Stand: 27.04.2021 15:19 Uhr | AutorIn: Nele Wehmöller

Warum wir keine Impfpass-Fotos im Netz posten sollten

Fotos vom eigenen Impfpass auf Facebook, Twitter oder Instagram veröffentlichen? Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar erklärt im N-JOY Interview, warum das keine gute Idee ist.

Gelbes Mäppchen, weißer Klebestreifen, Stempel, Unterschrift - dazu ein paar freudige Zeilen im Posting-Text: Nach ihrer Corona-Impfung posten gerade viele Fotos von ihrem Impfausweis.

Experten raten davon allerdings dringend ab. Denn auch wenn viele die Freude, endlich geimpft zu sein, am liebsten mit allen teilen möchten: Fotos von dem Eintrag der Covid-19-Impfung solltet ihr nicht in den sozialen Netzwerken teilen, rät der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar.

Impfpass kann sensible Informationen enthalten

Caspar erklärt: Sobald unsere Gesundheitsdaten im Netz sind, könnten diese auch zu Werbezwecken ausgewertet werden. Mit Blick auf die Corona-Impfung könnten dem Experten zufolge außerdem Rückschlüsse auf eventuelle gesundheitliche Defizite gezogen werden:

Jemand, der jetzt in jungen Jahren geimpft wird, muss in irgendeiner Art und Weise zu einer Risikogruppe gehören, weil man aufgrund der Impfpriorisierung diese jungen Menschen normalerweise noch gar nicht impft. Johannes Caspar, Hamburger Datenschutzbeauftragter

Ob ihr tatsächlich eine Vorerkrankung habt oder ob ihr vielleicht aus anderen Gründen priorisiert geimpft wurdet, weil ihr zum Beispiel einer bestimmten Berufsgruppe angehört oder Kontakt zu Risikopatienten habt, können andere Userinnen und User nicht zwingend unterscheiden.

Impfpass-Fotos: Leichtes Spiel für Kriminelle

Doch auch wenn die Impfpriorisierug aufgehoben wird und jeder die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, bleiben die Impfpass-Fotos im Netz ein Problem. Laut Caspar können sie für Kriminelle als Vorlage für gefälschte Impfpässe dienen, die dann auf dem Schwarzmarkt verkauft werden:

Wenn Personen die Chargennummer, Stempel oder Unterschriften sehen, können sie das nutzen, um entsprechend gefälschte Impfpässe herzustellen. Johannes Caspar

Laut dem Hamburger Datenschutzbeauftragten passiert dies schon jetzt. Es gebe bereits einen Schwarzmarkt für gefälschte Impfpässe. Wenn Menschen sich mit falschen Impfpässen ausstatten würden, obwohl sie gar nicht geimpft seien, schade das jedoch allen Strategien der Pandemiebekämpfung.

Gefälschte Impfpässe im Umlauf

Erst kürzlich haben Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" ergeben, dass gefälschte Impfpässe zu teils horrenden Preisen im Internet angeboten werden. Dem Bericht zufolge enthalten die Fälschungen Einträge über Covid-19-Impfungen inklusive vermeintlich echter Aufkleber mit Chargennummer, Stempel und Unterschriften.

Das Deutsche Rote Kreuz hat als Betreiber des unter anderem betroffenen Impfzentrums in Frankfurt Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Stadt Frankfurt warnt in einer Mitteilung, dass schon der Erwerb solcher Impfausweise Betrug und damit eine Straftat sei.

Auch das Landeskriminalamt Niedersachsen warnt vor gefälschten Impfpässen. In Niedersachsen seien in den vergangenen Wochen erste Fälle festgestellt worden, sagte eine LKA-Sprecherin. Die Fälschungen werden demnach im Internet zu Preisen zwischen 99 und 250 Euro angeboten.

Laut dem Gesundheitsministerium weist der gelbe WHO-Impfausweis in Papierform Schwächen hinsichtlich der Fälschungssicherheit auf. Ab 2022 soll der WHO-Impfausweis in Deutschland daher in digitaler Form etabliert werden.

 

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N-JOY | Der Graf | 26.04.2021 | 12:00 Uhr

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