Stand: 12.09.2018 19:11 Uhr

11 Jahre war Dominik Bloh obdachlos - ein Interview

Der ehemalige Obdachlose Dominik Bloh erzählt in "Am Rand", dem neuen N-JOY Talk mit Jörg Thadeusz, von großen Herausforderungen und bewegenden Gesten - und wie viel Straße auch jetzt noch in ihm steckt.

Dominik Bloh fühlt sich schon früh entwurzelt. Seine Kindheit ist geprägt von Gewalt, dazu kommen psychische Probleme der Mutter. Sein größter Halt: seine Großmutter. Als auch sie nicht mehr für ihn da sein kann, geht es für Dominik Bloh weiter bergab: Er wird zum Kleinkriminellen, prügelt sich mit Mitschülern, dealt mit Drogen.

Als Dominik Bloh 16 ist, eskaliert die Situation. Seine Mutter wirft ihn raus, er weiß nicht mehr, wohin er gehen soll. Dominik Bloh ist von einem Tag auf den anderen obdachlos.

Podcast "Am Rand": Dominik Bloh im Gespräch mit Jörg Thadeusz

Im Podcast "Am Rand" erzählt er Jörg Theadeusz, wie er von einem Freund hängen gelassen wurde und warum er auf der Straße oft kein Auge zugemacht hat. Er erzählt von der bewegenden Geste eines Laubenbesitzers. Von Gewalt auf der Straße und warum es so schwierig ist, aus der Obdachlosigkeit zurück in ein geregeltes Leben zu finden - und wie er das ausgerechnet geschafft hat, indem er anderen hilfsbedürftigen Menschen geholfen hat.

Das Bild zeigt den Schattenriss von Jörg Thadeusz als Cover zum N-JOY Talk-Podcast "Am Rand" © N-JOY / NDR Fotograf: Friederike Göckeler

"Am Rand" - mit Dominik Bloh

N-JOY -

Der ehemalige Obdachlose Dominik Bloh erzählt Jörg Thadeusz, welche Herausforderungen das Leben auf der Straße bereit hält und warum der Weg zurück in ein geregeltes Leben so schwer ist.

00:00:11 - Vorstellung Dominik Bloh durch Jörg Thadeusz
00:01:08 - Dominik Bloh über seine Großmutter und Einschnitte in seinem Leben
00:03:08 - Was im Leben von Dominik Bloh hätte anders sein können und warum er nicht tauschen will
00:04:14 - Warum Dominik Bloh ein guter Mensch ist und an das Gute glaubt
00:06:51 - Hip Hop als Lehrer
00:07:30 - Jörg Thadeusz und Dominik Bloh übers Verzeihen und die Depressionen der Mutter

00:10:27 - Die erste Nacht auf der Straße / Enttäuschung durch einen Freund
00:11:56 - Rastlosigkeit und Grundbedürfnisse: Der Tag auf der Straße endet nicht
00:12:42 - Gastfreundschaft und die innere Bremse
00:14:44 - Zuflucht in einer Laube
00:16:00 - Hass ist immer falsch / Frieden schließen
00:17:27 - Was bedeutet es, "Platte zu machen"?
00:18:30 - Rastlos: Obdachlose sind immer mit einem Auge wach

00:19:29 - Zurückfinden in ein geregeltes Leben: Die Grundbedürfnisse stehen auf der Straße ganz vorn
00:22:00 - Freundschaften auf der Straße
00:23:09 - Gewalt auf der Straße
00:24:14 - Schlafplatz-Suche und Obdachlosen-Unterkünfte
00:25:52 - Dominik Boh über die Hoffnungslosigkeit als Obdachloser

00:26:32 - Dominik Bloh hilft Flüchtlingen
00:28:03 - Wie Dominik Bloh eine Wohnung bekommen hat
00:28:48 - Was von der Straße bleibt
00:29:30 - Zukunftswünsche: Weitere Türen öffnen

 

Interview: Jörg Thadeusz spricht mit Dominik Bloh

Jörg Thadeusz: Er hat über zehn Jahre auf der Straße gelebt, dabei könnte er vielleicht auch in der Nationalmannschaft Fußball spielen. Könnte im Tor stehen, denn darin war er gut – damals beim VFL 93 Hamburg. Oder er könnte Basketball spielen, seine spätere große Leidenschaft. Er könnte ein Schreiber sein, vielleicht Journalist, aber er hat auf der Straße geschrieben. Hat seinen Block vor der Nässe geschützt, als er nur mit seinem gesamten Besitz in einer Sporttasche durch Hamburg zog. "Unter Palmen aus Stahl – die Geschichte eines Straßenjungen" heißt sein Buch über sein Leben, eine Autobiographie. Dominik Bloh ist bei uns.

Würden Sie sagen, es gibt regelrechte Wendepunkte oder Phasen in Ihrem Leben? Was ich aus dem Buch herausgelesen habe, ist, dass der Tod Ihrer Großmutter 2004 schon ein dickes Ding war. Ist das ein Wendepunkt?

Dominik Bloh: Es gab auf jeden Fall mehrere Einschnitte in meinem Leben. Meine Großeltern waren die Menschen, bei denen ich aufgewachsen bin, die mich erzogen haben. Mit sechs Jahren sind wir umgezogen, mit der Familie meines Stiefvaters zusammen in den Norden, nach Schleswig-Holstein. Ab da war ich entwurzelt und irgendwie entrissen von meinem Zuhause. Das war dieser erste Einschnitt. Und dann geht es ja tatsächlich wie ein roter Faden immer weiter. Dann kam dieser ganz krasse Tiefpunkt 2004, als meine Oma an Krebs gestorben ist. Unvergessen. Ich vermisse sie bis heute, sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Thadeusz: Stimmt es, dass Sie in den zehn Jahren auf der Straße immer das Foto Ihrer Großmutter, solange das ging, bei sich behalten haben?

Bloh: Ja, das stimmt. In meinem Buch schreibe ich den Satz: "Bilder im Kopf, auf der Straße geht einfach alles verloren", aber das war das Stück, was ich am meisten mit mir getragen habe. Das war halt komplett zerknittert, zerknüllt, rissig und ausgeblichen, aber es war die letzte Erinnerung, die ich hatte. Ich habe sie so lange bei mir getragen, wie ich konnte.

N-JOY
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