, zu bestimmen, mit welchen Firmen sie die Nutzerdaten teilen möchten. Auch Oath, das Unternehmen in dem Yahoo und AOL verschmolzen sind, hat die Transparenz, den Nutzern eine Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, in allen Details entsprochen.

Das bedeutet, Nutzer dürfen bei jedem einzelnen Werbepartner und Datenanalyse-Unternehmen mit dem Oath zusammenarbeitet entscheiden: Der bekommt meine Daten, der nicht. Die Folge: Bei mehr als 300 Firmen müssen Nutzer den Schieberegler anklicken, um der Datenweitergabe zu widersprechen. Die Option "Datenweitergabe für alle ausschalten" gibt es nicht.

 

7. Nein, Danke. Es ist mir egal, was meine Katze frisst.

Vom Newsletter abmelden: Auf dem Twitteraccount von DarkPatterns.org tummeln sich Beispiele von Firmen, die es den Kunden möglichst schwierig bis unmöglich machen möchten, den Mail-Verteiler zu verlassen. Wie?

8. Das "X" erlaubt die Cookie-Nutzung.

Transparenz und Ehrlichkeit scheint nicht für alle Firmen ein Grundsatz zu sein - zumindest nicht, wenn es darum geht Informationen und Daten zu sammeln. Wer auf dieser Webseite gefragt wird, ob das Cookie-Sammeln in Ordnung ist, sollte nicht auf das "X" klicken. Denn das "X" bedeutet nicht schließen, sondern "Erlauben". Widersprechen kann der Nutzer auf dieser ersten Seite nicht. Denn der Anbieter macht sich einen Menchanismus zu Nutze, den auch Facebook anwendet.

9. Facebook Gesichtserkennung

Du bist nicht einverstanden? Ein "Nein, Danke"-Knopf fehlt bei vielen Apps und Webseiten. Stattdessen bieten die Dienste einen "Mehr lernen"-Knopf oder ein "Dateneinstellungen verwalten" als Alternative zu "Zustimmen" an. Dahinter versteckt sich teils erst hinter mehreren Klicks die Möglichkeit Nein zu sagen und abzulehnen. Auch Facebook nutzt diesen Mechanismus beim Start neuer Funktionen und, wie ein Twitter-Nutzer kritisiert auch im Messenger.

 

10. "Anschlussfinanzierung ausprobieren" statt "Weiter"

Eigentlich geht es bei Dark Patterns darum, Nutzern durch ein bestimmtes Design vorzugaukeln, dass da etwas neu, etwas toll ist. So erklärt der Marketing-Experte Ovens das Ziel von Dark Patterns.

Dadurch sollten Nutzer animiert werden zu klicken. Carsten Ovens, Marketing-Experte der Uni Hamburg

Das Beispiel oben animiert auch zum Klicken - durch Irreführung. Denn wer auf die vermeintlich nächste Seite wechseln möchte und auf den Button unten rechts klickt, der schließt eine Finanzierung ab.

 

Fazit: Was ist Dark UX oder Dark Patterns?

Mit Dark UX und Dark Patterns führen App- und Software-Entwickler Nutzer in die Irre und auf die falsche Fährte. Doch die Beispiele zeigen, es ist nicht immer klar, wann ein Nutzer bereits in die Irre geführt wird und wann das Unternehmen Benutzerführung klug zu seinen Zwecken einsetzt. Behindert ein in kleinerer Schriftgröße geschriebener "Abmelden"-Knopf Nutzer in ihrer Entscheidungsfreiheit? Muss "Nein" sagen nicht genauso einfach sein wie zustimmen? Egal, wie die Antwort darauf ausfällt, die Beispiele zeigen: Nicht alle Apps wollen das Beste für den Nutzer, ein genauer Blick lohnt sich.

FunFact: In diesem Jahr wird es erstmals einen Preis für die schlechteste und irreführendste Benutzerführung geben. Aktuell ist die Jury noch auf der Suche nach den absurdesten Dark-Patterns-Beispielen.

 

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