Stand: 08.04.2020 08:47 Uhr

Coronavirus auf Obst und Gemüse? Das raten Experten

"Die Wahrscheinlichkeit, sich über Lebensmittel anzustecken, ist äußerst gering", sagt Niels Bandick vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Trotzdem solltet ihr auf einige Punkte achten.

Das neuartige Coronavirus wirft in unser aller Alltag täglich neue Fragen auf. Viele fühlen sich unsicher: Was können wir noch tun können, was sollten wir lassen? Was gibt es zu beachten, wenn wir draußen oder im Supermarkt unterwegs sind?

Immer wieder kommt dabei auch die Frage auf, wie es mit Lebensmitteln aussieht: Können wir uns zum Beispiel durch das Essen von Obst und Gemüse mit dem Coronavirus anstecken, weil jemand Infiziertes zum Beispiel in seine Hand gehustet und dann in den Gurkenkorb gefasst hat?

Infektion über Lebensmittel: "Man kann unbesorgt sein"

Dr. Niels Bandick ist Fachgruppenleiter für Lebensmittelhygiene und -Technologie, Warenketten und Produktschutz am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Er sieht in dieser Hinsicht keinen Grund zur Panik:

Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich über Lebensmittel ansteckt, ist äußerst gering. Es gibt keinerlei Erkenntnisse darüber, dass ein solcher Infektionsweg bislang stattgefunden hat. Insofern kann man unbesorgt sein. Dr. Niels Bandick (BfR) im N-JOY Interview

Völlig ausschließen können Bandick und andere Experten allerdings nicht, dass eine Infektion über Lebensmittel theoretisch möglich ist. Das Robert-Koch-Institut gibt zu bedenken, dass die Übertragungsmöglichkeiten über Oberflächen von vielen verschiedenen Faktoren abhängen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema fänden unter experimentellen Labor-Bedingungen statt und könnten nicht das realistische Übertragungsrisiko im Alltag widerspiegeln.

Coronavirus: Tröpfcheninfektion vs. Schmierinfektion

Trotzdem, da sind sich Experten einig, ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 per Schmierinfektion unwahrscheinlicher als eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch beim Sprechen, Niesen oder Husten (Tröpfcheninfektion). BfR-Experte Bandick erklärt dies so: "Wir müssen bedenken, dass für die Infektion und die Erkrankung eine bestimmte Infektionsdosis erforderlich ist. Wenn jemand auf eine Oberfläche gehustet hat und eine fremde Person anschließend hineingreift, haben wir immer einen Verdünnungseffekt."

Diesen Verdünnungseffekt gebe es auch noch einmal auf unserer Hand, bevor die Viren schließlich auf unsere Schleimhäute treffen. Bandicks Schlussfolgerung: "Die Konzentration des Virus ist bei der sogenannten Tröpfcheninfektion viel größer."

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Oberstes Gebot: Hände waschen - auch beim Kochen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verweist ebenfalls auf die Einschätzung und die Empfehlungen des BfR - und schreibt auf seiner Webseite: "Obwohl eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich ist, sollten beim Umgang mit diesen die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden."

Um das ohnehin geringe Risiko weiter zu verringern, rät Bandick, sich auch während des Kochens regelmäßig die Hände zu waschen. Außerdem sollten wir uns, nachdem wir verpackte oder unverpackte Produkte angefasst haben, nicht ins Gesicht fassen. "Dann hat man die größte Sicherheit", so der Experte. Wie in jeder Situation unseres aktuellen Alltags gilt also: Regelmäßiges Händewaschen ist das A und O - besonders, wenn wir potenziell kontaminierte Gegenstände angefasst haben.

Coronavirus: Gemüse kochen, Obst und Salat waschen

Noch sicherer können wir uns sein, wenn wir Gemüse vor dem Essen erhitzen. Während man davon ausgehen kann, dass Coronaviren bei Minustemperaturen gut überleben, würden Coronaviren absterben, wenn wir Lebensmittel normal durchgaren, so Bandick.

Mit 70 Grad Celsius für etwa zwei Minuten sind wir auf der sicheren Seite. Dr. Niels Bandick, BfR

Die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung teilt die Verbraucherzentrale Bayern. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schreibt: "Die Viren sind hitzeempfindlich. Das ohnehin sehr geringe Risiko können wir also weiter reduzieren, wenn Lebensmittel erhitzt werden".

Und wie sieht es mit frischem Salat und Obst aus? Produkte, die wir nicht kochen wollen oder können, sollten wir laut Bandick gründlich waschen - denn der Verdünnungseffekt senke die Dichte der Mikroorganismen: "Wir brauchen eine bestimmte Konzentration an Virus, damit wir krank werden. Und wenn wir waschen, verdünnen wir ganz gründlich. Wenn wir den Salat oder das Gemüse dann auch noch abtropfen oder trocknen lassen, haben wir anschließend eine so geringe Virusdichte auf den Oberflächen, dass wir damit als Menschen zurechtkommen."

 

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