Stand: 04.06.2020 12:30 Uhr

Coronavirus: Wann ein Antikörpertest sinnvoll sein kann

Besteht der Verdacht, dass ihr schon Corona hattet, könnt ihr dies testen lassen. Hausärzte können Labor-Bluttests seit Kurzem über die Krankenkasse abrechnen - unter bestimmten Voraussetzungen.

"Bestimmt hatte ich schon Corona" - diesen Satz, dass unser Körper das Ganze vielleicht unbemerkt überstanden hat, hören wir im Moment oft. Das liegt auch daran, dass die Symptome und die Härte einer Covid-19-Erkrankung von Person zu Person ganz unterschiedlich ausfallen können. Wie viele Infektionen in Deutschland wirklich unerkannt bleiben, ist allerdings unklar.

Hatte ich Corona? Ein Labor-Antikörpertest kann Aufschluss geben

Ob tatsächlich eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliegt, kann nur ein Test zeigen. Aktive Infektionen - also wenn sich das Virus gerade im Körper vermehrt - können mit Hilfe eines sogenannten PCR-Tests untersucht werden. Dafür wird ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum genommen. Im Labor wird dann untersucht, ob der Abstrich das Erbgut des Virus enthält.

Haben Patienten die Infektion - eventuell auch unbemerkt - bereits überstanden, funktioniert der Nachweis über einen PCR-Test allerdings nicht mehr. Bei milden Krankheitsverläufen kann dies bereits ab der zweiten Woche nach Eintritt der Symptome der Fall sein, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Ist das Virus in Hals, Lunge und auch im Stuhl nicht mehr nachweisbar, kann einige Zeit nach der überstandenen Infektion eine Blutuntersuchung Aufschluss darüber geben, ob das Virus schon in unserem Körper aktiv war. Denn: Dringt ein Krankheitserreger in unseren Körper ein, bildet unser Immunsystem Antikörper, um den Eindringling zu bekämpfen.

Antikörpertests: Nutzen und Nachteile

Bei dieser Testmethode handelt es sich um einen indirekten Erregernachweis - Antikörpertests suchen nach Anzeichen einer überstandenen Infektion im Blut. Diese Tests haben aber mehrere Nachteile:

  • Der Coronavirus-Antikörpertest funktioniert erst zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung, denn erst dann hat der Körper Antikörper gebildet. Eine akute Infektion können Antikörpertests nicht nachweisen.
  • Die Zuverlässigkeit von Antikörpertests ist unklar und wird derzeit noch untersucht. Falls ein Test fälschlicherweise ein positives Ergebnis anzeigen würden, wäre das fatal und könnte zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen: Die betroffenen Personen könnten denken, sie seien für eine gewisse Zeit immun gegen das Virus.

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Kostenübernahme: Antikörpertests sind jetzt Kassenleistung

Für den Test wird dem Patienten im Abstand von sieben bis 14 Tagen zweimal Blut abgenommen. Die zweite Probe sollte dabei nicht vor der dritten Woche nach Eintritt der Symptome entnommen werden.

Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklärt, können diese Labor-Tests auch über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Das heißt: Euer Hausarzt gibt die Kosten an die Kasse weiter, nicht an euch.

"In Fällen, in denen Symptome vorhanden waren, kann man einen Test machen", erklärt Tanja Hinzmann von der KBV. Allerdings bedeutet das nicht, dass jeder nun aus reinem Interesse einen Test machen lassen kann. Am Ende entscheide der Hausarzt, ob ein Antikörpertest sinnvoll ist: "Das muss medizinisch indiziert sein", so Hinzmann. Ein Test ohne Symptome, beispielsweise zur Prüfung einer Immunität, solle nicht durchgeführt werden, so der KBV.

Warnung vor Schnelltests aus dem Internet

Von der Krankenkasse übernommen werden nur Tests, die über Ärzte und Labore laufen - keine Schnelltests, wie man sie etwa im Internet kaufen kann. Vor diesen Schnelltests warnen Experten ohnehin - da deren Zuverlässigkeit nicht überprüft worden sei.

Habt ihr den Verdacht, dass ihr Covid-19 vielleicht schon hattet, seid ihr bei eurem Hausarzt oder eurer Hausärztin am besten aufgehoben. Er oder sie kann dann entscheiden, ob ein nachträglicher Antikörpertest in eurem Falle sinnvoll ist.

 

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