Stand: 09.10.2020 16:14 Uhr

Warum haben wir Angst, uns krankzumelden?

Viele Arbeitnehmer melden sich erst krank, wenn es ihnen richtig schlecht geht. Warum das niemandem hilft und wie ihr euer schlechtes Gewissen überwinden könnt.

Das kennt ihr sicherlich auch: Ihr fühlt euch krank und überlegt, euch krankzumelden - doch im gleichen Moment macht sich das schlechte Gewissen bemerkbar: Was denkt mein Chef oder meine Chefin von mir? Denken die Kollegen vielleicht, dass ich faul bin und die Arbeit auf sie abwälzen will? Obwohl dieses schlechte Gewissen natürlich Unsinn ist - schließlich wisst ihr, dass ihr krank seid - ist es oft schwierig, es abzustellen.

Dabei ist es vor allem in Zeiten von Corona gefährlich und verantwortungslos, mit Krankheitssymptomen zur Arbeit zu gehen. Und auch sonst schaden wir der Firma oft mehr, wenn wir krank zur Arbeit gehen.

Das Phänomen "Präsentismus"

Zur Arbeit gehen, obwohl man krank ist - Arbeitspsychologen nennen dieses Phänomen "Präsentismus". Und weil die Jobs immer unsicherer werden, machen wir das in den vergangenen Jahren immer mehr.

Maren Puttfarcken leitet die Hamburger Abteilung der Techniker Krankenkasse. Sie ist diejenige, bei der Mitarbeiter anrufen und sich krankmelden müssen. Sie vertraue ihren Mitarbeitern, sagt sie. Wenn diese sich krankmelden, hinterfrage sie das nicht - schließlich sei sie keine Ärztin.

Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie erkennen, wann sie nicht arbeiten können. Wenn sie sich nicht gut fühlen und das Gefühl haben, ich kann damit nicht arbeiten, dann erwarte ich, dass sie sich hier bei mir melden.

Puttfarcken betont auch die Fürsorgepflicht, die sie als Stellvertreterin des Arbeitgebers hat. Es sei ihre Pflicht, die Mitarbeiter am Arbeitsplatz gesund zu halten.

Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Wenn ihr trotz Krankheit zur Arbeit kommt, mag euch der Chef dies vielleicht erst mal noch danken - die Kollegen aber sicher nicht. Schließlich besteht immer die Gefahr, sich anzustecken. Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, sich schon bei vermeintlich harmlosen Symptomen zu fragen, ob man nicht besser zu Hause bleiben sollte.

Die gute Nachricht: Forscher der Universität Leipzig gehen davon aus, dass sich durch die Corona-Pandemie weniger Leute krank zur Arbeit schleppen. Wer in diesen Tagen hustet, wird schließlich schon schief angeschaut.

Spätestens, wenn die Hälfte der Belegschaft krankgeschrieben oder in Quarantäne ist, freut sich übrigens auch der Chef nicht mehr, dass ihr krank zur Arbeit gekommen seid.


Wirtschaftliche Argumente für eine Krankmeldung

Wenn ihr euch krank zur Arbeit schleppt, gefährdet ihr nicht nur eure Kollegen - ihr seid auch weniger konzentriert, macht womöglich Fehler und das Risiko für Unfälle steigt. Laut einer dänischen Studie mit knapp 12.000 Beschäftigten wird jemand, der öfter krank zur Arbeit geht, in späteren Jahren wahrscheinlicher und länger krank. Kommt jemand zwei bis fünf Mal im Jahr krank ins Büro oder in die Werkstatt, liegt das Risiko späterer Langzeit-Arbeitsunfähigkeit um 21 Prozent höher.

In dem Fall wäre der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen viel größer, als wenn ihr euch einfach zwei bis drei Tage auskurieren würdet.

Also: Nehmt euch die Ruhe, die ihr braucht

So klein und schon so müde! Kater Pipetto von Sandra Jesse muss sich nach dem Spielen erstmal ausruhen.

Bis zu vier Erkältungskrankheiten im Jahr sind bei gesunden Menschen ganz normal. Wir fehlen deswegen durchschnittlich gerade mal fünf bis zehn Tage im Jahr. Denkt euch also, wenn ihr ein schlechtes Gewissen bekommt: Jeder ist mal krank - auch euer Chef und eure Kollegen.


Ihr seid krank? Das könnt ihr tun

Wenn es euch nicht gut geht, sprecht euch am besten mit den Kollegen ab - und bestärkt auch die anderen, sich mal krankzumelden. Es bringt nämlich überhaupt nichts, wenn ihr euch gegenseitig Faulheit vorwerft und schlecht übereinander redet oder denkt.

Wenn ihr Angst habt, euren Job zu verlieren, lasst euch direkt am ersten Tag eine Bescheinigung vom Arzt ausstellen. Eine Kündigung wäre in diesem Fall nämlich unwirksam.

 

Weitere Informationen

Corona: Wo ihr euch im Norden testen lassen könnt

Wann kann ich mich über den Hausarzt kostenlos auf Corona testen lassen? Und was, wenn ich auf eigene Kosten einen Test machen will? Die Regelungen für Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg im Überblick. mehr

Corona: Warum Lüften im Winter so wichtig ist - und wie es geht

Um die Viruskonzentration in der Luft so gering wie möglich zu halten, sollten wir für einen regelmäßigen Luftaustausch sorgen. Wie lange und wie oft wir lüften sollten - und was es dabei zu beachten gilt. mehr

Warum tut Liebeskummer so weh - und was hilft?

Liebeskummer nervt - egal wie alt wir sind. Er wirft uns aus der Bahn, manche haben nicht nur seelische, sondern sogar körperliche Schmerzen. Warum ist das so und was können wir dagegen tun? mehr

10 Tipps gegen das Post-Holiday-Syndrom

Vom Strand zurück an den Schreibtisch: Für viele Deutsche eine Horrorvorstellung, die schon vor dem ersten Arbeitstag an der Erholung nagt. Wir verraten euch, wie der Start leichter fällt. mehr

Schweinehund überwinden: 9 Tipps für Sportmuffel

Sport ist wichtig für die Gesundheit, aber gerade im Winter fällt es vielen schwer, sich dazu zu überwinden. So klappt's 2020 mit den guten Vorsätzen an der Bewegungs-Front. mehr

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Susan Hammann | 18.02.2020 | 09:00 Uhr

Livestream tagesschau24

Nachrichten im Viertelstundentakt - täglich von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr hier im Livestream von tagesschau24. extern

"News und Wissen"-Archiv

Hier findet ihr alle Artikel aus unserem Bereich "News und Wissen". mehr

Tagesschau in 100 Sekunden

Hier gibt's stündlich aktualisiert alle wichtigen News. Noch mehr aktuelle Nachrichten findet Ihr jederzeit bei:
tagesschau.de

N-JOY
#

Lieblingssong? Teilen!
Achtung. Beim Klick auf das Facebook-Icon wird eine Verbindung zu Facebook hergestellt. Dabei werden bereits Daten an Facebook übertragen.
Songtitel posten: Facebook