Springerstiefel © Imago/Rüdiger Wölk Fotograf: Rüdiger Wölk

Erkennt man einen Nazi an Klamotten?

von Sharon Welzel

Bomberjacke, kahlrasierter Kopf, Springerstiefel - typisch Neonazi! Aber sind die Zeichen wirklich so einfach zu deuten? Die Welt der Mode ist so vielfältig, aber die Codes in der Kleidung sind nicht immer eindeutig. Lassen sich Marken, die von Anhängern der rechten Szene getragen werden, so einfach als "rechte Mode" bezeichnen?

Für Laien sieht das Sortiment der Marke "Thor Steinar" aus, wie ganz normale Outdoor-Kleidung, bedruckt mit harmlosen Schriftzügen. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass sich in den Aufdrucken Bezüge auf Germanen-Kult und eine Glorifizierung der Wehrmacht befinden. Obwohl sich das Spiel mit mehr oder weniger verhohlenen Andeutungen an der Grenze zur Strafbarkeit befindet, reicht es nicht aus, um "Thor Steinar" zu verbieten. Ähnlich verhält es sich mit einschlägigen Marken wie "Erik&Sons", "Troublemaker", "Masterrace Europe", "Pit Bull", "Patriot", "Walhalla", "Skrewdriver" und "Rizist". Sie alle sind in der Szene beliebt und gingen auch daraus hervor - und teilweise sprechen die Namen schon Bände.

Das Prinzip dahinter ist ganz einfach: Versteckte Codes in harmloser Verpackung. Im Gegensatz zu früher wollen sich Szeneanhänger nicht mehr so einfach als solche zu erkennen geben. Nach außen wirken sie gern wie der "nette Typ von nebenan" - befinden sie sich unter ihresgleichen, funktioniert die Kleidung als szenetypisches Erkennungs- und Abgrenzungsmerkmal. Doch auch, wenn man die rechten Marken kennt, kann man einen Nazi nicht sofort enttarnen. Bei Demonstrationen teilen radikale Rechte und Linke kurioserweise häufig die Vorlieben: schlichte schwarze Kleidung, Kapuzenpullover und Sonnenbrillen. Die beiden Gruppen anhand ihrer Kleidung zu unterscheiden, ist oft fast nicht möglich.

Mode, Label, Botschaften

Aber wie sieht die ganz typische rechte Kleidung denn eigentlich aus? Eine eindeutige Antwort auf die Frage gibt es nicht, dafür aber umso mehr Vorurteile. In der folgenden Bildergalerie unterscheiden wir zwischen Marken, die in der rechten Szene entstanden sind und solchen, die im Laufe der Zeit über verschiedene Jugendkulturen irgendwann auch von Rechtsradikalen missbraucht wurden. Außerdem erklären wir, warum eine Bomberjacke nicht gleich Nazi-Kleidung ist und wie eine rechte Marke zur Parodie wurde.

  • Die Bomberjacke

    Rechtsradikale mit Bomberjacken  Fotograf: attenzione/ddp
    Männer mit kahlrasierten Köpfen in Bomberjacken sind seit jeher ein klassisches Foto-Motiv, um Neonazis darzustellen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Kleidungsstück um ein spezielles Modell der Fliegerjacke, das sich schon früh als zeitlos und praktisch etabliert hatte.

  • "Ben Sherman" und "Fred Perry"

    Fliegerjacken der Marken Ben Sherman und Fred Perry  Fotograf: frontlineshop.com
    Auch wenn Bomberjacken teilweise von politisch motivierten Skinheads getragen werden, lässt das Tragen dieses Kleidungsstücks als solches noch keinen Rückschluss auf die Gesinnung des Trägers zu. Vielmehr sind Nylon-Bomberjacken auch in zahlreichen anderen Subkulturen wie Mods oder Punks verbreitet - und heute sogar bei modebewussten Städtern. Hier sieht man abgewandelte Modelle von "Ben Sherman" und "Fred Perry".

  • Bomberjacke auf dem Laufsteg

    Ein Model präsentiert Kleidung der Marke Cest Tout auf der Berliner Fashion Week 2012.
    Längst ist die Bomberjacke auch im High-Fashion-Bereich angekommen. Hier eine Kreation des Labels "Cest Tout" auf dem Laufsteg der Berliner Fashion-Week.

  • Bomberjacken von "Burberry"

    Kleidung der Marke Burberry auf dem Laufsteg.  Fotograf: burberry
    Auch beim britischen Traditionslabel "Burberry" setzt man auf die Fliegerjacke in allen Variationen - hier die Looks für 2013.

  • Poloshirts von "Fred Perry"

    Bilder der aktuellen Fred Perry Kollektion
    Eine Marke, die besonders eng mit Musik und verschiedenen Jugendkulturen verbunden ist wie "Fred Perry", kann schon mal ins Visier geraten. Ein Polizeichef in Berlin verbot seinen Mitarbeitern sogar, "Fred Perry" zu tragen, weil es angeblich eine Neonazi-Marke sei. Tatsächlich distanziert sich John Flynn, Chef von "Fred Perry", davon und erklärt in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 19. August 2012: "Natürlich ermutigen wir keine Links- oder Rechtsradikalen, unsere Hemden zu kaufen. Einschlägige Geschäfte beliefern wir einfach nicht mehr." Auf dem Foto sieht man Bilder der aktuellen Kampagne.

  • "Ben Sherman"

    Kleidung der Marke Ben Sherman  Fotograf: frontlineshop.com
    Auch "Ben Sherman" hatte früher mal Anhänger in der rechten Szene. Seine größten Erfolge feierte die Marke aber dank der Vermarktung durch bekannte Musiker wie Paul Weller, Ray Davies und später Oasis.

  • "New Balance"

    Drei junge Männer sitzen auf einer Bank. © fashionpaper.com
    Ein einfaches "N" reichte aus, damit die Laufschuhe von Skinheads favorisiert werden konnten: Die Abkürzung für "New Balance" wurde kurzerhand in "Nationalist" umgedeutet. Die Marke distanziert sich ausdrücklich von rechtem Gedankengut. Heute sind die Sneaker zum Stammschuhwerk von Künstlern aus Brooklyn und Hipstern in aller Welt geworden.

  • "Doc Martens"

    Schuhe der Marke Doc Martens
    Die "Dr. Martens"-Stiefel wurden vom deutschen Arzt Klaus Märtens entwickelt. Er konstruierte den ersten Prototypen des Arbeitsschuhs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zum modischen Accessoire wurde er erst durch die Skins, die damit ihre Nähe zum Proletariat unterstreichen wollten - seitdem wurde der Schuh zum Kultobjekt verschiedener Jugendkulturen und wird genau deswegen mit keiner speziellen politischen Gesinnung in Verbindung gebracht.

  • "Doc Martens"

    Werbekampagne für Doc Martens Stiefel
    Ein Bild aus der aktuellen Kampagne von "Dr. Martens" zeigt, dass das Sortiment der Marke immer breiter wird.

  • "Lonsdale"

    Kleidung der Marke Lonsdale auf einem Bildschirm  Fotograf: Marcus Brandt/ddp
    "Lonsdale" war früher ein beliebtes Label in der rechten Szene. Der Grund dafür ist die Buchstabenkombination im Markennamen: Trägt man die Bomberjacke offen über einem Sweater sind meist nur die vier Buchstaben NSDA zu lesen, der Rest ist verdeckt. Das Versandhaus Quelle nahm 2006 nach Beschwerden der SPD-Jugendorganisation Jusos die Bekleidung dieser Marke kurzzeitig aus dem Programm, änderte den Kurs dann aber wieder, nachdem sich der deutsche Vertrieb offenbar glaubhaft von einer rechten Gesinnung distanzieren konnte.

  • "Consdaple"

    Kleidung der Marke Consdaple  Fotograf: Sebastian Willnow/ ddp
    In Anlehnung daran kamen Produkte des Herstellers "Consdaple" auf den Markt. Die Buchstaben NSDAP verstecken sich in der Mitte des Wortes. Im Gegensatz zu "Lonsdale" machte der Hersteller hier allerdings keinerlei Anstrengungen, sein rechtes Image loszuwerden. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Marken, die von Nazis für ihre Zwecke instumentalisiert wurden, handelt es sich hier um eine Marke, die aus der rechten Szene entspringt.

  • "Thor Steinar"

    Kleidung der Marke Thor Steinar  Fotograf: Nigel Treblin
    Mit Runen und pseudomythologischen Symbolen verziert, ist die Kleidung von "Thor Steinar" vor allem in der rechten Szene beliebt - und hat auch keine andere Vergangenheit vorzuweisen. Der Aufdruck "Division Thor Steinar" bezieht sich angeblich auf den Namen des Generals der Waffen-SS Felix Steiner. Sogar Surfer-Kapuzenjacken sind im Shop-Angebot. In kanarienvogelgelb wirken sie harmlos, aber die Aufschrift verrät die rechte Gesinnung: "Steinar rules the waves, Nordics never will be slaves".

  • "Thor Steinar" im Polizei-Look

    Ein Teilnehmer eines Neonazi-Aufmarschs am 67. Jahrestag des alliierten Bombenangriffs auf Dresden vom 13. Februar 1945 (links) trägt eine Jacke der Marke Thor Steinar. Kurz vor Beginn des sogenannten Trauermarsches im Februar 2012 steht er neben einem Polizisten - und sieht ihm auf dem Foto in seiner Gestalt sehr ähnlich. Erst der Blick auf den reflektierenden Schriftzug macht den Unterschied klar. Seit Jahren missbrauchen Rechtsextreme das Gedenken an die Opfer der Bombardements für ihre Zwecke.  Fotograf: Jens Schlueter
    Kein lustiger Gag - sondern ein Design von "Thor Steinar": Diese Jacke hat das Label offenbar eigens für Demonstrationen entwickelt - sie ähnelt der Kleidung der Polizei. Erst der genaue Blick auf den reflektierenden Schriftzug macht den Unterschied klar.

  • Eklat im Landtag

    Im sächsichen Landtag werden NPD Mitglieder von Polizisten zum Verlassen des Saales aufgefordert.  Fotograf: Joern Haufe
    Die rechtsextreme NPD-Fraktion löste im Juli 2012 im sächsischen Landtag in Dresden einen Eklat aus: Mehrere NPD-Abgeordnete trugen Kleidung von "Thor Steinar". Weil diese im Landtag laut Hausrecht verboten ist, forderte Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) die Abgeordneten dazu auf, sich umzuziehen. Weil die NPD der Aufforderung nicht folgte, schloss Rössler die Fraktion für drei Sitzungen vom Plenum aus. Erst als Polizisten in den Saal kamen, räumten die NPD-Politiker ihre Plätze.

  • "Storch Heinar"

    Kleidung der Marke Storch Heinar  Fotograf: Danny Gohlke/ddp
    Das ist einer der Erfinder von "Storch Heinar": Mathias Brodkorb (SPD), damals Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, heute Bildungsminister. In seinem Büro in Rostock zeigt er ein T-Shirt mit einem "Storch-Heinar"-Motiv, einer Marken-Persiflage auf "Thor Steinar". Die Bekleidungsfirma "MediaTex", verantwortlich für "Thor Steinar", verklagte die Erfinder wegen ihrer Parodie, blieb dabei jedoch erfolglos.

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Aktuelle Kommentare
Herbert schrieb am 28. Januar 2013 um 17:01 Uhr:

Geschäftsführer

Meine Afro-Kubinsche Frau (seit 14 Jahren verheiratet) arbeitet in einer großen Firma und hat in der Tat Schwierigkeiten mit alten und neuen Nazis und deren Sprüchen und unterschwelligen Drohungen..... [mehr]

jenny schrieb am 25. November 2012 um 18:31 Uhr:

Kann mir mal einer sagen, wo im gesetz steht das man keine thor steinar sachen tragen darf!! Ich finde das die schöne sachen produzieren und man nicht gleich mit den neonazis in eine schublade... [mehr]

NoUseForAName schrieb am 15. November 2012 um 10:33 Uhr:

If The Kids Are United!

gut differenziert! www.du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln.de [mehr]

Hartmut schrieb am 15. November 2012 um 07:26 Uhr:

Ja, erkennt man

Nazis erkennt man an seinen Klamotten. Wo Hitler auftrat, sind die Frauen hysterisch geworden. da belegen unzählige Filme und Bilder. Wenn die Frauenquote sich durchsetzt, wird Deutschland an seinen... [mehr]

bart0365 schrieb am 14. November 2012 um 17:32 Uhr:

bin ich ein neonazi?

moin an alle ich bin 47j hab 4 kinder und trage pit bull , bw-hosen und im winter wie auch beim motorradfahren meine inzwischen 27jahre alten bw-springer , aber bin ich darum neonazi ? wohl nicht ,... [mehr]

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