Stand: 20.07.2020 09:51 Uhr

Warum haben wir Angst, uns krankzumelden?

Viele Arbeitnehmer melden sich erst krank, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Warum das nicht nur für euch, sondern auch für eure Chefs nicht gut ist, verraten wir euch hier.

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir Hemmungen haben, uns krank zu melden. Unser Chef soll uns nicht für faul halten und die Kollegen sollen unsere Arbeit nicht zusätzlich machen müssen. Dabei schaden wir unserer Firma manchmal mehr, wenn wir krank zur Arbeit kommen.

Das Phänomen "Präsentismus"

Zur Arbeit gehen, obwohl man krank ist - Arbeitspsychologen nennen dieses Phänomen "Präsentismus". Und weil die Jobs immer unsicherer werden, machen wir das in den vergangenen Jahren immer mehr. Maren Puttfarcken leitet die Hamburger Abteilung der Techniker Krankenkasse. Sie ist diejenige, bei der Mitarbeiter anrufen und sich krank melden müssen. Sie vertraue ihren Mitarbeitern, sagt sie. Wenn diese sich krank melden, hinterfrage sie das nicht, schließlich sei sie keine Ärztin.

Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie erkennen, wann sie nicht arbeiten können. Wenn sie sich nicht gut fühlen und das Gefühl haben, ich kann damit nicht arbeiten, dann erwarte ich, dass sie sich hier bei mir melden.

Puttfarcken betont auch die Fürsorgepflicht, die sie als Stellvertreterin des Arbeitgebers hat. Es sei ihre Pflicht, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz gesund zu halten.


Wirtschaftliche Argumente für eine Krankmeldung

Wenn ihr euch krank zur Arbeit schleppt, seid ihr weniger konzentriert, macht womöglich Fehler und das Risiko für Unfälle steigt. Laut einer dänische Studie bei knapp 12.000 Beschäftigten wird jemand, der öfter krank zur Arbeit geht, in späteren Jahren wahrscheinlicher und länger krank. Kommt jemand zwei bis fünfmal im Jahr krank ins Büro oder in die Werkstatt, liegt das Risiko späterer Langzeit-Arbeitsunfähigkeit um 21 Prozent höher. In dem Fall wäre der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen viel größer, als wenn ihr euch einfach zwei bis drei Tage auskurieren würdet.


Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Wenn ihr trotz Krankheit zur Arbeit kommt, mag euch das der Chef vielleicht noch danken, die Kollegen sicher nicht. Schließlich besteht immer die Gefahr, sich anzustecken. Und spätestens, wenn die Hälfte der Belegschaft krankgeschrieben ist, freut sich auch der Chef nicht mehr. Forscher der Universität Leipzig gehen davon aus, dass sich durch die Corona-Pandemie weniger Leute krank zur Arbeit schleppen. Wer in diesen Tagen hustet, wird schließlich schon schief angeschaut.


Also: Nehmt euch die Ruhe, die ihr braucht

So klein und schon so müde! Kater Pipetto von Sandra Jesse muss sich nach dem Spielen erstmal ausruhen.

Bis zu vier Erkältungskrankheiten im Jahr sind bei gesunden Menschen ganz normal. Wir fehlen deswegen gerade mal durchschnittlich fünf bis zehn Tage im Jahr.


Ihr seid krank? Das könnt ihr tun

Wenn es euch also nicht gut geht, sprecht euch mit den Kollegen ab und bestärkt auch die anderen, sich mal krank zu melden. Es bringt nämlich überhaupt nichts, wenn ihr euch gegenseitig Faulheit vorwerft und schlecht übereinander redet und denkt.

Wenn ihr Angst habt, euren Job zu verlieren, lasst euch direkt am ersten Tag eine Bescheinigung vom Arzt ausstellen. Eine Kündigung wäre in diesem Fall nämlich unwirksam.

 

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