Stand: 12.05.2021 18:21 Uhr

Online-Shopping: Manipulierte Bewertungen bei Amazon

Bevor wir etwas im Internet kaufen, checken wir die Bewertung, die andere abgegeben haben. Viele dieser Bewertungen bei Amazon sind aber gar nicht echt, wie ein Datenleck jetzt zeigt. So könnt ihr gefälschte Bewertungen erkennen.

Amazon kämpft seit Jahren gegen gefälschte Produktbewertungen an. Bei bis zu jeder fünften Rezension auf der E-Commerce-Plattform könnte es sich Untersuchungen zufolge um eine Fake-Bewertung handeln, wie das Magazin t3n schreibt.

Nun ist eine öffentlich zugängliche Datenbank entdeckt worden, die das Erstellen von Fake-Bewertungen im großen Stil offenbart. Sicherheitsforscher von "SafetyDetectives" haben in der Datenbank die Identitäten von 200.000 Personen gefunden, die regelmäßig gefälschte Bewertungen auf Amazon veröffentlicht haben sollen.

Mehr als 13 Millionen Daten und Nachrichten, in denen Amazon-Händler Fake-Bewertungen mit Käufern ausgehandelt haben, sollen sich in der Datenbank befinden. Darunter sollen Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Paypal- und Amazon-Konten sowie mit Whatsapp- oder Telegram-Accounts verknüpfte Handynummern sein.

Gefälschte Bewertungen: Das Prinzip ist nicht neu

Das Prinzip hinter den gefälschten Bewertungen ist nicht neu. Laut dem Magazin t3n funktioniert es wie folgt:

Händler schicken möglichen Fake-Review-Erstellern einen Link zu dem Produkt, für das sie eine Fünf-Sterne-Bewertung möchten. Die Nutzer kaufen das Produkt daraufhin auf Amazon. So wird sichergestellt, dass die Bewertung als "Verifizierter Kauf" erscheint.

Ein paar Tage später schreibt der Fake-Reviewer eine positive Produktbewertung und schickt dem Händler, der ihn damit beauftragt hat, eine Nachricht. Dieser überweist dem Reviewer im Gegenzug auf privatem Wege Geld. Die Summe soll dabei sehr unterschiedlich ausfallen.

Laut "SafetyDetectices" soll sich der Server der entdeckten Datenbank in China befinden und wahrscheinlich einer chinesischen Organisation gehören. Den Sicherheitsforschern zufolge war sie zwischen dem 1. und 6. März 2021 zugänglich, wurde anschließend aber wieder gesichert. Wem die Datenbank gehört, ist weiter unklar.

Amazon soll teilweise bereits gegen die betreffenden Personen vorgegangen sein und Produkte mit gefälschten Bewertungen aus dem Angebot gelöscht haben. Der Konzern schreibt in einem Blogbeitrag: "Kundenbewertungen sind eines der wertvollsten Werkzeuge, die wir Kunden anbieten, um Kaufentscheidungen zu treffen." Man arbeite intensiv daran, um sicherzugehen, dass sie ihre Aufgabe erfüllen.

So lassen sich gefälschte Bewertungen erkennen

Tatsächlich scheinen die Bewertungen anderer für viele Kunden extrem wichtig. Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom kommt zu dem Ergebnis, dass 55 Prozent aller deutschen Online-Shopper sich von Meinungen beeinflussen lassen - für mehr als jeden Zweiten ist eine Online-Bewertung sogar wertvoller als der Tipp eines Freundes. Einige Tricks können helfen, nicht auf falsche Bewertungen reinzufallen - doch auch diese haben Grenzen:

1. Gefälschte, erfundene Bewertungen erkennen

Die gute Nachricht: Fake-Bewertungen von Menschen, die das Produkt nie in der Hand hatten, sind leichter zu erkennen. Ihnen fehlt der Zusatz "Verifizierter Kauf", die Namen der Bewertenden sind meist keine Klarnamen.

Der wichtigste Hinweis: Erfundene Bewertungen erinnern oft an Werbeanzeigen: "Schönes elegantes Stück" oder "Perfekt für den Ausflug in die Natur". Wer ein Produkt wirklich ausprobiert hat, teilt seine Eindrücke meist anschaulicher und verständlicher.

2. Manipulierte, beeinflusste Bewertungen erkennen

Für User ist es fast unmöglich, sicher zu sagen, wer ein Produkt gekauft hat und wer es vom Verkäufer geschenkt oder billiger bekommen hat. Früher war der Satz "Ich habe das Produkt vergünstigt oder kostenlos für einen Test zur Verfügung gestellt bekommen" verpflichtend. Da Amazon diese Art der Werbung seit Ende 2016 gar nicht mehr erlaubt, findet sich auch dieser Satz nicht mehr in den Kundenrezensionen. So oder so: Auch wenn es sich um einen "verifizierten Kauf" handelt, ist eine gesunde Skepsis angebracht.

3. Webseite enttarnt manipulierte Kundenrezensionen

Holt euch Hilfe! Die Webseite ReviewMeta.com analysiert die Bewertungen eines Produktes bei Amazon und weist auf mögliche Unregelmäßigkeiten hin.

Nachdem ihr den Link zu einem Produkt eingegeben habt, wird überprüft, ob es Auffälligkeiten bei den Bewertungen gibt. Anschließend wird auch angeben, wie viele Sterne das Produkt ohne die Fake-Bewertungen hätte.

Bei Bluetooth-Kopfhörern für 23 Euro, die mit mehr als 3.750 Bewertungen und 4,2 Sternen bewertet sind, warnt die Seite mit: "Unnatürliche Bewertungen möglich". Vor einem zweiten Paar Bluetooth-Kopfhörer für 30 Euro mit 111 Kundenbewertungen und fünf Sternen warnt die Webseite mit einem großen "Fail". Hier scheinen die Bewertungen größtenteils nicht echt zu sein.

 

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