Stand: 08.03.2017 14:20 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Siri, Cortana, Alexa: Warum sind Sprachassistenten Frauen?

Siri stellt den Wecker auf dem iPhone, Cortana durchsucht per Sprachbefehl den Windows-Laptop und Amazons Alexa kauft sogar für uns ein, wenn wir sie darum bitten. Sprachassistenten helfen uns im Alltag als persönliche Assistentin - denn alle haben eine weibliche Stimme. Aber warum ist das eigentlich so?

Siri - die Sprachassistentin von Apple - ist eine Frau. Oder besser, ihr Name und ihre Stimme sind weiblich. Siri selbst erklärt: „Tiere und Nomen haben ein Geschlecht, ich nicht“. Faktisch ist das zwar richtig - Siri ist ein Programm. Trotzallem erscheint es uns, wenn wir es ansprechen als Frau, als persönliche Assistentin, die uns durch den Alltag hilft, Blumen organisiert und uns an das Treffen mit den Eltern erinnert.

Damit ist Apples Sprachassistentin nicht alleine: Auch Googles Spracherkennung, Amazons Alexa oder Microsofts Cortana identifizieren sich - zumindest mit der Stimme - als Frau. Warum? Dieser Frage sind Wissenschaftler auf der ganzen Welt nachgegangen. Wir haben die Erklärungen für euch.

Die Historische: Es war schon immer so

Vor den Smartphones und den Kartendienst-Apps, drängte das Navigationssystem in den Alltag der Autofahrer. Eine Frauenstimme war bei den meisten Geräten voreingestellt. Allerdings konnte der Fahrer selbst entscheidet, welche Stimme ihn navigieren sollte - eine bellende Männerstimme mit lokalem Dialekt, Film-Helden wie Joda und Darth-Vader oder einfach eine Frauen- oder Männerstimme standen zur Auswahl. Viel früher allerdings, im Ersten Weltkrieg, könnte die Rolle der Frauenstimme bei der Navigation ihren Anfang gefunden haben: Frauen navigierten die Piloten zum Ziel. Männer waren damals vornehmlich in Entscheider-Positionen und gaben diese Aufgabe ab.

 

Die Technische: Frauen verstehen wir besser

"Ich habe dich akustisch jetzt nicht verstanden." Diesen Satz hören Männer gerade in lauten Umgebungen am Bahnhof oder am Flughafen potentiell häufiger als Frauen. Rein akustisch sind weibliche Stimmen in lauten Umgebungen besser zu verstehen als männliche. Sie heben sich mehr ab und vermischen sich weniger mit den Geräuschen an belebten Orten. Es gibt also einen ganz pragmatischen Grund für die Frauenstimmen der heutigen Sprachassistenten: Im Auto, beim Stadtbummel und überall dort, wo es laut ist, sind sie leichter zu verstehen. Deswegen sprechen auch Frauen die Ansagen an Bahnhöfen und Flughäfen.

 

Die Emotionale: Frauen sind freundlicher

Unser Kulturkreis prägt uns. Wir lernen Rollenbilder kennen und verlassen uns auch auf Vorurteile. Arvid Kappas ist Professor für Psychologie an der Jacobs Universität in Bremen und sieht verschiedene Gründe, warum Unternehmen eine Frauenstimme als persönlichen Assistenten bevorzugen. "Frauen werden in unserer Kultur öfter aufgefordert zu lächeln als Männer", erklärt er und fügt hinzu: "Es gibt Menschen, die sagen, wir würden hören, wenn jemand lächelt." Eine Sprachassistenz mit Frauenstimme könnte uns sympathischer vorkommen, als ein Mann - einfach weil wir sie uns mit einem Lächeln vorstellen.

 

Die Soziologische: Wenn ein Rollenbild, zur Gewohnheit wird

Wenn wir uns die Werbespots der Technikfirmen ansehen, erledigen die digitalen Assistenten typischerweise Aufgaben, die eine Sekretärin beziehungsweise ein Sekretär erledigen würden. Diesen Beruf übten früher vor allem Frauen aus. Dieses Vorurteil ist in unseren Köpfen fest verankert, weiß Kappas und meint weiter: "Wenn ich ein Vorurteil habe, dass diese Aufgaben eher zu einer Frauenstimme passen, dann werde ich mich, wenn ich wählen kann, für den für mich angenehmeren Weg entscheiden" - also für die Frauenstimme. Trotzdem erklärt der Wissenschaftler: "Das ist Gewöhnungssache". Sein Beispiel kommt aus Hollywood: Der Sprachassistent der dem Marvel-Superhelden Iron Man hilft - Jarvis - hat eine Männerstimme.

 

Die Psychologische: Frauenstimmen mögen (fast) alle

Männer stehen für Technik, Frauen für Liebe und Beziehungen: Klingt wie ein längst ausgerottetes Vorurteil. Ist es aber offenbar nicht, beweist eine US-Studie der Universität Stanford. Ihre Erkenntnis: Es ist themenabhängig, welche Stimme wir bevorzugen - Männer sollten wenn möglich Technik erklären, Frauen vor allem Beziehungsthemen. Trotz allem sprechen Siri, Alexa und der Google Assistent standardmäßig mit einer Frauenstimme. Ein Grund kommt von der Universität in Indiana: Sie fanden heraus, dass Männer und Frauen weibliche Stimmen bevorzugen, weil sie wärmer und angenehmer sind. Warum das so ist, blieb unklar. Die Frauenstimme ist also der kleinste gemeinsame Nenner und für die meisten Käufer und Nutzer automatisch angenehm.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 08.03.2017 | 14:20 Uhr

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