Stand: 24.09.2019 14:18 Uhr

Dick Pics: "Eine Grenzüberschreitung und Machtdemonstration"

Ungefragt ein Bild von einem Penis zu bekommen, ist meist eine eklige Erfahrung. Eine Psychologin und eine Anwältin erklären, warum manche Männer das machen - und wie die Empfänger reagieren können.

Ihr erwartet nichts Böses, öffnet eine eingehende Nachricht auf WhatsApp, Tinder oder Facebook - und zack, springt euch das Bild von einem Penis ins Gesicht. Ein Bild, nach dem ihr definitiv nicht gefragt habt. Vielen Frauen und sicherlich auch einigen Männern ist das schon passiert. In Rostock hat nun (24. September 2019) der Prozess gegen einen Mann begonnen, der einer Frau ungefragt ein Penisbild zugeschickt hat.

Kein Einzelfall, wie eine Studie zeigt: Demnach haben insgesamt 46 Prozent der Frauen in Großbritannien schon mal ein solches "Dick Pic" geschickt bekommen. Der allergrößte Teil - insgesamt 41 Prozent - hat das Bild ungefragt erhalten. Für die Umfrage haben die Forscher 2.121 Frauen und 1.738 Männer im Alter zwischen 18 und 36 befragt.

Penisbilder als Machtdemonstration

In den meisten Fällen ist es für Frauen weder witzig noch erregend, sondern einfach nur eklig, sich ungefragt Bilder von männlichen Geschlechtsteilen anschauen zu müssen. Aber warum verschicken manche Männer diese Bilder dann? Die Psychologin Sarah Danielewski erklärt im N-JOY Interview, dass die Wehrlosigkeit der Empfängerin durchaus eine Rolle spielt:

Die Täter genießen es, ihren Willen durchzusetzen, zu erschrecken und zu demütigen. Das unvermittelte Versenden eines Penisbildes ist eine Grenzüberschreitung und eine Demonstration von Macht. Sarah Danielewski, Psychologin aus Hamburg

Ihrer Meinung nach müssten wir mit dieser Grenzüberschreitung viel härter umgehen. "Digitale Gewalt wird oft bagatellisiert. Bei Exhibitionismus im analogen Raum käme zum Beispiel niemals die Frage auf, ob es sich hier um eine widerliche Straftat handelt", erklärt Danielewski. Dies sei bei digitalen Angriffen leider oft anders, was sich im Anzeigeverhalten der Frauen, in der Intensität der Ermittlungen und auch in der Verurteilungsquote zeige.

Penisbilder können rechtliche Konsequenzen haben

Dabei kann es durchaus strafbar sein, ohne das Einverständnis der Empfängerin ein Penisbild zu verschicken: Paragraph 184, Strafgesetzbuch - Verbreitung pornografischer Schriften.

Alexandra Braun, Anwältin für Sexualstrafrecht aus Hamburg, hat schon mal einen Beschuldigten verteidigt - und verloren. "Er hat eine Strafe in Höhe eines Monatsgehalts bekommen - also 30 Tagessätze", erklärt sie. Je nach Verdienst kann das finanziell schmerzen. Außerdem gebe es einen Eintrag im Bundeszentralregister.

Wie Opfer sich wehren können

Anzeige zu erstatten, ist also durchaus ein Mittel, das zum Erfolg führen kann. Empfänger sollten sowohl das Foto als auch den Chatverlauf und die Telefonnummer des Absenders aufbewahren und der Polizei vorlegen. Sollte eine Anzeige nicht in Frage kommen, gibt es laut Sarah Danielewski noch andere Möglichkeiten:

Es kann natürlich ein Weg sein, den Täter auszulachen. Man kann ihn darauf hinweisen, dass es eine Straftat ist. Sie können den Kontakt blockieren oder den Täter beim Betreiber melden. Sarah Danielewski, Psychologin, im N-JOY Interview

Wichtig ist: Tatenlos hingenommen müssen und sollten solche nicht abgesprochenen sexuellen Handlungen niemals.

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Anne Raddatz | 14.06.2019 | 09:00 Uhr

N-JOY
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