Stand: 20.07.2018 19:47 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Computerspielsucht: Warum Süchtige nicht mehr aus Spaß zocken!

Spielen, um Stress abzubauen: Seit wenigen Wochen ist Computerspielsucht offiziell eine Krankheit. Ein Arzt erklärt, warum ein Hobby-Spieler nicht aus Versehen als Süchtig diagnostiziert werden wird.

"Die Computerspielsucht zerstört mein Leben" - es ist der Anfang eines Forumposts aus dem Jahr 2009. Ein junger Erwachsener erklärt, wie er seinen Job, seine Freunde verloren hat. 16 Stunden am Tag hat er gespielt, sich dann wieder gefangen, seine Spiel-Charaktere verkauft, um später wieder mit dem Spielen anzufangen. Sein Post liest sich, wie ein Beispiel aus dem Lehrbuch.

Reportage

Wenn Computerspielen zur Sucht wird

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Computerspielsucht: Offiziell als Krankheit definiert

Seit Mitte Juni 2018 - und 9 Jahre nach dem Hilfeschrei des unbekannten 25-Jährigen - hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Computerspielsucht als Krankheit anerkannt. Unter dem offiziellen Begriff "Gaming Disorder" versteht die WHO ein krankhaftes Videospielen, wobei es keine Rolle spielt, ob online oder auch offline gespielt wird.

In Deutschland wird derzeit noch um eine passende Übersetzung und Einordnung gerungen. Oft wird das, was die WHO generell als "Gaming Disorder" bezeichnet, nicht in seiner wörtlichen Übersetzung "Videospiel-Störung" genannt, sondern von Computerspielsucht geredet. Viele Experten geht der Begriff aber auch grundsätzlich nicht weit genug. Sie hätten sich die Anerkennung einer "Mediensucht" gewünscht, unter die auch exzessives Seriengucken oder Social Media fallen würde.

Experte: "Die Zahl der Computerspielsüchtigen steigt seit Jahren"

Für den Arzt Rainer Thomasius ist diese Klassifizierung dennoch ein wichtiger Schritt. Er betreut Jugendliche, die süchtig nach Videospielen sind, am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). "Die Zahl der Computerspielsüchtigen steigt seit Jahren", erklärt der ärztliche Leiter des deutschen Zentrums für Suchtfragen bei Kindern und Jugendlichen (DZSKJ). Jeder vierte Sucht-Patient am UKE leide unter einer Online-Sucht, verrät er.

Profi-Spieler? Kritiker befürchten Falschdiagnosen

Aber was genau ist eine Computerspielsucht, fragen die Kritiker dieser neuen Klassifizierung in einem offenen Brief. Sie befürchten, dass Ärzte alle Menschen, die gerne Videospiele spielen als computerspielsüchtig diagnostizieren.

ICD-11

Computerspielsucht: So definiert die WHO die Krankheit!

Diese drei Kritikpunkte sollen Ärzten in Zukunft helfen, Computerspielsüchtige von Hobby-Gamern zu unterscheiden:

  • Der Mensch kann sein Spielverhalten kaum noch kontrollieren. Er verliert die Kontrolle über die Häufigkeit, die Dauer, die Intensität.

  • Das Spielen überschattet alle anderen Bereiche des Lebens und ist wichtiger als soziale Aktivitäten, Familie oder Freizeit. Das Spielen beeinträchtigt die täglichen Aktivitäten.

  • Die Verhaltensmuster halten seit mindestens 12 Monaten an, das dauerhafte Spielen hat negative Folgen auf andere Bereiche, wie Familie, Ausbildung oder Freizeit.

Spielt der Betroffene trotz negativer Folgen immer weiter, ist es möglich, ihn als "Computerspielsüchtig" zu diagnostizieren.

Diesem Gedankengang widerspricht Thomasius. Mit einer guten Diagnose ließen sich Menschen, die gerne Spielen und Süchtige problemlos auseinanderhalten. Einer der größten Unterschiede:

Süchtige spielen nicht, weil sie daran Spaß haben. Unseren Patienten geht es um Stressbewältigung. Rainer Thomasius, Suchtexperte

Die Betroffenen spielten teils mehr als fünf, acht oder gar zehn Stunden täglich. Der Tag-Nacht-Rhythmus dreht sich teils komplett um, die Jugendlichen vernachlässigen ihr Leben außerhalb des Spiels, seien depressiv, zögen sich zurück. Sie verlieren die Kontrolle darüber, wie sie Computerspiele nutzen und zeigen sogar Entzugserscheinungen, wenn sie nicht spielen können, fasst der Experte zusammen.

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N-JOY | Der Graf | 18.07.2018 | 12:00 Uhr

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