Stand: 09.08.2018 01:34 Uhr | AutorIn: Judith Böse und Dennis Bangert

Justin Timberlake: Ein Konzert in 2 1/2 Akten

Justin Timberlake ist einer der größten Entertainer des 21. Jahrhunderts. Bei seinem Tourstop in Hamburg zeigt er nicht nur, warum er seit über 20 Jahren an der Spitze des Pop-Olymps thront. Sondern er beweist auch, dass man vor Tausenden Menschen intime Momente schaffen kann.

Es ist fast 30 Jahre her, dass Justin Timberlake im amerikanischen Fernsehen seine ersten musikalischen Schritte machte. Der große Erfolg kommt ein wenig später mit *NSYNC - eine DER Boygroups der 90er. Als Leadsänger liegen ihm die Frauen scharenweise zu Füßen. Das hat sich bis heute wenig geändert - bloß, dass Timberlake den Ruhm mittlerweile nicht mehr teilen muss.

Ein Entertainer der Superlative

Seit 2002 ist der 37-Jährige solo unterwegs - und hat sich seitdem zum Künstler der Superlative entwickelt. Über 70 Millionen verkaufte Platten, eine Oscar-Nominierung für den besten Song, zahlreiche Auftritte in Hollywoodstreifen, eine eigene Modekollektion und einen festen Platz in den oberen Rängen der Charts.

Was Timberlake zu einem der größten Entertainer des 21. Jahrhunderts macht, sind aber nicht (nur) seine musikalischen Erfolge. Es ist das Talent, sein Publikum ab dem ersten Fingerschnipsen zu fesseln - und zwar zwei Stunden lang.

Vorbei die Zeiten kreischender Teenager

Perfekte Choreografien treffen auf eine außergewöhnliche Bühnenshow und natürlich auf Timberlakes Charisma. Wer jetzt aber denkt, ein Konzert des Frauenschwarms bestünde zu 90 Prozent aus weiblichen Teenagern, irrt. Das Publikum ist mit seinem Star gealtert - vorbei die Zeiten, in denen 14-jährige scharenweise in Ohnmacht fallen. Das Justin-Publikum von heute ist mit Freund oder Ehemann zum Konzert gekommen.

Justin Timberlake begeistert das Publikum von Beginn an

Timberlake ist kein Künstler wie jeder andere - er "betritt" die Bühne der Barclaycard Arena nicht einfach nur, er nimmt sie ein. Ab dem ersten Takt von "Filthy" kennt er kein Halten mehr und gönnt weder sich, noch dem Publikum eine Atempause. Mühelos gehen neue Songs wie "Midnight Summer Jam" in Hits wie "LoveStoned" und "Sexy Back" über - um dann beim Titelsong seines aktuellen Albums zu landen: "Man of the Woods".

In Hamburg performt er einen Querschnitt seiner größten Hits - gemeinsam mit einer großartigen Liveband, den Tennessee Kids, und einer Crew aus Tänzerinnen und Tänzern, bei denen jede Bewegung sitzt. Doch bei allem Lob: Der Sound macht der perfekten Konzerterfahrung leider einen Strich durch die Rechnung. Oft übersteuert der Bass. Über weite Strecken klingt es einfach nur laut und breiig. Etwas weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Ein visuelles Spektakel bleibt die Show - ein auditives leider nicht. Schade!

Zurück zu den Wurzeln

Auf der mittlerweile fünften Solo-Platte besinnt sich Justin auf seine Wurzeln. Er ist ein "Southern Man", also ein Mann der Südstaaten Amerikas - mit allem was dazu gehört: Countrymusik, Natur und Lagerfeuer. Genau diese Bodenständigkeit bringt er mit in seine Show. Er ist nicht mehr der tanzende Mickey-Mouse-Club-Moderator oder der süße Lockenkopf, der sich mit vier anderen die Bühne teilt. Heute ist er der "Mann aus dem Wald", ein Künstler, der mit Leichtigkeit zwischen Songs aus den verschiedenen Etappen seiner Karriere hin und her wechselt.

Alt trifft auf neu

Ohne seine musikalischen Ursprünge zu leugnen - er weiß welche Songs ihn groß gemacht haben und was sich seine Fans wünschen. Und so fügt sich bei seinem Auftritt ein "Senorita" ("Justified") nahtlos an "Higher Higher" ("Man of the Woods"). 2002 trifft auf 2018. R&B und Hip Hop treffen auf Soul, Funk und Country.

Das Bühnenbild steht ganz im Zeichen des Mannes aus dem Wald. Wie eine gigantische Schlange windet sich ein von Bäumen umgebener Steg von der Hauptbühne durch den gesamten Saal und vermittelt mit Projektionen teilweise den Eindruck eines durch unberührte Wildnis führenden Waldpfades. Doch während man in einer Sekunde noch Flanellhemd-tragende Holzfäller auf der Bühne erwartet, explodieren kurze Zeit später mehr Laser und Lichter als bei einer UFO-Landung.

Singen, Tanzen, Beeindrucken - Justin kann alles

Zu "Cry Me A River" tropft Regen über riesige Stoffbahnen, die als Projektionsfläche dienen, auf die Bühne hinunter. Während der gesamte Boden der Bühne in dichten Nebel getaucht ist. Beeindruckend. Und bei "Suit&Tie" stellt Justin eindrucksvoll unter Beweis, dass er nicht viel mehr braucht als einen Beat, einen Mikrofonständer als Tanzpartner und ein paar Laser, um mehrer Tauschend Menschen in seinen Bann zu ziehen. Als einziger Lichtfleck in einer ansonsten stockdunklen Halle legt Justin Timberlake eine atemberaubende Solo-Tanzeinlage hin.

Lagerfeuerfeeling in der Arena

Unterbrochen wird das Hit-Feuerwerk von einem fast befremdlich wirkenden Moment der Besinnung. In Mitten von Tausenden Besuchern der Barclaycard Arena kommt zwischenzeitlich Lagerfeuerromantik auf. Und das ist wörtlich gemeint. Auf der Bühne sitzen Timberlake, seine Musiker, Sänger und Tänzer um ein echtes Lagerfeuer. Timberlake gönnt sich eine kurze Pause im Hintergrund. Das Singen überlässt er seinen Backgroundsängern, die Cover von den Beatles, Lauryn Hill, Fleetwood Mac und John Denver anstimmen, während er sie an der Gitarre begleitet. Ganz wie man es sich an einem Lagerfeuer vorstellt. Eine charmante Idee, die sich allerdings etwas in die Länge zieht. Das Tempo anschließend wieder anzuziehen und zurück in den Party-Modus zu finden, dauert.

Trotz aller Professionalität, perfekt einstudierten Choreografien und Abläufen - Justin Timberlake schafft es auch in einer großen Halle eine persönliche Atmosphäre zu schaffen. Nach etwa zwei Stunden Höchstleistung entlässt er sein Publikum mit "Can't Stop the Feeling" in die laue Sommernacht. Am liebsten möchte man sich direkt vor der Tür einen Marshmallow über einer Feuerzeugflamme grillen und ganz bei sich verarbeiten, dass man gerade einen der größten Entertainer seiner Generation in Hochform erlebt hat.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | 08.08.2018 | 23:00 Uhr

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