Stand: 16.07.2018 08:56 Uhr

Vorsicht, Überwachung! Smarte Fernseher spionieren Nutzer aus

Daten sammeln, auswerten und für Werbung nutzen: Mit dieser Methode kann eine Software auf smarten Fernsehern die Werbung auf dem Smartphone des Zuschauers beeinflussen.

Eine Autowerbung flimmert über den Fernseher und nur wenige Zeit später ploppt beim Surfen auf dem Smartphone eine Werbung des Konkurrenz-Produkts auf. Zufall? Nein! Das berichtet jetzt die New York Times.

In den USA läuft, laut dem Bericht, auf mehr als 13,5 Millionen smarten Fernsehern eine Software mit dem Namen Samba TV. Das ist ein Programm, das analysiert, welche Serien, Filme, Dokus und Werbespots der Zuschauer sieht und dann passende Programmhighlights als Tipp vorschlägt und empfiehlt.

Samba TV weiß, welches Gerät zu welchem Haushalt gehört

Das Problem: Die Software verwendet die Daten auch, um den Nutzer geräteübergreifend zu identifizieren. Sie checkt, welche Geräte im gleichen WLAN-Netzwerk wie der Smart-TV angemeldet sind. So können Fernseh-Gewohnheiten oder gesehene Werbespots einer Person und einem Smartphone, Tablet oder Laptop zugeordnet werden.

Neugierige Erweiterung

Im Netz ausgespäht: Spionage per Add-on

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Nutzerdaten: Samba TV kann aus Fernsehverhalten politische Vorlieben erschließen

Diese Informationen über einzelne Menschen und Smart-TV-Besitzer macht Samba TV dann zu Geld. Samba TV biete seinen Kunden beispielsweise an, Werbung auf dem Smartphone auszuspielen, wenn im Fernsehen ein Spot des Konkurrenten gelaufen ist. Oder auch: Werbung explizit an Menschen auszuspielen, die konservative Medien nutzen oder nur TV-Duelle bestimmter Parteien verfolgen. Letzteres sind Gewohnheiten, die sogar auf die politische Einstellung eines Menschen schließen lassen.

Offenbar auch auf einigen Smart-TVs in Deutschland installiert

Immerhin 90 Prozent der Nutzer aktivieren Samba TV beim Einrichten des Smart-TV, verrät die New York Times. Denn Firmen wie Sony, Sharp und Philipps installieren das Programm - zumindest in den USA - schon bei Auslieferung auf den Smart-TV-Geräten. Bestätigt wurde uns bisher, dass das Programm auf den "aktuellen Sony Bravia-TV-Modellen in Europa verfügbar ist und auf Wunsch des Kunden bei der Ersteinrichtung aktiviert werden kann". Das teilte Sony auf Anfrage mit. (Stand: 9.7.2018)

Im firmeneigenen Forum beschweren sich Nutzer über eine als nervig bezeichnete Meldung der Software. Sony selbst bietet eine Anleitung an, wie diese sich beenden lässt.

Einfach ausschalten

Samba TV deaktivieren: So geht's!

Um Samba TV auf einem smarten Sony-Fernseher zu deaktivieren, folgt einfach denn drei Schritten, die auch Sony auf seiner Webseite aufzählt:

  • Öffnet die Einstellungen. Klickt dann auf "Samba Interactive TV".
  • Wählt "Weiter" aus und dann "Stimme nicht zu und deaktivieren".
  • Bestätigt die Auswahl mit "Ja".
Samba Interactive TV ist jetzt deaktiviert.

Datenschutzbestimmungen abrufen funktioniert über die "Einstellungen" des TV-Geräts, empfiehlt Sony.

Kritk: Samba TV informiert Nutzer bei Aktivierung nicht ausreichend

Die New York Times bemängelt an dem Analyse-Dienst: Er müsse zwar von den Nutzern selbst eingeschaltet werden - informiere aber kaum darüber, welche Daten er sammelt und wie er diese verwendet. Außerdem werde nicht ausreichend klargestellt, dass Samba TV über Umwege sogar Fernsehbesitzer identifizieren kann, wenn sie mit ihrem Smartphone im Park unterwegs sind und surfen.

Auf Anfrage erklärte Sony für Deutschland: Die Datennutzung durch Sony sei umfassend in den Datenschutzbestimmungen beschrieben, die im jeweiligen BRAVIA Fernseher abrufbar sind.

Die geltenden Datenschutzbestimmungen für Google und Sony BRAVIA werden den Konsumenten angezeigt, wenn sie ihren Sony Fernseher mit Android TV zum ersten Mal einrichten. Sony-Stellungnehme

Zwei weitere Firmen mit ähnlichen Techniken

Tatsächlich ist Samba nicht alleine auf dem Markt. Die New York Times nennt noch zwei weitere Firmen "Inscape" und das Start-Up "Alphonso", die über unterschiedliche Wege versuchen Online-Surf-Verhalten mit gesehenen Werbespots im Fernsehen zu verknüpfen.

Ähnliche Funktionen auch in Deutschland?

In wie weit Samba TV ähnliche Funktionen in Deutschland anbietet und Informationen sammelt, lässt sich bisher nicht sagen. Tatsächlich könnten die Datenschutzbestimmungen in der EU einige der Funktionsweisen, die die New York Times beschreibt, eingrenzen. Trotz allem zeigt das Beispiel Samba TV sehr deutlich, dass nicht nur Internet-Firmen, soziale Netzwerke und Apps uns ausspionieren - sondern auch ein internetfähiges TV-Gerät viel über unsere Gewohnheiten, Meinungen und Interessen an Dritte weitergeben kann.

Update - 16. Juli 2018: US-Senatoren fordern Ermittlung

Zwei US-Senatoren fordern in einem Brief, dass die US-Handelsbehörde (FTC) eine Untersuchung gegen Samba TV startet - wegen möglichen Privatsphäre-Problemen.

 

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