Stand: 02.03.2017 13:20 Uhr

7 Gründe, warum arme Menschen früher sterben

Rund 12,9 Millionen Menschen in Deutschland leben unter der sogenannten Einkommensarmutsgrenze. Damit hat die Anzahl der Armen in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht. Wie viel Geld wir haben, beeinflusst auch unsere Gesundheit. Studien zeigen sogar: Arme Menschen sterben im Schnitt früher.

Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, gilt in Deutschland als arm. In konkreten Zahlen bedeutet das laut des Armutsberichts 2017: Singles ohne Kinder gelten bei einem Nettoeinkommen von weniger als 942 Euro als arm, Paare ohne Kinder bei einem Einkommen von weniger als 1.413 Euro. Bei alleinerziehenden Elternteilen mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle bei 1.223 Euro, bei Paaren mit einem Kind bei 1.696 Euro.

Die Armut nimmt zu - die Lebenserwartung ab

Der Armutsbericht und eine darin zitierte Studie des Robert-Koch-Instituts zeigen außerdem eine traurige Wahrheit: Reiche Menschen leben in Deutschland wesentlich länger als arme Menschen. Demnach sterben Männer, die als arm gelten, im Schnitt etwa zehn Jahre früher als wohlhabende Männer. Bei den Frauen liegt der Unterschied bei acht Jahren. Gerade Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Depressionen kommen in niedrigeren sozialen Schichten häufiger vor.

Der Armutsbericht deutet auch an, warum die Lebenserwartung und die Krankheitsrate zwischen Arm und Reich so auseinander driftet. Diese sieben Gründe können dafür verantwortlich sein, dass arme Menschen früher sterben als reiche:

1. Schlechtere Ernähung

Mehr Kalorien, mehr Fett, mehr Zucker: Der Armutsbericht stellt fest, dass sich ärmere Menschen unausgewogener ernähren. Ein Grund dafür könnte das fehlende Geld sein: Natürlich ist es teurer, jeden Tag einen frischen Salat zu essen als sich ein Fertiggericht vom Discounter in den Backofen zu schieben.

 

2. Weniger Bewegung

Reiche Menschen treiben laut des Armutsberichts häufiger Sport als arme. Zwar sind ärmere Menschen in ihrem Arbeitsalltag oft körperlich aktiver als reichere Menschen - doch dass die höhere Alltagsbelastung von schlechter verdienenden Menschen gut für die Gesundheit ist, ist ein Trugschluss, ...

 

3. Schlechtere Arbeitsbedingungen

... denn körperlich anstrengende Jobs führen, dem Armutsbericht zufolge, oftmals zu "körperlicher Überbeanspruchung und Fehlbelastung", die Einfluss auf die Gesundheit haben können.

 

4. Mehr Zigaretten

Rauchen ist unter ärmeren Menschen deutlich stärker verbreitet. Obwohl das Rauchen in den vergangenen Jahren in allen sozialen Gruppen zurückgegangen ist, ist dieser Unterschied zwischen ärmeren und reicheren Leuten geblieben.

 

5. Mehr psychischer Druck

Der Armusbericht zeigt: Vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien leiden häufiger unter psychischen Auffälligkeiten. Verhaltensprobleme, emotionale Probleme oder Aufmerksamkeitsstörungen treten hier öfter auf, genauso wie Essstörungen, Fettleibigkeit und körperliche Inaktivität.

 

6. Weniger medizinische Versorgung und Vorsorge

Der Bericht deutet auch an, dass die zunehmende Kostenbeteiligung an Medikamenten und Vorsorge-Untersuchungen in der Erklärung der unterschiedlichen Lebenserwartungen eine Rolle spielt. Viele Untersuchungen, Medikamente sowie Krankenhausaufenthalte müssen mittlerweile komplett oder zumindest anteilig selbst bezahlt werden. Jeder von uns kann sich vorstellen: Wenn das Geld knapp ist, wird es nach Möglichkeit lieber woanders eingesetzt.

 

7. Schlechte Wohnverhältnisse

Der Armutsbericht zeigt auf, dass vor allem obdachlose Menschen, die auf der Straße, in Zelten oder in Abrisshäusern leben, gesundheitlich bedroht sind - zum Beispiel durch Kälte und Gewalt. Sicherlich wirkt sich das Wohnen in günstigen, aber beispielsweise von Schimmel betroffenen Wohnungen auch nicht positiv auf die Gesundheit aus.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 02.03.2017 | 13:50 Uhr

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