Stand: 12.02.2021 18:52 Uhr | AutorIn: Nele Wehmöller

Erste Hilfe: Das solltet ihr wissen!

Notruf, Reanimation, rechtliche Lage, Erste Hilfe in Corona-Zeiten: Hier findet ihr Informationen rund um das Thema Erste Hilfe und die N-JOY Aktion "Lasst uns Leben retten".

Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2020 ist sich mehr als die Hälfte der Deutschen unsicher, in einer Notsituation Erste Hilfe leisten zu können.

Unter den etwa 3.600 Befragten unserer N-JOY Umfrage zu Erster Hilfe im Norden ist die Unsicherheit nicht ganz so groß: Der Großteil (64 Prozent) gab an, sich sicher zu sein, in einer Notsituation Erste Hilfe leisten zu können. Dennoch: Ein Drittel der Befragten ist sich dabei unsicher. Und: Obwohl sich so viele in Erster Hilfe sicher fühlen, hat fast die Hälfte der Befragten (44 Prozent) Angst vor dem Ernstfall.


N-JOY Aktion "Lasst uns Leben retten"

Mit unserer Aktion "Lasst uns Leben retten" möchten wir euch die Unsicherheit und Angst nehmen, euer Erste-Hilfe-Wissen auffrischen und euch auf den Ernstfall vorbereiten - damit ihr im Notfall helfen und Leben retten könnt. Im Folgenden findet ihr Studien, Fakten und Informationen rund um das Thema Erste Hilfe.


Bin ich zur Ersten Hilfe verpflichtet?

Grundsätzlich besteht laut Gesetz eine Verpflichtung, Erste Hilfe zu leisten. Sie leitet sich aus Paragraf 323c des Strafgesetzbuches ab, der unterlassene Hilfeleistung unter Strafe stellt. "Es muss allerdings zumutbar sein und man muss sich keiner erheblichen eigenen Gefahr aussetzen", sagt der Hamburger Fachanwalt für Straf- und Verkehrsrecht Dietmar Cyrus. In jedem Fall solltet ihr aber immer den Notruf wählen und Rettungskräfte dazu holen.

Helft ihr nicht, liegt unterlassene Hilfeleistung vor. Dabei kann es bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe geben. Das komme darauf an, wie schlimm der Unglücksfall war und welche Konsequenzen es hatte, dass man keine Erste Hilfe geleistet hat, erklärt Cyrus.


Was ist, wenn ich bei der Ersten Hilfe etwas falsch mache?

Viele haben Angst, etwas falsch zu machen, wenn sie helfen. Das ist laut Cyrus völlig unbegründet, denn das Gesetz sieht für solche Fälle extra eine Privilegierung vor.

Das heißt: Wer Erste Hilfe leistet, haftet nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit - also beispielsweise, wenn ihr etwas nicht beachtet, das jedem sofort hätte einleuchten müssen. "Zum Beispiel, wenn man eine hilflose Person in einem nicht verschlossenen Auto sieht und die Fensterscheibe einwirft, statt einfach die Tür zu öffnen", erklärt der Fachanwalt für Verkehrsrecht.


Wie wahrscheinlich ist es, dass ich mal Ersthelfer sein werde?

Genau lässt sich das natürlich nicht sagen. Aber: Bei einem Herzkreislaufstillstand zählt jede Sekunde - und rund 62 Prozent aller Herzkeislaufstillstände passieren laut dem Deutschem Reanimationsregister zu Hause und nicht in der Öffentlichkeit. In mehr als der Hälfte der Fälle seien es demnach Angehörige, die Hilfe benötigen, erklärt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Es kann also unsere Eltern, Großeltern, Geschwister oder Kinder treffen. Daher sollten wir laut Gräsner im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Er betont:

Das einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun. Jede Hilfe hilft dem Patienten. Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner

 

Warum helfen viele Menschen in Notfallsituationen, manche aber nicht?

Unfälle oder Notsituationen passieren plötzlich und unvorbereitet. "So ein Ereignis ist eine absolute Stresssituation", erklärt der Notfallsanitäter und Psychologe Florian Stoeck. Dabei werden ihm zufolge zwei typische Verhaltensmuster unterschieden: kämpfen und fliehen. Das heißt: Die einen werden durch eine solche Situation aktiviert und rennen sofort zum Unfallort, um zu helfen. Andere erstarren und haben vielleicht eher das Bedürfnis, wegzurennen. In so einen Stressmodus zu fallen, sei völlig normal, sagt Stoeck.

Anders sehe es allerdings aus, wenn wir uns damit vorab auseinandersetzen und wissen, was in solchen Situationen zu tun ist. Dies wirke schützend und stabilisierend. Die Folge: Wir können besser helfen. Stoeck empfiehlt daher regelmäßiges Training in Erste-Hilfe-Kursen, um sich mit dem Thema auseinandersetzen und auf Notfälle vorbereitet zu sein. Viel werde außerdem schon rein intuitiv richtig gemacht, wenn man sich in die verletzte Person hineinversetze. Da zu sein und jemanden zu beruhigen könne schon helfen.


Erste Hilfe und Corona: Worauf muss ich achten?

Notfälle oder Herzstillstände treten natürlich auch während der Pandemie weiterhin auf. "Wir merken gerade im Rettungsdienst, dass einige Patienten sich scheuen, ins Krankenhaus zu gehen, obwohl sie eindeutige Symptome haben", erklärt der Notarzt Christian Hermanns von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Diese Menschen können auch in der Öffentlichkeit zusammenbrechen und Hilfe benötigen.

Ärzte befürchten, dass durch das Coronavirus weniger Menschen in Notsituationen helfen und im Ernstfall jemanden wiederbeleben - aus Angst, sich mit Corona anzustecken. Dabei ist sofortiges Handeln wichtig.

Sofern es euer eigener Gesundheitszustand zulässt, solltet ihr daher trotzdem helfen - dabei laut Christian Hermanns von einlebenretten.de aber bestimmte Vorgehensweisen beachten:

  • Haltet, wenn möglich, 1,5 Meter Abstand zu der betroffenen Person.
  • Tragt selbst eine Maske und setzt der betroffenen Person, falls vorhanden, ebenfalls eine Maske auf.
  • Wollt ihr kontrollieren, ob ein Mensch noch atmet, fühlt am Brustkorb, ob dieser sich hebt und senkt.
  • Vermeidet dabei, sehr dicht an Mund und Nase des Patienten zu kommen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
  • Müsst ihr jemanden wiederbeleben, macht nur die Herzdruckmassage und keine Mund-zu-Mund-Beatmung.
  • Legt der oder dem Betroffenen ein Tuch oder ein T-Shirt über das Gesicht, um die Aerosolverbreitung zu reduzieren.
  • Wascht euch anschließend gründlich die Hände.
  • Und: Übergebt am Ende eure Kontaktdaten an die Rettungskräfte. Falls bei der oder dem Betroffenen eine Corona-Infektion vorliegt, könnt ihr im Nachhinein informiert werden.


Notruf 112: Wie hilft mir die Rettungsleitstelle?

Kommt ihr als Ersthelfer an einen Unfallort, müsst ihr die Situation nicht alleine durchstehen. Wählt ihr den Notruf, meldet sich die Rettungsleitstelle immer mit folgenden Worten: "Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst – Wo genau ist der Notfallort?" Ihr müsst euch vorab also überhaupt keine Gedanken machen und euch keine Antworten zurechtlegen. Wichtig ist, dass ihr sagt, wo genau etwas passiert ist. Alles Weitere erfragt sich die Rettungsleitstelle.

Sie führt euch auch die ganze Zeit durch die Situation und sagt euch genau, was ihr tun sollt. Seid ihr sehr aufgebracht oder panisch, beruhigt sie euch, erklärt Jan Helge Goralski, der als Leitstellendisponent in der Integrierten Leitstelle Westmecklenburg in Schwerin arbeitet.

Die Leitstelle schickt dann gegebenenfalls einen Rettungswagen oder Notarzt los. Dieser brauchte laut dem Deutschen Reanimationsregister im Jahr 2019 durchschnittlich 6.25 Minuten. In dieser Zeit seid ihr für die ersten Hilfsmaßnahmen verantwortlich, bei denen euch die Rettungsleitstelle per Telefon begleitet.

Müsst ihr jemanden wiederbeleben, kann euch der Leitstellendisponent laut Goralski per Telefon zum Beispiel einen Takt-Ton vorgeben, in dem ihr auf den Brustkorb der betroffenen Person drücken müsst. Dies ist allerdings nicht in jeder Leitstelle möglich. Außerdem kann euch die Rettungsleitstelle auch Unterstützung von ausgebildeten Rettungskräften schicken, die sich in ihrer Freizeit gerade zufällig in der Nähe befinden. Andere Leitstellen arbeiten zum Beispiel mit Apps wie "Meine Stadt rettet" zusammen, über die registrierte Erstretter aus der Nähe über euren Notfall informiert werden und euch so zur Hilfe kommen können.

Wichtig ist, dass ihr solange am Telefon bleibt, bis die Leitstelle keine weiteren Fragen mehr hat und das Gespräch von sich aus beendet.


Wieso ist es so wichtig, dass ich jemanden im Notfall reanimiere?

Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen, zu jeder Zeit. Der oder die Betroffene wird sofort bewusstlos und atmet nicht normal oder gar nicht mehr. Dann zählt jede Sekunde. Im Falle eines Herzstillstandes passiert nämlich Folgendes in unserem Körper:

Längst nicht alle Menschen greifen in einer solchen Situation ein und helfen. Im Jahr 2019 wurde nach Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters bei nur rund 40 Prozent aller Herzkreislaufstillstände in Deutschland eine Reanimation durch Laien begonnen.

Das ist laut Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zwar deutlich mehr als noch vor zehn Jahren, denn damals habe die Laienreanimationsquote in Deutschland bei 17 Prozent gelegen - im Vergleich dazu betrage die Laienreanimationsquote in Skandinavien jedoch an die 80 Prozent.


Wie leiste ich psychologische Erste Hilfe?

Ihr kennt jemanden, dem es nicht gut geht oder der vielleicht sogar Suizidgedanken hat? Nicht nur bei äußeren Verletzungen, sondern auch bei psychischen Problemen könnt ihr anderen Erste Hilfe leisten. Dafür solltet ihr darauf achten, ob sich das normale Verhalten, das äußere Erscheinungsbild oder die Äußerungen ("Mir wird das alles zu viel", "Ohne mich wäre alles besser") einer Person verändern, rät der Notfallsanitäter und Psychologe Florian Stoeck.

Zeigt sich jemand anders als sonst, solltet ihr die Person Stoeck zufolge am besten direkt ansprechen, fragen, was los ist, und euch nicht so schnell abwimmeln lassen. Hört dabei auch auf euer Bauchgefühl und holt euch Hilfe bei anderen Bezugspersonen der betroffenen Person oder bei entsprechenden Beratungsstellen.

Wenn ihr das Gefühl habt, die Person will sich etwas antun, solltet ihr unbedingt die Polizei oder den Rettungsdienst hinzuziehen. Diese können wiederum den Sozialpsychiatrischen Dienst verständigen.


Was ist, wenn ich als Ersthelfer mit dem Erlebten nicht klar komme?

Ihr habt noch Bilder von einem schlimmen Unfall, bei dem ihr Erste Hilfe geleistet habt, im Kopf? Laut dem Psychologen Florian Stoeck ist es ganz normal, dass der Körper etwas braucht, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Dabei könne es helfen, mit Freunden oder der Familie über das Erlebte zu sprechen.

In den allermeisten Fällen werde das Erlebte für den Ersthelfer kein Problem darstellen. Wenn Symptome auftreten, würden diese nach ein paar Tagen wieder nachlassen. Ist das nicht der Fall, solltet ihr euch laut Stoeck aber nicht scheuen, euch Hilfe und Unterstützung zu holen. Das können Freunde oder Familienmitglieder sein, mit denen ihr verstärkt über das Erlebte redet, oder aber auch die Notfallseelsorge, Kriseninterventionsteams oder Beratungsstellen.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Kuhlage und Hardeland - Die N-JOY Morningshow | 15.02.2021 | 05:00 Uhr

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