Stand: 26.09.2018 20:10 Uhr

"Es war eklig" - Laura fühlte sich gestalkt

Endlose Nachrichtenverläufe, plötzliche Begegnungen, gruselige Postings: Laura* hat sich von ihrem Ex-Freund gestalkt gefühlt. In "Eine Stunde, ein Leben" hat sie uns ihre Geschichte erzählt.

Ihre Geschichte beginnt im Februar 2018 - und wirkt zunächst harmlos: Laura ist in ihrer Beziehung unglücklich und trennt sich von ihrem Freund. Der fährt, um Abstand zu gewinnen, zu seiner Familie - doch als er nach einer Woche zurück kommt, hat Laura das Gefühl, dass er die Trennung nicht wahrhaben will.

Im N-JOY Interview erzählt Laura, dass sie ihrem Ex-Freund wieder und wieder sagt, dass es aus ist. Laut der Expertin Annette von Schröder von der Beratungsstelle "Patchwork" ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Geschichte, in der sich jemand gestalkt fühlt, so anfängt:

Unsere Klientinnen erzählen in der Regel von einer Beziehung zwischen ihnen und dem Stalker. Oft geht eine Partnerschaft, Ehe oder Freundschaft voraus, oder sie kennen ihn als Arbeitskollegen oder Nachbarn. Allen ist gemeinsam, dass die Frau keine Beziehung möchte und der andere das nicht respektiert. Annette von Schröder, "Patchwork - Frauen für Frauen gegen Gewalt"

"Patchwork" hat die angstvolle und verstörte, vielleicht auch wütende und verletzte Seite der Frau im Blick - obwohl es natürlich auch männliche Opfer gibt. Mit rund 80 Prozent sind Frauen allerdings deutlich häufiger von Stalking betroffen. Darunter versteht man laut Annette von Schröder "wiederholtes Verfolgen, Nachstellen, penetrantes Belästigen, Bedrohen und Terrorisieren einer Person gegen ihren Willen bis hin zur körperlichen Gewalt".


Auch nach ihrem Auszug hat Laura keine Ruhe

Etwa vier Wochen nach der Trennung findet Laura ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Doch Funkstille herrscht zwischen ihr und ihrem Ex-Freund nicht.

Er hat mir zig Nachrichten geschrieben, die ewig lang waren. Er hat mir Sprachnachrichten geschickt, in denen er weint. Ich wäre sein Ein und Alles, sein Leben wäre zu Ende. Mir wurde es einfach zu viel. Laura über die Zeit nach ihrem Auszug

Sie blockiert ihren Ex-Freund bei WhatsApp und Facebook, später auch seine SMS. Doch er findet einen anderen Weg, wie Screenshots von Instagram-Postings, die N-JOY vorliegen, beweisen.

Besonders schockiert ist Laura über einen Post, den ihr Ex-Freund etwa drei Monate nach ihrem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung auf Instagram veröffentlicht hat: "Da war ein Buch abgebildet, das ich meinem Ex mal empfohlen habe. Oben drauf lag ein kleines Haarknäul von mir. Und er hat geschrieben: 'Wenn du diese Haarknäule in deiner Wohnung vermisst, weißt du wirklich, sie war die Richtige.' Es war unheimlich und eklig."

Auf einem Bild steht "Ehrliche Antworten eines Stalkingopfers". © N-JOY

Stalking: "Er hat mich belästigt und verfolgt"

N-JOY - Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke -

Laura hat sich ein halbes Jahr lang von ihrem Freund gestalkt gefühlt. Was genau ist passiert? Hatte sie Angst? Und was würde sie anderen Betroffenen raten?


Lauras Ex-Freund taucht auch im realen Leben auf

Doch es bleibt nicht bei subtilen Botschaften übers Internet. Lauras Ex-Freund taucht auch bei ihr auf der Arbeit auf, wie er in einer Stellungnahme sogar zugibt. Außerdem erzählt Laura, dass er beim Joggen mit dem Fahrrad neben ihr her fährt und auf einem Konzert auftaucht, über das er im Vorfeld abfällig gesprochen hatte. Beweisen kann sie diese beiden Vorfälle allerdings nicht.

Dafür hat sie 19 DIN A4-Seiten voller Screenshots von Nachrichten und Postings gesammelt und ein Protokoll über Begegnungen geführt. Ein wichtiger Schritt, sagt Annette von Schröder:

Betroffene sollten die Kontaktaufnahme so weit wie möglich einschränken und ein Stalkingtagebuch führen, in dem nicht nur die Stalking-Vorfälle, sondern auch mögliche Zeugen und Beweise sowie die entstandenen körperlichen, psychischen und psychosomatischen Beeinträchtigungen für die betroffene Frau aufgezeichnet werden.

 

Weitere Informationen

Hilfe für Opfer von Stalking

  • Die Beratungsstelle "Patchwork" vom Diakonischen Werk berät Frauen in der Metropolregion Hamburg, die Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking geworden sind. Neben einer telefonischen Beratung (täglich von 9 bis 19 Uhr unter 0171-633 25 03) werden auch persönliche Beratungstermine, Rechtsberatung und Gruppenveranstaltungen angeboten. Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf der Website von "Patchwork".

  • Darüber hinaus könnt ihr euch beim "Weißen Ring" beraten lassen. Unter der Telefonnummer 116 006 erreicht ihr jeden Tag zwischen 7 und 22 Uhr geschulte ehrenamtliche Berater.


Laura holt sich Hilfe

Im Frühsommer reicht es Laura: Sie will nicht länger die passive Rolle einnehmen. Deswegen schreibt sie ihre Geschichte auf und fragt in einer Facebook-Gruppe um Rat. Die Resonanz auf ihren Beitrag ermutigt sie, zur Polizei zu gehen: "Es fühlte sich ein bisschen so an: Stellvertretend für alle Leute, denen nicht geholfen wurde, werde ich jetzt zur Polizei gehen und versuchen, das Bestmögliche rauszuholen."

Laura hat Erfolg: Die Polizei nimmt ihre Anzeige auf, inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei in dem Fall. Aber sie geht noch einen Schritt weiter: Sie geht zum Amtsgericht und beantragt eine einstweilige Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz.

Auch hier geht alles ganz schnell: Laura und ihr Ex-Freund werden vorgeladen und einigen sich in einem Vergleich. Er stimmt zu, sich ihrer Wohnung und ihrem Arbeitsplatz nicht mehr zu nähern, sie nicht zu kontaktieren oder zu bedrohen und sofort zu gehen, wenn die beiden zufällig aufeinander treffen. Laura ist erleichtert:

Mich hat es gefreut, dass ich es tatsächlich schaffen konnte, ihm eine Grenze aufzuzeigen. Ich bin rausgekommen und war gleich: 'Oh Gott! Ich hab's geschafft!' Laura über ihre Emotionen nach dem Termin beim Gericht

 

* Name von der Redaktion geändert.

Weitere Informationen

"Ich habe meine Tochter nicht mehr geliebt"

Judith hatte eine schwere Depression, in der sie oft nichts mehr gefühlt hat. In "Eine Stunde, ein Leben" hat sie uns ihre Geschichte erzählt. Hier könnt ihr sie noch mal lesen und die Sendung nachhören. mehr

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 26.09.2018 | 18:00 Uhr

N-JOY
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