Stand: 22.10.2018 19:20 Uhr

"Ich will nie wieder ein Leben, das nur aus Kicks besteht"

Der Schauspieler Eric Stehfest war abhängig von Crystal Meth. In "Eine Stunde, ein Leben" erzählt er, wie er keine Grenzen mehr gespürt und sogar seine Familie bestohlen hat - jetzt hier zum Nachhören!

Wir schreiben das Jahr 2018: Der 29-jährige Eric Stehfest ist ein erfolgreicher Schauspieler. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Berlin. In "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ist er als Chris Lehmann nahezu täglich im Fernsehen zu sehen.

Doch bis dahin war es ein langer Weg - denn Eric Stehfest war zehn Jahre lang drogenabhängig.

Der Einstieg in die Crystal Meth-Sucht

2002: Eric Stehfest ist gerade einmal 13 Jahre alt, als er mit Freunden zum ersten Mal Crystal Meth ausprobiert. Anfangs nimmt er die Droge, um sich selbstbewusster zu fühlen.

Etwa zur gleichen Zeit wird er kriminell: erst Körperverletzungen, dann schwerer Raub. Jedes Jahr wird er vom Gericht vorgeladen, bekommt letztendlich Bewährungsstrafen. Eric Stehfest ist immer häufiger "drauf", schon bald ist er abhängig von Crystal Meth. Mit 18 beginnt er, täglich Drogen zu nehmen.

So wie andere die Kaffeemaschine anschalten, habe ich mir die Line reingezogen. Eric Stehfest im N-JOY Interview

Gereiztheit, Wut, Aggression: Die Schattenseiten der Sucht

Eric Stehfest kennt immer weniger Grenzen: Er fängt an, das Sparschwein seiner kleinen Geschwister zu plündern und die Geldbörse seiner Mutter auszuräumen.

Sobald er von seinen Trips runterkommt, erwarten ihn Gefühle, die kaum auszuhalten sind: "Jeder hatte ja eine erste große Liebe. Und jeder hat sie wahrscheinlich auch verloren. Und der Moment, in dem man sie verliert – so fühlt es sich an, wenn die Droge den Körper wieder verlässt."

Er erzählt von einer "unfassbaren Gereiztheit", von Wut und Aggressionen. Er habe permanent nach Schuldigen gesucht und sich ständig beobachtet gefühlt.

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Experte: Crystal Meth macht schnell abhängig

Methamphetamin, wie Crystal Meth eigentlich heißt, ist eine synthetische, also im Labor hergestellte Droge, die im Gehirn für eine unnatürlich hohe Ausschüttung des Glückshormons Dopamin sorgt.

Dadurch erzeugt die Substanz Hochgefühle, die ohne die Droge nicht möglich sind. Gleichzeitig gehen normale Gefühle und simple Freuden bei abhängigen Menschen ohne die Droge komplett verloren. Das sei auch der Grund, aus dem Crystal Meth so schnell abhängig mache, sagt Dr. Peter Strate, Chefarzt der Asklepios-Klinik Nord in Hamburg, die auf Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert ist. Die Einnahme von Crystal Meth sei dann die einzige Freude.

Das Besondere an Drogen ist ja eine Veränderung der Befindlichkeit. Und je kürzer der Zeitraum zwischen der Einnahme der Substanz und dem Eintritt der Wirkung, desto höher ist auch das Risiko einer Abhängigkeitserkrankung. Dr. Peter Strate

Nach dem Rausch brauche das Gehirn mehrere Wochen, um sich zu erholen, erklärt der Experte im N-JOY Interview. So weit kommt es aber häufig gar nicht: "Man versucht immer wieder, diesen Glückszustand herzustellen und konsumiert dann immer größere Mengen", so Strate. Das hat auch körperliche Folgen: Der Körper ist ständig im Ausnahmezustand, oft sorgen fehlender Hunger, Schlaflosigkeit und mangelnde Hygiene für kaputte Zähne, Hautinfektionen und Gewichtsverlust.

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Ein Ausraster auf der Bühne bringt die Wende

Eric Stehfest nimmt die Droge immer weiter. Auch, als er sein Schauspielstudium beginnt. Immer, wenn die Wirkung der Droge nachlässt, wird er aggressiv und gereizt, an manchen Tagen sogar paranoid. In den Augen seiner Freunde sieht er immer häufiger Angst und Sorge.

Die Wende in Erics Leben kommt mit Mitte 20, als er unter Drogeneinfluss auf der Bühne steht: Er rastet so stark aus, dass er Angst bekommt - vor sich selbst und um sein Umfeld. Anschließend schließt er sich neun Tage lang in seiner Wohnung ein. Neun Tage, in denen er nicht schläft und nur mit sich alleine ist.

Ich habe mich intensiv mit dem Tod auseinandergesetzt. Wie schnell das Leben vorbei sein kann. Und wie wichtig es ist, dass wir jeden Tag versuchen, es zu genießen, Glück zu teilen. Und als ich gemerkt habe, dass ich all das noch gar nicht gemacht habe, ist mir das Lachen vergangen. Eric Stehfest

Er merkt, dass es so nicht weitergehen kann. Dass er nicht sterben möchte, ohne ein eigenes Kind bekommen zu haben. Er will weg von der gefährlichen Droge. Eric geht in eine Klinik und startet einen kalten Entzug.

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Crystal Meth: Hier finden Betroffene Hilfe

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet auf "Drugcom.de" Informationen und Beratung sowie die Vermittlung von Beratungsstellen an. Außerdem könnt ihr euch an das Info-Telefon der BZgA wenden: 0221 - 89 20 31.

Auch Präventions- und Aufklärungsseiten wie "Keine Macht den Drogen" und viele regionale Vereinigungen bieten eine große Sammlung von Beratungs- und Therapieangeboten in Deutschland.


Experte: Die Rückfallquote ist hoch

Die Glückszustände zu vergessen und dem Drang zu widerstehen, diesen Zustand wieder herzustellen, ist schwer. Laut Strate werden 60 bis 80 Prozent der von Crystal Meth abhängigen Menschen relativ schnell rückfällig.

Doch Eric Stehfest will widerstehen. Nie wieder will er ein Leben führen, das nur aus Kicks besteht. Bis heute, fünf Jahre nach dem Entzug, ist er clean - und will es bleiben. Und nicht nur das: Er will auch andere vor Crystal Meth warnen. Mittlerweile tourt er mit seinem Buch "9 Tage wach" durch Schulen, um mit Schülern über seine Drogenvergangenheit zu sprechen.

In der N-JOY Sondersendung "Eine Stunde, ein Leben", berichtet Eric, wie er in die Drogenabhängigkeit geriet und nach zehn Jahren den Entzug schaffte.

Hier könnt ihr die gesamte Sendung nachhören:

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 22.10.2018 | 18:00 Uhr

N-JOY
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