Ein Smartphone auf dem Bildschirm eines Laptops. (Bildmontage) © fotolia Fotograf: lassedesignen, kaipity

Sicherheit: Jede vierte App ist "verdächtig"

von Dennis Bangert

Aktuelle Smartphones sind Computer im Hosentaschenformat. Diese Feststellung ist eigentlich eine Binsenweisheit und keine revolutionäre Meldung. In der Verwendung hat sich diese Erkenntnis allerdings noch nicht durchgesetzt. Viele Nutzer gehen noch sehr sorglos mit ihren Smartphones um. Dabei sind Trojaner und Viren für die cleveren Handys keine Schreckensvision, sondern schon lange Realität. Erst Mitte Oktober 2012 warnte das Internet Crime Complaint Center (kurz IC3) – eine Einrichtung des FBI - vor zwei neuen Malware-Programmen für Android: Loozfon und FinFisher. Während Loozfon sämtliche Kontaktdaten ausliest und an die Kriminellen sendet, protokolliert FinFisher sämtliche Aktivitäten des Smartphones. Außerdem gibt FinFisher den Kriminellen die komplette Kontrolle über das Handy – egal wo der Nutzer sich aufhält.

Sicherheitsrisiko Apps

Ebenfalls besorgniserregend sind die Erkenntnisse einer neuen Studie von Bit9. Die Sicherheitsexperten untersuchten mehr als 400.000 Android-Apps, die über Google Play verfügbar sind. Das Ergebnis: 25 Prozent dieser Apps stellen ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar. Bit9 hierzu:

Wir sagen nicht, dass 100.000 Apps bei Google Play bösartig sind. Tatsächlich haben nur sehr wenige Programme einen kriminellen Hintergrund. […] Allerdings führen die kritisierten Apps fragwürdige Aktivitäten aus oder verlangen Zugang zu privaten Informationen […}.

Bild der App Angry Birds Live Wallpaper © Google Play
Die App "Angry Birds Wallpaper Live" verlangt zahlreiche Berechtigungen.
Fragwürdig ist zum Beispiel, warum eine App für Bildschirmhintergründe - konkret "Angry Birds Live Wallpaper" - Zugang zu den Adressdaten, zum E-Mail-Konto und dem Browserverlauf verlangt und sich darüberhinaus noch das Recht einräumt, dass Smartphone oder das Tablet aus dem Ruhezustand zu holen. Bei solchen Anfragen sollte man in jedem Fall misstrauisch werden. Im Detail verlangten 42 Prozent der untersuchten Apps Zugang zu den GPS-Daten des Nutzers. 31 Prozent wollten Infos zu Anruferdaten und Telefonnummern. 26 Prozent der Apps wollten sich immerhin den Zugriff auf persönliche Infos sichern, während neun Prozent Informationen verlangten, die den Nutzer potenziell Geld kosten könnten. Ein Prozent aller Apps wollte sogar gleich den Zugang zum gesamten Account. Dabei sind die Apps auch nicht auf einzelne Zugriffsrechte beschränkt. Viele Programme verlangen gleich mehrere Freigaben.

Warum Android?

Selbstverständlich sind auch Apps aus dem iTunes-Store nicht weniger gefährlich oder fragwürdig als Apps für Android-Geräte. Allerdings macht die Verbreitung das Google-Betriebssystem zu einem interessanten Ziel. In Deutschland rangiert Android unangefochten an der Spitze der mobilen Betriebssysteme. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Comscore setzen mittlerweile 50,1 Prozent der hierzulande genutzten Smartphones auf Android. Damit liegt das Google-Betriebssystem deutlich vor Apple, deren System lediglich auf einen Marktanteil von knapp 21 Prozent kommt.

Risikofaktor offenes System

Ein weiterer Risikofaktor ist das offene System von Android. Im Gegensatz zu Apple lässt Andoid auch die Installation von Apps zu, die nicht von Google Play stammen. Da Google Apps aus diesen fremden Quellen nicht prüft, verbirgt sich dahinter immer ein gewisses Risiko. Ein beliebter Trick: Per Mail oder SMS fordern die Kriminellen auf, ein gefälschtes "Systemupdate" zu installieren. Hinter dem Link in der Nachricht steht allerdings kein offizielles Update, sondern ein Trojaner oder Spyware.

Sicherheitstipps für Smartphones

  • Tipp 1

    Verlangt eine App Zugriff auf sensible Daten, solltet ihr Vorsicht walten lassen – besonders wenn die App die entsprechenden Daten definitiv nicht braucht, um ihre Kernfunktion auszuüben. Verlangt eine App mit Bildschirmhintergründen Zugang zu euren Kontaktdaten und eurem Aufenthaltsort solltet ihr sie besser nicht installieren.

  • Tipp 2

    Im App-Store Google Play wird angezeigt, welche Rechte die App von euch verlangt. Grundsätzlich gilt: je weniger, desto besser.

  • Tipp 3

    Achtet auf die Nutzer-Bewertungen! Die sind zwar keine absolut verlässliche Grundlage, bieten allerdings erste Hinweise. Finger weg von Apps mit schlechten Kritiken oder solchen, die kaum installiert wurden.

  • Tipp 4

    Guckt euch den Herausgeber der App an. Bei großen, renommierten Publishern grassiert zwar auch gelegentlich die Datensammelwut, aber zumindest ein krimineller Hintergrund ist unwahrscheinlicher. Im Zweifel sucht im Internet nach dem Herausgeber. Hier findet man meist Erfahrungsberichte oder Hinweise auf die Vertrauenswürdigkeit.

  • Tipp 5

    Ladet nur Apps aus den offiziellen Stores herunter. Apps aus dritter Hand stellen ein potenzielles Risiko dar.

  • Tipp 6

    Folgt keinem Link in einer SMS oder E-Mail, der euch zum Download einer App auffordert. Hinter diesen Links kann sich ein Schadprogramm verbergen.

  • Tipp 7

    Auch für Smartphones gibt es Schutzsoftware. Mit "Kaspersky Mobile Security" oder "Lockout Securtity & Antivirus" verbessert ihr die Sicherheit eures Smartphones. Auf eurem Laptop oder PC daheim habt ihr schließlich auch eine Anti-Virensoftware und eine Firewall.

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