Stand: 28.08.2020 16:18 Uhr

Corona-Gästelisten: Was passiert mit unseren Daten?

Wer ins Restaurant oder in eine Bar geht, muss momentan seine Kontaktdaten hinterlassen. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass ein Gast oder Angestellter infiziert ist, soll mit Hilfe der Kontaktdaten nachverfolgt werden, wer sich angesteckt haben könnte. Doch was passiert mit unseren persönlichen Daten?

Das, was eigentlich nicht passieren sollte, ist passiert: Durch mehrere Sicherheitslücken in den Systemen eines großen deutschen Anbieters für Gastronomie-Software waren Millionen persönliche Daten im Internet abrufbar - darunter Reservierungseinträge, aber auch digitale Corona-Kontaktverfolgungsformulare. Mittlerweile ist der Fehler behoben.

Doch auch, wer seine Daten handschriftlich zu Papier bringt und sie abgibt, kann nicht immer überblicken, wer die Daten zu welchen Zwecken nutzt. So haben sich bereits im Juli mehrere Frauen bei der schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten gemeldet, dass sie nach Restaurantbesuchen SMS von fremden Männern bekommen hätten. Auch die Nutzung von Corona-Gästelisten für polizeiliche Ermittlungen wurde heftig diskutiert.

Immer wieder stellt sich also die grundsätzliche Frage: Was darf mit den Daten passieren, die wir über Corona-Gästelisten oder elektronsiche Registrierungen hinterlassen? Ein Überblick.

Was darf das Restaurant mit unseren Kontaktdaten machen?

In den Corona-Schutzverordnungen der jeweiligen Bundesländer ist die Kontaktdaten-Erhebung klar geregelt. Restaurants, Kneipen und Bars müssen nach Zeit und Datum des Besuchs, dem vollen Namen, der Adresse und nach der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ihrer Gäste fragen. Diese Daten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.

Sind öffentlich einsehbare Listen erlaubt?

Nein. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftrage Marit Hansen erklärte auf Anfrage des NDR, dass Listen, auf denen offen ersichtlich sei, wer sich noch im Lokal befindet, nicht zulässig seien. In der Verordnung stehe, dass Dritte nicht drankommen dürfen. "Deshalb empfehlen wir Einzelformulare, wo jeder nur sich selbst oder seinen Haushalt einträgt", so Hansen.

Muss ich mich in eine öffentliche Liste eintragen?

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät klar davon ab, sich in solche Listen einzutragen - insbesondere, wenn sie offen im Restaurant herumliegen. Eine Sprecherin erklärt auf N-JOY-Anfrage, es sei ratsam, mit dem Restaurantbetreiber darüber zu sprechen. Ein weiterer Tipp: Habt selbst einen kleinen Zettel dabei, um eure Daten separat zu übergeben.

Wie lange dürfen meine Daten aufbewahrt werden?

Die Daten müssen laut dem niedersächsischen Landesdatenschutzbeauftragten drei Wochen in einem abschließbaren Schrank oder in einem Raum ohne Publikumsverkehr aufbewahrt werden.

In der Regel müssen die Daten dann nach vier Wochen - in Niedersachsen offiziell nach einem Monat - gelöscht beziehungsweise geschreddert werden. So ist es in den Corona-Schutzverordnungen der Länder geregelt.

Wer hat Zugriff auf meine Daten?

Neben den Gaststätten dürfen öffentliche Behörden, wie zum Beispiel das Gesundheitsamt, die Daten einsehen. Das Ordnungsamt kontrolliert, ob sich die Bars und Restaurants an die Verordnung halten und die Kontaktdaten einholen.

Auch die Polizei hat in der Vergangenheit bereits auf Kontaktdaten zurückgegriffen. Die Gewerkschaft der Polizei sagte nach Kritik des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), es sei sehr wohl legitim, in Einzelfällen Gästelisten auszuwerten, um Straftaten aufzuklären. Mehr zu der Diskussion erfahrt ihr hier.

Was mache ich, wenn ich den Verdacht habe, dass meine Daten weitergegeben wurden?

Sollte es Schwierigkeiten mit öffentlichen Listen oder mit dem Schutz der eigenen Daten geben, sollten wir den Vorfall laut der Verbraucherzentrale Hamburg der oder dem Datenschutzbeauftragten des Bundeslandes melden, damit die Sache behördlich verfolgt und bei Wiederholung ein Bußgeld verhängt werden kann.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 28.08.2020 | 12:00 Uhr

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