
Wem gehören meine Daten?
Datenschützer schlagen Alarm. "Facebook verstößt gegen deutsche Datenschutzgesetze", sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar. "Privates muss privat bleiben", sagt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und droht öffentlich mit Ausstieg. Die Verbraucherzentralen raten dazu sich gar nicht erst bei Facebook anzumelden.
Die Community selbst scheint das alles ziemlich kalt zu lassen. Im Interview mit dem "Stern" sagte Richard Allen, verantwortlich für den Datenschutz bei Facebook: "Unsere Kernphilosophie ist die Kontrolle in den Händen der Nutzer. Die Werkzeuge dafür sind die bestmöglichen und so präzise wie möglich, sodass man eine Information innerhalb einer kleinen Untergruppe von Freunden teilen kann bis hin zur ganzen Welt."
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagt, dass die Privatsphäre eine "alte Konvention" sei und die Leute heute viel offener ihre Informationen teilen.
Die Kritik von Datenschützern ist aber alles andere als unberechtigt. In den letzten Wochen und Monaten gab es gleich mehrere Probleme:
- Facebook hat die Einstellungen zur Privatsphäre zurückgesetzt. Jeder Nutzer musste die Einstellungen eigenhändig neu justieren. Zuckerberg dazu: "Wir halten die Entscheidung für richtig."
- Facebook speichert auch Daten über Nicht-Mitglieder. Wenn Mitglieder ihre privaten E-Mail-Konten mit Facebook abgleichen, speichert Facebook die Daten Dritter und kann so im Hintergrund ein ausführliches Netzwerk auch von Nicht-Mitgliedern anlegen.
- Facebook hat sich das Recht eingeräumt, alle Daten von Mitgliedern zeitlich unbegrenzt nutzen zu können. Während Google und andere Suchmaschinen nach einem Zeitraum Daten löschen, behält Facebook sie für immer.
- Facebook plant, zukünftig auch fremde Webseiten auf die Profil-Daten seiner Mitglieder zugreifen zu lassen. Wer das nicht will, muss per Hand den einzelnen Seiten den Zugriff verbieten.
- Immer wieder wird die fehlende Transparenz bei den Datenschutzbestimmungen kritisiert. Selbst wer sich durch das gesamte Regelwerk arbeitet, hat am Ende oftmals mehr Fragen als zuvor.
Kritik an allen Communitys
Vor allem amerikanische Communitys (Facebook, MySpace, LinkedIn) schneiden in einem aktuellen Test der Stiftung Warentest äußerst schlecht ab. Untersucht wurde die Datensicherheit, der Umgang mit privaten Daten und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Am besten haben die deutschen VZ-Netzwerke abgeschnitten. Hier gab es nur "geringe Mängel" in den oben genannten Punkten. Problematisch ist der Umgang mit Daten bei den deutschen Anbietern "wer-kennt-wen.de" und "lokalisten.de". Den kompletten Test lest ihr hier.
Protest beschränkt sich auf Deutschland
Eine überparteiliche Facebook-Gruppe zeigt Möglichkeiten zum Protest: "Facebook diskutiert gerade die Änderung seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen und der daran angeschlossenen Datenschutzrichtlinie. Leider gehen die Vorschläge - wieder einmal - in die falsche Richtung: So soll zukünftig eine Weitergabe unserer Profildaten an kommerzielle Partner von Facebook möglich sein." Die Gruppe liefert auch gleich einen Protestbrief, den man bei Facebook posten kann. Mittlerweile hat die Gruppe über 30.000 Mitglieder.
In anderen Ländern ist die Aufregung weit weniger groß. Im größten Facebook-Land, den USA, ist die Mentalität eine andere. Die Nutzer fühlen sich nicht von der Datensammelwut einiger Unternehmen bedroht. Es wird auch wenig kritisiert, dass Geheimdienste jederzeit auf diese Daten zugreifen können.
Aber solange nur Deutschland sich gegen einen solchen Umgang auflehnt, wird es sehr schwer, Änderungen in der Philosophie und der Grundhaltung von Facebook herbeizuführen.
Weitere Informationen
Eure Fragen zu Facebook
Dr. Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter der Stadt Hamburg, hat User-Fragen zur Datenschutzsituation bei Facebook beantwortet. MEHR
Stand: 09.04.2010 10:52 Uhr
N-JOY