Meine Daten - eine begehrte Ware
Das Erlebnis, Dinge mit Freunden zu teilen und tolle Erfahrungen zu machen - das ist, was Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sich für die Nutzer seiner Plattform wünscht: "Wir schaffen keine Dienste, um Geld zu verdienen. Wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu schaffen", sagt der 28-Jährige.
Sicherlich denken eher weniger der weltweit über eine Milliarde Menschen, die ein Facebook-Profil haben, darüber nach, wieso das Unternehmen derartig erfolgreich werden konnte. Dabei schätzen Analysten den Wert des Unternehmens höher als den von Unternehmen wie Lufthansa, Daimler und Adidas zusammen. Wie verträgt sich das: der nach außen getragene Anspruch, die Welt mit Facebook besser machen zu wollen und Facebook als Geschäftsmodell? Die jungen Filmemacherinnen Svea Eckert und Anika Giese haben sich auf die Spuren dieses Milliardengeschäftes mit der Freundschaft gemacht. Sie haben Nutzer, Analysten, Psychologen und Datenschützer getroffen.
Das Versprechen eines heimeligen Zuhauses im Netz
Die 17-jährige Franciska ist eine von rund 25 Millionen Deutschen, die ihre Freundschaften unter anderem auf Facebook leben und pflegen. Zu ihrem elektronischen Tagebuch haben alle ihre Freunde Zugang. Ein Leben ohne Facebook kann sich die Hamburgerin nicht mehr vorstellen: "Ich würde es schon eine kleine Sucht nennen", sagt Franciska.
Der Grund ist einfach: Sie fühlt sich ihren Freunden auf diese virtuelle Weise näher. Sie teilt mit ihnen ihre Erlebnisse, ihre Fotos und ihre Vorlieben. "Genau so funktioniert es", erklärt die Medienpsychologin Sabine Trepte. "Privates ist die Währung, Persönliches ist der Treiber auf Facebook. Nur wenn ich etwas von mir zeige, nur wenn ich Persönliches preisgebe, bekomme ich auch Reaktionen." Auch Franciska hat festgestellt, dass sie "eigentlich schon ihr ganzes Leben postet".Das Netzwerk vermittelt dabei das Gefühl von Privatsphäre - ohne dass seine Nutzer wirklich privat sind. Es ist wie ein "betörendes Versprechen", meinen die Autorinnen, "es funktioniert wie eine Venusfliegenfalle". Das Geschäftsmodell "setzt bei dem an, was Menschen am meisten berührt: Sie können dort kommunizieren, sich darstellen, sich austauschen und vernetzen", so Anika Giese.
- Teil 1: Das "betörende Versprechen" vom virtuellen Zuhause
- Teil 2: Daten - "das Gold unserer Zeit"
Stand: 13.02.2012 14:16 Uhr
N-JOY