Logo der Modekette H&M. © dpa picture alliance Fotograf: Dave Thompson

Billig-Mode dank Ausbeutung?

von André Kroll

Der Textil-Discounter KiK ist vor einiger Zeit in die Schlagzeilen geraten, weil in dessen Zulieferbetrieben in Asien Menschen ausgebeutet werden. Eine ARD-Dokumentation nimmt nun H&M unter die Lupe (TV-Tipp: "Der H&M-Check", Das Erste, 20.15 Uhr).

In einer Tagesthemen-Reportage wurde bereits gezeigt, wie Näherinnen in Kambodscha teils 14 Stunden am Tag Kleidung für die Modekette H&M herstellen - zu Niedriglöhnen und unter fragwürdigen Bedingungen.

Wir haben mit Textil-Expertin Kirsten Brodde darüber gesprochen, ob die Ausbeutung von Menschen in den Herstellerbetrieben großer Modeketten Einzelfälle sind - so wie es die Formen behaupten - oder gängige Praxis in der Mode-Industrie. Und auf welche Güte-Siegel Käufer achten müssen, die nur "fair" und umweltschonend hergestellte Kleidung kaufen wollen.

 

  • Frage 1/6

    N-JOY: Die Fälle H&M und KiK, sind das Einzelfälle oder die Regel in der Mode-Industrie?

    Kerstin Brodde: In der Mode-Industrie ist der Skandal der Normalfall. Menschenrechte und Umweltschutz werden sträflich missachtet. Auf den Etiketten der Kleidung lesen wir davon nichts.

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  • Frage 2/6

    N-JOY: Modeketten wie H&M und KiK berufen sich darauf, dass sie die jeweiligen Landesstandards einhalten und Verfehlungen bei den produzierenden Unternehmen überprüfen würden. Wie weit kann man diesen Aussagen Glauben schenken?

    Kerstin Brodde: Natürlich mühen sich Modeketten wie H&M und KiK um Verbesserungen - weil durch Medienberichte immer wieder sichtbar wird, was alles schiefläuft. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, ökologisch und ethisch einwandfrei zu produzieren. Wer sicher gehen will, kauft ökologische Mode bei kleinen Anbietern, die sauber arbeiten und gut zertifiziert sind.

  • Frage 3/6

    N-JOY: Gibt es unabhängige Organisationen, die die Herstellungsprozesse in der Mode-Industrie überprüfen?

    Kerstin Brodde: Ja, im sozialen Bereich gibt es die Kampagne für Saubere Kleidung, die die Fair Wear Foundation (FWF) unterstützt - einen unabhängigen Zertifizierer, wo schon viele Outdoor-Unternehmen Mitglied sind. Aber da geht es um Arbeitsbedingungen, mir wäre lieber, wir hätten Zertifizierer und Siegel, die doppelt gut sind und auf beides gucken, auf Umweltschutz und Ethik bei Modelabeln.

  • Frage 4/6

    N-JOY: In Klamottenläden gibt es T-Shirts schon für weniger als fünf Euro, teilweise gibt es auch Jeans für weniger als zehn Euro. Können diese Produkte überhaupt so billig hergestellt und verkauft werden, ohne Umwelt und Menschen auszubeuten?

    Kerstin Brodde: Nein, niemand sollte so dickfellig sein zu glauben, dass dafür nicht jemand anders den Buckel krumm macht. Den Preis zahlen dann also Umwelt und Arbeiterinnen in den Fabriken.

  • Frage 5/6

    N-JOY: Wie setzt sich der Preis einer durchschnittlichen Jeans und eines T-Shirts zusammen?

    Kerstin Brodde: Grob gesagt machen die Rohstoffkosten und die Arbeitskosten nur einen Bruchteil des Preises aus. Deswegen wird Kleidung auch nicht unermesslich viel teurer, wenn hier ein paar Cent mehr gezahlt werden. Öko-Kleidung ist zwar kein Schnäppchen, aber auch nicht teurer als Markenware - geht doch also.

  • Frage 6/6

    N-JOY: Auf welche Güte-Siegel müssen Käufer achten, wenn sie Mode kaufen wollen, bei denen die Näherinnen fair bezahlt werden und zudem noch die Umwelt geschont wird?

    Kerstin Brodde: Es gibt nicht nur ein Siegel wie im Lebensmittelbereich, sondern einige, die erwähnenswert sind. Fairtrade gibt es inzwischen auch bei Kleidung aus Baumwolle. Und dann entwickelt sich langsam aber sicher das sogenannte GOTS-Siegel, der Global Organic Textile Standard. Diesem Zeichen wünsche ich noch mehr Bekanntheit.

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Zur Person

Textil-Expertin Kirsten Brodde © Kirsten Brodde

Kirsten Brodde

Textil-Expertin Kirsten Brodde befasst sich seit Jahren mit der Mode-Industrie und hat bereits ein Buch darüber geschrieben "Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt". Sie arbeitet als Journalistin für renommierte Publikationen, ist bei Greenpeace aktiv und betreibt einen Blog: Grüne Mode. MEHR

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Links

Die Homepage von FairTrade (Screenshot). © NDR

FairTrade: Damit niemand zu kurz kommt

Infos zum Siegel gegen Ausbeutung auf der offiziellen Webseite. MEHR

Links

fair feels good

Die Initiative erklärt das Prinzip des fairen Handels. MEHR

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