Stand: 15.11.2018 19:00 Uhr

Eine Stunde, ein Leben: Vom Verbrecher zum Unternehmer

Früher saß Volkert Ruhe selbst im Gefängnis. Heute hilft er Jugendlichen, nicht abzurutschen. In "Eine Stunde, ein Leben" hat er seine ganze Geschichte erzählt. Die Sendung zum Nachhören.

Wenn Volkert Ruhe aus seinem Leben erzählt, klingt das wie die Handlung eines Films: Mit 14 reißt er von zu Hause aus - weg von Gewalt, Alkohol und Missbrauch. Er schlägt sich durch, schläft in verlassenen Gartenhäuschen oder Bahnschächten. Er fängt an zu stehlen - zunächst um zu überleben, später auch, um feiern zu gehen.

Dass er mit Mitte 30 nach Kolumbien reist, um als Berufsverbrecher für die kolumbianische Drogenmafia zu arbeiten, ahnt damals niemand. Dass Ruhe heute ein gefeierter und unter anderem von Bundeskanzlerin Merkel prämierter Sozialunternehmer ist, würde wohl auch niemand vermuten.


"Gefangene helfen Jugendlichen": Die Idee entsteht im Gefängnis

Volkert Ruhe transportiert in Südamerika selbst Drogen, wirbt Kuriere an, organisiert den Drogenschmuggel. Die Angst, erwischt zu werden, gehört für ihn zum Alltag - und tatsächlich wird er über Interpol schon bald weltweit gesucht. Mit 40 wird er in Panama verhaftet und verbringt dort sechs Monate im Gefängnis.

Wir haben zu zehnt in einer kleinen Zelle auf dem nackten Fußboden geschlafen. Man hat vor sich hin vegetiert und musste mit Leuten klarkommen, die verhaftet wurden, weil sie für 20 Dollar einen Menschen umgebracht haben. Volkert Ruhe im N-JOY Interview

Nachdem Ruhe nach Deutschland verlegt und zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, beschließt er, etwas zu ändern. Er holt im Gefängnis sein Abitur nach, macht ein Fernstudium und hat die Idee zu "Gefangene helfen Jugendlichen" - einem Präventionsprojekt, das Jugendliche davor bewahren soll, im Gefängnis zu landen.

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"Vor der Gefängnispforte ziehen sie noch ihre Show ab"

Ruhe wird wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen - und geht in seinem Projekt auf. Bis heute hilft er Jugendlichen, die meist am Anfang einer kriminellen Laufbahn stehen. Er lässt sie das Gefängnis hautnah spüren und bringt sie mit Gefangenen ins Gespräch. Dabei erlebt er immer wieder, wie die Jugendlichen den Gefängnisbesuch zunächst als "Fun" sehen - aber: "Spätestens, wenn sie im Gefängnis drin sind, bleibt der Mund zu."

Auch bei dem 22-jährigen Eliot war es der durch "Gefangene helfen Jugendlichen" initiierte Kontakt zu Gefangenen, der die Wende gebracht hat.

Die Gefangenen haben mir schnell klar gemacht, dass mein Weg genau dahin führen wird, wo sie jetzt sitzen. Eliot im N-JOY Interview

Während Eliot noch vor wenigen Jahren eine Tankstelle überfallen und Menschen auf der Straße ausgeraubt hat, befindet er sich heute im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Altenpfleger.

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 15.11.2018 | 18:00 Uhr

N-JOY
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