Stand: 30.05.2018 11:51 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Identität schützen: So verratet ihr im Netz möglichst wenig

Facebook weiß, welcher Nutzer einen Netflix-Account hat, wer schon einmal bei Amazon eingekauft hat - und sogar, welche Pornos ihr angesehen habt, wie der Datenschützer Max Schrems in einem Interview verraten hat.

Ihr müsst euch aber nicht damit abfinden, dass soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Streaming-Dienste oder Online-Shops Unmengen Informationen über euch sammeln. Wir verraten in 11 Tipps, wir ihr möglichst wenige Informationen über euch preisgebt und eure Identität beim Surfen ein wenig verschleiern könnt.

Matthias Marx von der Uni Hamburg ist Experte für anonymes Surfen im Netz. Er erklärt, wie ihr die Firmen im Netz am besten verwirrt:

1. Werbeblocker installieren

"Werbeblocker sind eine relativ einfache Möglichkeit, die viel bringt", erklärt Marx. "Sie sorgen dafür, dass Werbung oder Tracker gar nicht erst geladen werden." Er betont: "Teils versuchen Kriminelle, über Werbebanner Schadsoftware auf Rechner zu schmuggeln. Auch diese Gefahr bannt ein AdBlocker."

Die Empfehlung: Installiert "uBlock Origin" im Chrome- oder Firefox-Browser. Dieses Add-On empfehlen sowohl die Tester von Stiftung Warentest als auch die Aktivisten von Digitalcourage.de.

Einsteiger-Tipp: Seid vorsichtig, welche AdBlocker ihr installiert - Ende April landeten Fake-AdBlocker für den Chrome-Browser in den Schlagzeilen. Kriminelle hatten Malware als Werbeblocker getarnt und konnten so 20 Millionen Chrome-Nutzer ausspionieren.

 

2. Cookies löschen

Viele Webseiten hinterlegen sogenannte Cookies, die Informationen über die Nutzer speichern - zum Beispiel, was sie sich angesehen haben, worauf sie geklickt haben, aber auch IP-Adressen. Mit Hilfe dieser Cookies können euch die Webseiten-Betreiber auch auf anderen Seiten wiedererkennen. Um Firmen nicht alles über euch zu verraten, empfiehlt Marx: Installiert auf dem Smartphone einen Browser, der Cookies löscht, sobald ihr die App beendet.

Die Empfehlung: Installiert die Firefox-App. Der Browser lässt seine Nutzer auch auf dem Smartphone entscheiden, welche Cookies zugelassen werden und welche nicht. Geht in den Einstellungen auf "Datenschutz" und wählt bei "Cookies" den Punkt "Erlauben, aber nicht Drittanbietern" aus. Darunter gibt es den Punkt "Private Daten beim Beenden löschen" - markiert hier "Cookies & Logins". So verschwinden die neugierigen Software-Teilchen automatisch aus eurem Browser und von eurem Smartphone.

Einsteiger-Tipp: Firefox ist der am zweithäufigsten verwendete Browser in Deutschland, er funktioniert ähnlich wie der Chrome-Browser. Größter Unterschied: Firefox stammt von der Mozilla Stiftung - und nicht wie Googles Chrome-Browser von einem gewinnorientierten Unternehmen, das Daten sammelt, um Geld zu verdienen.

 

3. Messenger nutzen, die verschlüsseln

"Nur verschlüsseln reicht nicht", erklärt Matthias Marx. Auch WhatsApp verschlüsselt mittlerweile seine Chats. Trotzdem empfiehlt der Experte für anonymes Surfen andere Messenger. Der Grund: "Bei WhatsApp landen immer noch die Kontakte aus dem Telefonbuch auf den Servern von WhatsApp." Auch Metadaten verraten viel über einen Nutzer - mit wem hat er geschrieben, um welche Uhrzeit, wie lange und wie häufig unterhalten sich die beiden Chat-Partner. Marx empfiehlt Messenger, die sich nicht über Nutzer-Daten finanzieren.

Die Empfehlung: Signal - ein kostenloser Messenger, der SMS an alle verschickt, die die App nicht haben, und verschlüsselte Nachrichten an andere Signal-Nutzer. Der Messenger wird über Spenden finanziert und schützt die Privatsphäre seiner Nutzer. Die zweite Empfehlung: Threema. Dieser Messenger kostet einmalig 3 Euro (Android) beziehungsweise 3,50 Euro (iOS).

Einsteiger-Tipp: Signal ist kostenlos, schützt eure Privatsphäre und ihr könnt - ähnlich wie bei WhatsApp - Gifs versenden. Installiert die App und probiert sie mit euren engsten Freunden aus. So bleiben eure Geheimnisse geheim.

 

4. Gewinnspiele vermeiden

Auto, MacBook, Reise gewinnen? Für viele Gewinnspiele müsst ihr mehr Informationen preisgeben als notwendig. Wo meist schon eine E-Mail-Adresse, eine Stadt, eine Handynummer und das Alter ausreichen würden, versuchen viele Gewinnspielanbieter, möglichst viele Informationen abzugreifen - zum Beispiel eure Anschrift. Die Stiftung Warentest warnt: "Gewinnspiele sind ein beliebtes Mittel, um private Daten zu entlocken. Diese werden dann für Werbezwecke oder Profilbildung verwendet".

Die Empfehlung: Überprüft, ob die Gewinnspiel-Anbieter vertrauenswürdig sind und lest, was sie mit den Informationen über euch vorhaben. In den Datenschutzbestimmungen ist das immer festgelegt. Geben sie eure Daten an dritte Werbepartner weiter? Nehmt nicht teil.

Einsteiger-Tipp: Füllt keine Postkarten auf Festivals oder Messen aus - häufig landen die E-Mail-Adressen in Unternehmensdatenbanken zu Werbezwecken. Statt einem Auto gewinnt ihr dann nur Werbung.

 

5. Kundenkarten meiden

Menschen, die Hamsterfutter kaufen, kaufen auch Prepaid-Verträge. Das hat der Chef des Kundenkartensystems "PayBack" der Tageszeitung Welt verraten. Die Lösung des Rätsels: Sie haben Kinder, deswegen einen Hamster und auch wegen der Kinder auch Verwendung für einen Prepaid-Tarif. Das Beispiel zeigt, wie Treuekarten-Anbieter wichtige Informationen über Kunden sammeln. Die Unternehmen nutzen diese dann, um die Werbung auch offline möglichst passend zu zuschneiden.

Die Empfehlung: Meidet Kundenkarten - ihr verratet mehr über euch, als dass ihr von den Punkten profitiert.

Einsteiger-Tipp: Experte Marx empfiehlt auch, online auf ein Kundenkonto zu verzichten: "Noch gibt es Online-Shops, bei denen man ohne Kundenkonto bestellen kann."

 

6. Alternative Suchmaschinen nutzen

Google sammelt alles, jede Suchanfrage wird gespeichert. Die Suchmaschine bietet mit Google Trends sogar einen Dienst an, der anzeigt, wo Menschen zum Beispiel "Ich bin verliebt" (In 10 von 16 Bundesländern) oder "Ich bin traurig" (in 3 von 16 Bundesländern) gesucht haben. Seid ihr mit eurem Googlemail-Account in eurem Browser eingeloggt, sortiert Google eure Suchanfragen sogar euerem Profil zu und ihr könnt minutengenau nachgucken, was ihr zum Beispiel am 23. April 2018 gesucht habt. Teilweise verraten eure Suchanfragen mehr, als ihr vielleicht erwarten würdet.

Die Empfehlung: Andere Suchmaschinen verwenden: Startpage.com oder DuckDuckGo.com schützen die Privatsphäre ihrer Nutzer. Hinterlegt im Browser - das geht auch auf dem Smartphone - eine der Suchmaschinen als Standard.

Einsteiger-Tipp: Ihr müsst nicht komplett auf Google verzichten. Gerade bei regionalen Suchanfragen - einem Café, Restaurant oder Öffnungszeiten - besticht Google mit gut zugeschnittenen Ergebnissen. Aber gerade bei Wissensfragen - "Wie alt ist Justin Bieber?" (24) - helfen auch die Google-Konkurrenten weiter.

 

7. Apps die Zugriffsberechtigungen entziehen

Die Fotobearbeitungs-App kann das Mikrofon bedienen, die Spiele-App liest eure SMS und die Taschenlampen-App durchforstet euer Telefonbuch? Teils erfragen Apps Zugriffsrechte, die sie für ihre Funktionalität nicht brauchen. Deswegen: Achtet darauf, welche Berechtigungen sinnvoll sind und welche nicht.

Die Empfehlung: Entzieht den Apps die Rechte, die sie nicht brauchen. Öffnet die Einstellungen eures Smartphones, wählt bei iPhones und iPads den Punkt "Datenschutz" aus oder klickt bei Android-Geräten auf "Apps & Benachrichtigungen" und "Berechtigungen". Hier seht ihr, welche Apps Zugriff auf das Mikrofon, die Kontakte, den Standort etc. haben.

Einsteiger-Tipp: Viele Apps brauchen Zugriff auf euren Speicher, zum Beispiel, um Fotos abzurufen oder abzulegen. Trotzdem empfiehlt Stiftung Warentest: Einfach mal Berechtigungen entziehen - falls eine App danach nicht mehr funktioniert, könnt ihr die Berechtigung im Nachhinein immer noch wieder freigeben.

 

8. Alte Apps löschen

Aufräumen! Was für die Wohnung gilt, ist auch auf dem Smartphone wichtig. Deinstalliert Apps, die ihr nicht mehr braucht. Matthias Marx empfiehlt: "Apps löschen ist nur sinnvoll, wenn die App sich automatisch startet oder den Standort abruft." Dann trifft nämlich ein, wovor Stiftung Warentest warnt: Die Apps sammeln weiterhin Daten, obwohl ihr sie nicht mehr benutzt.

Die Empfehlung: Deinstalliert, was ihr nicht nutzt.

Einsteiger-Tipp: System-Apps, die von Apple oder Google selbst bereitgestellt werden, können häufig nicht gelöscht werden - Rechte zu entziehen funktioniert aber meist.

 

9. Immer ausloggen

Eine Legende, die immer noch stimmt: Ihr erleichtert es Diensten wie Google oder Facebook, Informationen über euch zu sammeln, wenn ihr ständig eingeloggt bleibt. Beide Firmen verdienen den größten Teil ihres Geldes mit Werbung. Bleibt ihr eingeloggt, verratet ihr den Diensten, wer ihr seid, auch wenn ihr außerhalb von Facebook und Google surft. Loggt ihr euch aus, erschwert ihr es Google und auch Facebook, euch eindeutig zu erkennen.

Die Empfehlung: Loggt euch aus, wann immer es geht.

Einsteiger-Tipp: Die Stiftung Warentest empfiehlt zusätzlich: Ignoriert Social Plugins - heißt, klickt nicht auf den Facebook-Gefällt-mir-Button, wenn ihr nicht auf Facebook selbst unterwegs seid. Und kommentiert hier auch nicht über euren Facebook-Account.

 

10. Digitalen Fingerabdruck verändern

Jede Webseite hat Zugriff auf einen sogenannten digitalen Fingerabdruck. Dieser Fingerabdruck kann sich aus bis zu 50 bis 200 verschiedenen Kriterien zusammensetzen. Er übermittelt unter anderem eure IP-Adresse, welchen Browser ihr nutzt, wie groß das Display ist, aber auch, welche Schriftarten installiert sind. Die Informationen können euch zusammen eindeutig identifizieren, erklärt Matthias Marx.

Die Empfehlung: Der TOR-Browser übermittelt für alle Nutzer den gleichen digitalen Fingerabdruck. Im Endeffekt ist dieser Browser nur eine etwas veränderte Version des Firefox-Browsers und für jeden nutzbar. "Tor schützt auch vor Datenkraken", erklärt der Experte.

Einsteiger-Tipp: Der TOR-Browser lässt sich auf dem Rechner einfach installieren. Wer bei dem Begriff TOR an das Darknet denkt, dem entgegnet Marx: "Man kann über den TOR-Browser ins sogenannte Darknet - allerdings kann man mit dem TOR-Browser auch das ganz normale Internet benutzen. Es bleibt dem Nutzer überlassen, wie er den Browser nutzt."

 

11. Unterschiedliche E-Mail-Adressen nutzen

Für jeder Dienst eine eigene E-Mail-Adresse: Experte Marx macht das - zweifelt aber an dem Nutzen: "Das kann etwas bringen, ist jedoch mit Aufwand verbunden."

Die Empfehlung: Statt eine neue E-Mail-Adresse für jeden Dienst anzulegen, legt eine Spam-Adresse an, die ihr immer wieder benutzt. Im Zweifelsfall könnt ihr die dann einfach löschen.

Der Einsteiger-Tipp: Vermeidet das sogenannte Single-Login - erstellt, wenn ihr schon ein Konto für einen Dienst anlegt, eines mit Mail-Adresse und Passwort. Meldet euch nicht mit euren Amazon-, Facebook- oder Google-Accounts an.

 

 

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