Stand: 21.03.2018 17:26 Uhr | AutorIn: Charlotte Bogo und Dhala Rosado

So schützt ihr eure Daten bei Facebook

Mutmaßlicher Daten-Missbrauch in den USA: Facebook steht gerade am Pranger, weil wohl Daten von 50 Millionen Nutzern ohne ihr Einverständnis verkauft wurden. Wir haben Tipps für euch, mit denen ihr der Plattform möglichst wenig eurer persönlichen Daten preisgebt.

Das Thema Social Media und Datenschutz ist ja grundsätzlich schwierig. Der aktuelle Datenskandal beweist nur ein weiteres Mal, wie schwierig. Eine neue Studie zeigt: 99 Prozent der Facebook-Nutzer wissen nicht genau Bescheid, welchen Klauseln sie zustimmen, wenn sie die AGBs bestätigen. Das Problem sind aber nicht nur die weitreichenden Daten-Richtlinien der Plattform selbst. Es gibt viele weitere Daten-Fallen, in die ihr tappen könnt. Wenn ihr euch zum Beispiel bei Apps wie Spotify oder Airbnb mit eurem Facebook-Konto anmeldet, haben die Zugriff auf eure Daten. Auch wenn ihr Facebook-Spiele nutzt oder Psychotests macht, erlaubt ihr Drittanbietern eure Datennutzung.

Datenskandal bei Facebook

Was ist passiert?

  • Wegen mutmaßlichem Daten-Missbrauch droht Facebook eine Klage und Milliardenstrafe in den USA.
  • Die rechtlichen Konsequenzen beschränken sich aber nicht nur auf die USA - die Briten und das EU-Parlament sind auch dabei.

Daten-Missbrauch?
  • Unter dem Vorwand akademischer Forschungen wurden über eine App haufenweise Profil-Daten gesammelt und weiterverkauft - ohne Zustimmung der Nutzer.
  • Die App hieß Thisisyourdigitallife und war eine Art Psychotest.
  • Mit der Teilnahme erlaubten Nutzer den Zugriff auf ihre persönlichen Informationen, aber auch auf die von Freunden und Freunden von Freunden.
  • So sollen Informationen von 50 bis 60 Millionen Facebook-Profilen abgegriffen worden sein.

Was ist mit den Daten passiert?
  • Die gesammelten Daten wurden an die Firma Cambridge Analytica verkauft.
  • Diese Firma hat damit ein Programm entwickelt, um Wähler im US-Wahlkampf 2016 personalisiert anzusprechen und in ihrer Entscheidung zu beeinflussen.
  • Wichtigster Kunde: Donald Trump.

Was sagt Facebook dazu?
  • Facebook soll seit 2015 von allem gewusst und die Löschung der Daten verlangt haben.
  • Um das durchzusetzen, wurden aber offenbar keine effektiven Maßnahmen eingeleitet.
  • Der ganze Fall kam durch den Whistleblower und Ex-Mitarbeiter von Cambridge Analytica Christopher Wylie an die Öffentlichkeit. Er hat gegenüber der New York Times und dem Observer ausgepackt.
  • Seitdem ist der öffentliche Druck auf Facebook riesig geworden und der Konzern hat Jeine externe Firma beauftragt, die Vorwürfe zu untersuchen.
  • Mark Zuckerberg und seine Leute haben ein offizielles Statement rausgegeben: "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden."

So rückt ihr möglichst wenig Daten auf Facebook raus

Das Grund-Prinzip ist natürlich: Je weniger Daten ihr preisgebt, desto weniger kann Facebook oder irgendwer anders damit anstellen. Das Internet vergisst nichts und Facebook auch nicht. Also solltet ihr euch gut überlegen, was ihr hochladet, postet, teilt. Trotzdem gibt es ein paar Schrauben, an denen ihr drehen könnt, um Facebooks Datengewalt etwas einzuschränken.

Lasst Facebook nicht euren Standort verwenden

Über die Standort-Abfrage kann Facebook ein ziemlich genaues Bewegungsprofil von euch erstellen - aus Postings, Nachrichten, Veranstaltungszusagen und Co. Um das zu verhindern, geht ihr einfach in die Einstellungen eures Smartphones, wählt die App-Einstellungen aus und legt fest, wann Facebook euren Standort verwenden darf.

Nutzt nicht die Facebook-App

Statt euch die Facebook-App direkt herunterzuladen, solltet ihr das Netzwerk lieber im Browser nutzen. Der Grund: Habt ihr die App auf eurem Smartphone installiert, ist sie durchgehend im Hintergrund aktiv. Wenn ihr also irgendetwas mit eurem Handy anstellt - und sei es nur, dass ihr einen Link in die Zwischenablage kopiert - kriegt Facebook das mit. Hinzu kommen die ganzen Zugriffsrechte (Mikrophon, Kamera, Fotos, Standort etc.), die ihr der App erteilt und die im Zweifel eure Datensicherheit beeinträchtigen können. Diese Zugriffsrechte können euch nicht in die Quere kommen, wenn ihr Facebook im Browser öffnet. Dabei achtet darauf:

Facebook in einem eigenen Fenster öffnen

Websites, auf denen ihr surft, kommunizieren meist direkt mit Facebook - selbst, wenn das nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Im Zweifel weiß Facebook über alles Bescheid, was ihr im selben Browserfenster gegoogelt, gelesen oder gesehen habt. Deshalb passiert es auch so oft, dass ihr irgendwo Schuhe anschaut und im nächsten Augenblick eine Werbeanzeige für genau dieses Paar auf eurer Facebook-Startseite auftaucht. Um das zu vermeiden loggt euch entweder immer aus, bevor ihr surft oder, wenn euch das zu aufwändig ist, öffnet Facebook einfach in einem eigenen Browser-Fenster. Dann kann die Plattform nicht mitsurfen.

Meldet euch nicht über Facebook bei anderen Apps an

Spotify, Airbnb, Soundcloud & Co bieten ihren Nutzern die Option, sich entweder über eine Mailadresse oder den persönlichen Facebook-Account einzuloggen. Die Facebook-Option ist natürlich verlockend, weil es nur ein einziger Klick ist. Aber damit erlaubt ihr den App-Anbietern auch den Zugriff auf alle eure Profil-Daten. Also vielleicht lieber eine Mailadresse für solche Apps anlegen. Manche Apps (wie zum Beispiel Tinder) lassen euch gar nicht die Wahl.

Löscht Facebook-Apps direkt auf der Plattform

Auf Facebook sind euer Name, Profilbild, Titelbild, Geschlecht, Benutzername, Netzwerke und eure Nutzer-ID für Personen und Apps immer öffentlich verfügbar. Diese Drittanbieter (wie auch die App Thisisyourdigitallife) haben dauerhaft Zugriff auf eure Daten, aber oft eben auch auf eure Freundeslisten, die Daten eurer Freunde und weitere öffentliche Informationen - selbst, wenn ihr sie nicht mehr nutzt. Es ist also wichtig, dass ihr diesen Apps ihr Zugriffsrecht wieder entzieht. Das funktioniert über die Einstellungen auf Facebook und den Bereich Apps. Dort seht ihr, bei welchen Apps ihr mit eurem Facebook-Profil angemeldet seid und könnt sie direkt löschen.

Instagram und Whatsapp gehören zu Facebook

Nur ein kleiner Reminder: Facebook ist ein rieisger Konzern, zu dem inzwischen auch Instagram und WhatsApp gehören. Wenn ihr also nicht wollt, dass Facebook bestimmte Dinge über euch weiß, solltet ihr die auch nicht dort öffentlich machen. Ein kleines Trost-Pflaster: Seit März 2018 gibt es ein Gerichtsurteil, das Facebook die personenbezogene Daten-Nutzung von deutschen Usern verbietet.

Eigene Daten herunterladen

Was wissen Facebook & Google über euch?

Bei Facebook und Google könnt ihr alle Informationen, die die Konzerne über euch haben herunterladen. So geht's:

Persönliche Daten von Facebook herunterladen
Öffnet die Facebook Einstellungen und klickt unten auf den kleinen Text "Lade eine Kopie".

Persönliche Daten von Google herunterladen
Meldet euch im Google-Konto an, klickt auf den Link "Daten herunterladen". Scrollt nach unten und klickt auf "Weiter". Hier erstellt Google das Archiv eurer Daten.

Wichtig: Speichert die Daten auf einem sicheren Rechner oder einer externen Festplatte, die nicht mit dem Netz verbunden ist. In den Dateien steckt ein großer Teil eures Online-Lebens, das solltet ihr wie Geheimnisse sehr gut schützen.

 

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