Stand: 17.06.2020 17:01 Uhr

Bevorzugt Instagram Bikini-Bilder?

Landen Bilder mit halbnackten Menschen häufiger in den Instagram-Feeds anderer User als Fotos von Essen, Natur und Co.? Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass der Algorithmus Bilder mit viel nackter Haut bevorzugt.

Fotos von Männern mit freiem Oberkörper oder Frauen, die sich im Bikini im Wasser räkeln oder halbnackt am Strand posieren, sind bei Instagram keine Seltenheit. Eine neue Studie des European Data Journalism Network und der gemeinnützigen Organisation Algorythmwatch legt jetzt nahe, dass genau solche Bilder häufiger an andere User ausgespielt werden als Fotos ohne nackte Haut - und kritisiert, dass User so unter Druck gesetzt würden, Haut zu zeigen.

Studie analysiert mehr als 2.400 Bilder

Für die Untersuchung wurden 26 Testpersonen gebeten, 37 Instagram-Influencern - 14 Männern und 23 Frauen - aus zwölf unterschiedlichen Ländern zu folgen. Über ein Browser-Add-On wurde dann in regelmäßigen Abständen analysiert, welche Postings in den Feeds der Testpersonen ganz oben angezeigt wurden. Dann wurde verglichen: Was haben die Influencer gepostet - und welche der geposteten Bilder wurden den Abonnenten angezeigt? Insgesamt haben die Forscher laut eigenen Angaben zwischen Februar und Mai etwa 2.400 Fotos analysiert.

Nackte Haut als Erfolgsgarant?

Das Ergebnis: Nur 21 Prozent der von den Influencern geteilten Fotos zeigten Frauen in Bikinis oder Männer mit nackten Oberkörpern - doch diese Bilder machten 30 Prozent der Bilder aus, die den Testpersonen angezeigt wurden. Die Influencer haben also nur auf jedem fünften Foto viel Haut gezeigt, trotzdem war jedes dritte Foto im Feed der Test-Follower eines mit wenig Kleidung.

Studie: Frauen in Bikinis häufiger im Feed als Männer mit nackten Oberkörpern

Laut den Forschern war die Wahrscheinlichkeit, dass im Feed Bikinibilder auftauchten, um 54 Prozent höher. Bei Bildern von Männern mit nacktem Oberkörper war die Wahrscheinlichkeit um 28 Prozent höher. Essens- oder Landschaftsbilder tauchten dagegen um 60 Prozent seltener im Feed der Testpersonen auf.

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Facebook kritisiert die Studie

Der Facebook-Konzern, zu dem Instagram gehört, nennt die Forschungsergebnisse fehlerhaft. Sie würden ein Missverständnis der Funktionsweise von Instagram zeigen. "Wir ordnen die Beiträge in Ihrem Feed nach dem Inhalt und den Konten, an denen Sie Interesse gezeigt haben, und nicht nach willkürlichen Faktoren wie dem Vorhandensein von Badebekleidung", so Facebook in einer Stellungnahme gegenüber den für die Untersuchung verantwortlichen Datenjournalisten.

Wie aussagekräftig ist die Studie?

Die Autoren der Studie geben zu, dass sie dieses Phänomen nicht bei allen Testpersonen festgestellt haben. Außerdem weisen sie darauf hin, dass sie die Funktionsweise des Instagram-Algorithmus nicht kennen. Daher sei es unmöglich, ihn vollständig zu durchblicken. Trotzdem halten sie an ihrer grundsätzlichen Aussage fest, dass der Instagram-Algorithmus Bilder mit nackter Haut zu bevorzugen scheint.

Instagram: Wie funktioniert der Algorithmus?

Seit 2016 sortiert Instagram die Bilder im Newsfeed so, dass Fotos, für die sich ein User am meisten interessieren könnte, eher im Feed erscheinen. Würde der Instagram-Algorithmus ausschließlich nach persönlichen Interessen sortieren, hätten die Feeds der User noch vielfältiger sein müssen, so die Forscher. Stattdessen sei aber eine deutliche Häufung bei Bildern mit viel nackter Haut zu sehen gewesen.

Daher vermuten die Forscher, dass Instagram den Feed nicht nur nach dem persönlichen Interesse der User sortiert, sondern auch Vorlieben aller Nutzer mit einfließen lässt. Das hätte zur Folge: Würde der Algorithmus erkennen, dass Bilder von leicht bekleideten Menschen fast immer zu deutlich mehr Interaktion führen, könnte er lernen, derartige Bilder zu bevorzugen und sie tendenziell häufiger ausspielen.

Inwiefern nackte Haut tatsächlich bevorzugt ausgespielt wird, weiß niemand sicher. Die Studie kann allerdings ein erster Anhaltspunkt sein, an dem es weiter zu forschen gilt.

 

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N-JOY | Der Graf | 17.06.2020 | 12:00 Uhr

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