Stand: 30.11.2017 19:04 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Bitcoin: Was ist das und wie funktioniert das Kryptogeld?

9.000 Euro - so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen, ein Weltreise-Flugticket für drei Personen oder ein Jahr Leben als Student - so viel ist momentan ein einziger Bitcoin wert.

Bitcoin, das ist eine digitale Währung, die es nur im Internet zu kaufen gibt. Das Prinzip hinter den Bitcoins ist kompliziert. Heruntergebrochen sind es lange Buchstaben-Zahlen-Kombinationen, die von einzelnen Computern generiert werden. Der Fachbegriff dafür ist "Bitcoin Mining" – auf deutsch Bitcoinschürfen.

Dieser Vorgang wird von Hochleistungscomputern überall auf der Welt Tag und Nacht durchgeführt und ist vergleichbar mit dem Geldscheinedrucken der Bundesdruckerei. Nur, dass es eben keine zentrale Stelle gibt, die das Geld druckt oder es reguliert, sondern viele verschiedene. Hier entstehen wertvolle Codes, mit denen Menschen im Netz und teilweise sogar in Cafés oder Ladenketten ihre Einkäufe bezahlen können. Vergleichbar mit einem Geldschein, nur ohne die Sicherheit, dass der Wert heute der gleiche ist wie morgen.

Wie ist Bitcoin entstanden?

Die Idee des Bitcoin ist mittlerweile fast zehn Jahre alt. Damals haben einige Tech-Insider sich an dem Prinzip ausprobiert. Sie wollten auch herausfinden, ob der Stromaufwand, den die Rechner brauchen, um die digitale Währung herzustellen, sich überhaupt lohnt und sich damit Geld verdienen lässt. Damals war ein Bitcoin nur wenige Cent wert. Zwischen Juli 2011 und Januar 2013 kostete ein Bitcoin zwischen 5 und 20 Euro. Dann entwickelte die digitale Währung langsam ein Eigenleben. Er stieg, stürzte ab, stieg wieder. Seit Anfang 2017 steigt der Wert der Zeichen-Codes rasant. Am 29. November ist der Wert jetzt auf 10.000 US-Dollar (ca. 9.000 Euro) pro Bitcoin gestiegen - ein Rekordhoch. Heute verbrauchen die Bitcoin-Berechnungen mehr Strom als die US-Großstädte Chicago und San Francisco zusammen, schreibt Spiegel Online.

Warum ist ein Bitcoin so viel Geld wert?

Der Wert der Kryptowährung steigt mit der Nachfrage. Insgesamt gibt es 21 Millionen Bitcoins. Je mehr Menschen die Währung kaufen, desto wertvoller wird einer der 21 Millionen Zeichen-Codes. Zu Beginn erklärten die Experten sich den steigenden Wert noch mit der Massentauglichkeit. Unternehmen steigen in das Geschäft mit den Bitcoins ein, normale Verbraucher investieren. Doch jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem warnende Stimmen immer lauter werden. Die Entwicklung bezeichnen sie als "Bitcoin-Blase", die bald platzen könnte.

Sind Bitcoins eine Währung?

Nein. Bitcoins sind keine anerkannte Währung. Kein Staat, keine Regierung, keine Bank reguliert den Bitcoin-Markt. Das macht den Reiz des Kryptogeldes aus. Es ist ein völlig freier Markt. Der Vizepräsident der europäischen Zentralbank hat das Rekordhoch der Währung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters kommentiert und erklärt: Für ihn sei es keine echte Währung. Er räumt aber ein, dass die Investoren offenbar noch an steigende Kurse glauben und meint: Es gehe keine Gefahr für den Finanzmarkt davon aus.

Kann ich da einsteigen?

Können, ja. Verschiedene Anbieter im Netz ermöglichen es, Bitcoins zu kaufen. Auch kleine Mengen davon. Das PC-Magazin "Computer Bild" hat ausprobiert, wie der Kauf von Bitcoins funktioniert und schreibt: "Fast jeder Dienstleister verlangt vor dem Kauf eine Ausweiskopie oder ein Video-Telefonat zur Verifizierung". Außerdem verweist das Magazin darauf, dass der Wert der Bitcoins so stark schwankt, dass es klüger sei, die gekauften Digital-Münzen einzulagern, statt sie auszugeben.

Ist mein Geld dort sicher?

Weniger: aus verschiedenen Gründen. Einerseits gibt es immer wieder Angriffe von Hackern, die die Kryptowährung stehlen. Im August 2016 haben Hacker Bitcoins im Wert von 65 Millionen Dollar (55 Millionen Euro) geklaut, im Juni 2017 hat ein Fehler zum Diebstahl von damals umgerechnet 26 Millionen Euro geführt. Andererseits bieten die Kursschwankungen keine Sicherheit. Der Wert verändert sich minütlich.

Bitcoins als Altersvorsorge? Schlechte Idee.

Der Handel mit Bitcoins ist ein Hochrisiko-Geschäft. Der Wert schwankt stark. Er steigt, er sinkt, er steigt wieder. Der Experte Dominik Kalisch von der Nord LB bezahlt selbst sein Mittagessen in Bitcoins. Im Gespräch mit NDR Info warnt er aber vor unbedachten, überhöhten Investitionen. Er vergleicht den Bitcoin-Handel mit einem Kasinobesuch:

Ich nehme 500 oder 1.000 Euro mit, spiele damit, und wenn ich damit Gewinn mache, ist es super, dann kann ich damit in den Urlaub fahren. Wenn ich einen Totalverlust habe, dann habe ich zumindest Spaß daran gehabt, mich mit Kryptowährung zu beschäftigen. Die Altersanlage würde ich darüber auf jeden Fall nicht machen.

Gibt es einen Bitcoin-Geldbeutel?

Ja. Online-Dienste bieten Bitcoin-Wallets an. Auch das sind im Endeffekt lange Zeichenketten. Wer die kennt, kann sehen, wie viele Coins im Geldbeutel liegen. Um auf das Geld zuzugreifen, ist aber ein Passwort nötig. Die Codes auf dem Rechner zu speichern ist aber nicht die einzige Möglichkeit. Dem "Manager-Magazin" erzählte ein Bitcoin-Millionär, er würde die Codes aufschreiben und analog in einem Bankschließfach aufbewahren. Ausdrucken wäre zu gefährlich, ein Drucker könne gehackt werden.

Hat Bitcoin eine Zukunft?

Darauf gibt es noch keine Antwort. Bitcoin ist nicht die einzige digitale Währung. Es gibt zahlreiche vergleichbare Währungen im Netz. Welche und ob sich eine durchsetzt, ist nicht klar. Spannend hingegen ist die Technologie hinter den Bitcoins. Die heißt "Blockchain" und ist im Endeffekt ein großes Logbuch, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Jede einzelne Transaktion werde hier gespeichert und sei öffentlich einsehbar. Sie gelte als manipulationssicher, weil sie stetig fortgeschrieben wird. Die Identität der Nutzer bleibe aber geheim. "Weil dazu Verschlüsselungsverfahren eingesetzt werden, hat sich für die Systeme auch der Begriff Kryptowährungen etabliert", fasst die Tageszeitung zusammen.

Große Finanzfirmen und andere Unternehmen, wie beispielsweise TUI interessieren sich für die Blockchain-Technologie. Ein Hinweis darauf, dass vielleicht nicht die Währung, aber die Technologie in Zukunft wichtig wird.

Zum Schluss: Wer hat Bitcoin erfunden?

Der Erfinder des Bitcoin ist eine Legende. Immer wieder gibt es Gerüchte darüber. Immer wieder führt die Geschichte der Bitcoins zu einer Datei mit dem Namen "Satoshi Nakamoto" zurück. Wer dahintersteckt - ein Mann, eine Frau, eine Gruppe - ist bis heute nicht geklärt. Kurz bevor der Wert der Kryptowährung auf 10.000 US-Dollar gestiegen ist, kursierte das Gerücht, der Tesla-Chef Elon Musk habee Bitcoin erfunden. Der dementierte das kurz und knapp mit einem "Stimmt nicht". Der sagenumwobene Erfinder bleibt also auch weiterhin anonym.

 

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