Stand: 18.01.2017 15:15 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Fakes im Netz: So enttarnt ihr die Lügen selbst!

"Die Stadt Koblenz verkauft die Stadthalle um eine rechte Versammlung zu verhindern." Eine Falschmeldung! Aber hättet ihr das erkannt? Wir zeigen euch, wie ihr Lügen im Netz identifiziert!

Ein Mann mit Antifa-Sticker auf der Lederjacke will mit einem Flaggenstock auf einen am Boden liegenden Polizisten einschlagen - dieses Bild stammt aus einer AfD-Broschüre. In Einkaufszentren in Hamburg und Bremen sollen Muslime Weihnachtsbäume attackieren. Die Stadt Koblenz soll einen rechten Kongress verhindert haben, indem sie die Stadthalle verkaufte.

Was diese drei Meldungen gemeinsam haben? Alle sind falsch, komplett erfunden und kursieren im Netz. Zwar befassen sich diese Fake-News mit drei ganz unterschiedlichen Geschichten. Aber sie sind Beispiele dafür, dass nicht alles, was auf Facebook steht auch stimmt. Trotzdem glauben wir das gerne, meint Andre Wolf, der auf dem Blog Mimikama.at Fake-News enttarnt.

Viele Menschen fangen gar nicht erst an zu recherchieren, was dahintersteckt. Auf Facebook sind wir leider unkritischer. Andre Wolf, Experte für Fake-News

Dabei lohnt es sich, skeptisch zu sein. Wir stellen die echte und die erfundene Geschichte für euch in der Bildergalerie gegenüber.

Was hinter den Fake-News wirklich steckt

Seit der US-Präsidentschaftswahl rücken Falschmeldungen immer mehr in die öffentliche Diskussionen. Durch gezielte Werbung auf Facebook erreichen die Produzenten der Fake-News Menschen, deren Meinung zu der politisch-motivierten Falschmeldung passt. Sie wird als Wahrheit interpretiert und weiterverbreitet. Facebook selbst wählt mit Hilfe einer Software aus, was in unseren Newsfeeds auftaucht. Dabei entstehen sogenannten Filterblasen - wir sehen nur, was uns gefällt! Dabei sollten wir uns aber auch mit anderen Meinungen auseinandersetzen, meint der Facebook-Experte Martin Gardt, der für das Marketing-Portal Online-Marketing Rockstars schreibt.

Man kann Filterblasen ausschalten, indem man genau das Gegenteil macht: Man schaltet andere Meinungen ein. Also versucht man auch Seiten zu liken, die nicht die eigene Meinungen teilen. So gelingt es, dass andere Meinungen und News in die eigene Facebook-Timeline gespült werden. Martin Gardt, Facebook-Marketing-Experte

Der erste Schritt zu glaubwürdigen Nachrichten ist Vielfalt. Nur, wer verschiedene Perspektiven kennt, kann erkennen, was tatsächlich passiert ist und was der Fantasie des Verfassers entspringt. Wie ihr Falschmeldungen enttarnt, erklären wir euch. Denn oft ist eine Falschmeldung eine Mischung aus erfundenem Text und einem Bild, das in den falschen Zusammenhang gesetzt wird.

So entlarvt ihr falsche Bilder

Immer wieder tauchen Bilder auf, die nicht das zeigen, was der Text dazu behauptet. Das Bild auf dem AfD-Flyer ist nur ein Beispiel. Ein anderes: Während des Amoklaufs im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) kursierten in den sozialen Netzwerken plötzlich vermeintliche Fotos des Geschehens. Waffen, Blutspuren auf dem Boden und einen angeblichen Täter präsentierte die Netz-Gemeinde und wusste damit mehr als die Polizei. Die meisten Bilder stammten aber von ganz anderen Orten - von einer Polizeiübung in Manchester oder von einem US-YouTuber - zeigt Buzzfeed. Um solche Fakes zu entlarven gibt es drei Tipps:

1. Soll das Bild aktuell sein? Dann überprüft beispielsweise Ort und Wetter. Das Bild des OEZ hättet ihr mit offiziellen Aufnahmen vom Einkaufszentrum vergleichen können. Live-Webcam-Aufnahmen oder eine Wetter-Website zeigen euch, ob das Wetter zum genannten Ereigniszeitpunkt mit dem Wetter auf dem Bild übereinstimmt.

2. Überprüft die Quelle: Fragt euch, woher das Bild stammt und wer es gepostet hat. Ist es eine bekannte Zeitung oder eine Privatperson? Wenn es in einem sozialen Netzwerk auftaucht, schaut euch das Profil genauer an. Ist es gerade neu angelegt worden, könnte das Bild ein Fake sein. Lest außerdem die anderen Kommentare - vielleicht hat ein Nutzer schon Zweifel an der Echtheit des Bildes geäußert.

3. Macht eine Rückwärts-Bildersuche: Speichert das Foto auf dem Rechner und ladet es in einer Suchmaschine hoch. Das geht mit der Google-Bildersuche - einfach auf den Reiter Bilder oder links in der Suchleiste auf das Kamerasymbol klicken - oder mit TinEye.com. Suchmaschinen finden ähnliche oder gleiche Bilder. So seht ihr schnell, ob das Bild schon in einem anderen Zusammenhang verwendet wurde. Vielleicht gibt es eine Original-Meldung zu dem Foto von CNN, Tagesschau oder einer deutschen Tageszeitung.

So enttarnt ihr Fake-News Schritt für Schritt

So erkennt ihr eine Falschmeldung

Im Facebook-Stream selbst eine Falschmeldung zu enttarnen, ist fast unmöglich. Deswegen müsst ihr meist auf den Link klicken. Ein erster Hinweis sind aber oft schon völlig überspitzte Überschriften - beispielsweise "Stefan Raab ist tot" oder "Stadt Koblenz verhindert rechten Kongress durch Verkauf der Stadthalle". So könnt ihr mit verdächtigen Meldungen umgehen:

1. Gibt es ein glaubwürdiges Impressum oder ist überhaupt eines vorhanden? In Deutschland muss jede Seite ein Impressum haben, das von jeder Seite aus erreichbar ist. Gibt es keins, ist das der erste Hinweis für eine sehr unseriöse Seite. Auch wenn im Impressum nur ein Postfach oder eine kryptische Adresse im Ausland angegeben ist, glaubt der Seite nicht und seid skeptisch.

2. Falsche Meldungen haben oft echte, aber alte Bilder und einen erfundenen Text. Deswegen ist das Artikel-Bild, das die Glaubwürdigkeit unterstreichen soll, ein zentraler Punkt beim Enttarnen einer Falschmeldung. Speichert das Bild ab und ladet es wie oben ("So entlarvt ihr falsche Bilder") beschrieben zum Beispiel in die Google-Bildersuche hoch.

3. Hinterfragt die Überschrift, kopiert sie und gebt sie in eine Suchmaschine ein. Oft kopieren Websites, die Falschmeldungen veröffentlichen, die Geschichten nur von anderen Portalen, die auch unseriös sind. Gebt außerdem die wichtigsten Schlagworte in die Suchmaschine ein. Unter dem Reiter "News" bei Google sehr ihr, ob und welche Nachrichten-Portale über dieses oder ein ähnliches Thema schon berichtet haben (z. B. Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung, die Welt, die Zeit, der Spiegel oder der Tagesspiegel). Ausführliche Artikel, die verschiedene Perspektiven und auch den Hintergrund beleuchten sind hier immer glaubwürdiger als kurze Geschichten ohne Quellenangaben.

 

Weitere Informationen

So verdienen Betrüger mit Fake-News Geld

Falschmeldungen brauchen nicht immer eine politische Motivation. Manchmal reicht die Aussicht auf viel Geld. Dabei streuen die Betreiber ihre Meldungen über soziale Netzwerke - teils auch als bezahlte Werbung. Die Nutzer klicken darauf und sehen neben der erfundenen Meldung auch jede Menge Werbung. Jeder Klick auf eine der Werbeanzeigen bringt den Betreibern ein bisschen Geld ein. Um Nutzer auf die Website zu locken, nutzen die Betreiber überspitzte und reißerische Überschriften.

 

So identifiziert ihr Fake-Videos

Videos wirken immer echt, denn bewegte Bilder sind unfälschbar? Falsch. Auch Videomaterial kann manipuliert werden.Teilweise reicht es aber schon, ein vorhandenes Video in einen neuen Kontext zu setzen. So wird aus ein paar Jugendlichen die in einem Einkaufszentrum in Ägypten auf einen Weihnachtsbaum klettern schnell eine erfundene Meldung, die angeblich in Deutschland spielt. Damit ihr solche Fakes selbst erkennt, haben wir vier Tipps für euch:

1. Überprüft, ob das das Original-Video ist. Sucht in einer Suchmaschine nach Schlagwörtern und dem Namen des Videos. Existiert es in einem anderen Zusammenhang nochmal, ist es wohl nicht das echte. Speichert euch außerdem das Vorschaubild ab - geht auch als Screenshot - und macht eine Bilder-Suche wie oben beschrieben ("So entlarvt ihr falsche Bilder") oder über die YouTube-Suchmaschine von Amnesty International.

2. Ist das Video über soziale Netzwerke geteilt worden, checkt den Account. Ist er neu und vielleicht nur für dieses Video angelegt worden: Das deutet auf einen Fake hin. Speichert das Profil-Bild des Accounts und überprüft, ob es öfter mit dem Namen der Person auftaucht oder ob es vielleicht das Foto eines Models ist. Dann ist die Quelle nicht glaubwürdig.

3. Wo wurde das Video aufgenommen? Achtet auf Fix-Punkte wie Straßenschilder oder Einkaufszentren und guckt euch den Ort über Webcams oder Google Streetview an. Sieht es dort aus wie im Video? Wenn nicht, kann es sein, dass das Video sogar aus einem anderen Land stammt.

4. Im Zweifel: Fragt nach! Das Video scheint echt, aber irgendetwas stört euch? Fragt bei dem nach, der es verbreitet hat. Über Facebook oder Twitter könnt ihr ihm einfach eine Nachricht schreiben und auf eine ehrliche Antwort hoffen.

 

Diese Websites enttarnen Fakes für euch

Einige Websites haben sich der Aufklärung von Fakes im Netz verschrieben. Fake-News zum Beispiel sammelt die "Hoax-Map". Gefälschte Infos zum Beispiel Nachrichten, Bilder oder Videos enttarnt die österreichische Seite Mimikama.at. Auch die Europäische Union gibt auf der Website euvsdisinfo.eu auf Englisch ihr Bestes, um Falschmeldungen mit politischem Hintergrund zu enttarnen, berichtet die Zeit.


03.04.2017 17:53 Uhr

Hinweis der Redaktion: Im einer früheren Version des Artikels stand der Satz "Auch wenn im Impressum ein Postfach oder eine Adresse in Panama oder einem vergleichbaren Land angegeben ist, glaubt der Seite nicht und seid skeptisch." Wir bitten diese ungerechtfertigte Pauschalisierung zu entschuldigen.

 

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