Stand: 10.09.2021 16:42 Uhr

Die kuriosesten wissenschaftlichen Studien

Jedes Jahr werden beim "Ig-Nobelpreis" an der Elite-Universität Harvard die kuriosesten Studien gekürt. Das sind unsere Favoriten der vergangenen Jahre!

Kurios, kurioser, kaum zu glauben: Auch in diesem Jahr wurden in den USA zehn wissenschaftliche Projekte mit dem "Ig-Nobelpreis" ausgezeichnet. "Ig-Nobel" ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort "ignoble", was soviel bedeutet wie "unehrenhaft". Mittlerweile ist eine Auszeichnung für Wissenschaftler aber nicht mehr zwingend eine Schmach. Laut der Veranstalter soll die Verleihung "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren".

Und fantasievoll sind die ausgezeichneten wissenschaftlichen Projekte auf jeden Fall! Nicht nur die Forschungsergebnisse bringen uns zum Schmunzeln - teils sind allein die Fragestellungen so kurios, dass wir anerkennend feststellen müssen: Darauf muss man erst mal kommen!

Hier ein kleines Best-of der kuriosesten wissenschaftlichen Studien, die in diesem und in den vergangenen Jahren mit dem "Ig-Nobelpreis" ausgezeichnet wurden:

Studie: Sex macht die Nase frei

Eure Nase ist verstopft? Dann probiert es doch mal mit Sex! Das mag seltsam klingen, ist aber tatsächlich wissenschaftlich bewiesen: Ein Orgasmus hilft einer Studie zufolge genauso effektiv dabei, die Nasenatmung zu verbesseren, wie abschwellende Medikamente - zumindest kurzfristig. Für bis zu 60 Minuten nach dem Höhepunkt konnten Patienten mit verstopften Nasen der Untersuchung zufolge ebenso gut atmen wie Patienten, die ein Spray benutzt hatten.

Für diese Erkenntnis hat das Forscher-Team aus Deutschland, Großbritannien und der Türkei nun den "Ig-Nobelpreis" 2021 in der Kategorie "Medizin" bekommen. Wer auf Dauer eine freie Nase haben möchte, muss sich allerdings ganz schön ins Zeug legen: Einige Stunden nach dem Sex soll die abschwellende Wirkung wieder verflogen sein.


Studie: Bärte schützen vor Faustschlägen

Der Preisträger 2021 in der Kategorie "Frieden": Forschende der Universität Utah (USA) haben die Hypothese überprüft, dass Bärte in der Entwicklung des Menschen entstanden sind, um sich vor Faustschlägen ins Gesicht zu schützen.

Ihre Theorie: Menschen mit einem Bart trifft ein Schlag ins Gesicht nicht so hart wie Menschen ohne Bart. Und tatsächlich: Die Forschenden haben herausgefunden, dass pelzige Probekörper mehr Energie absorbieren können, Bärte also als Stoßdämpfer wirken und damit wichtige Bereiche wie Kiefer und Hals vor gefährlichen Angriffen schützen können. Für die Studie haben sich die Forschenden übrigens nicht gegenseitig verprügelt - sie haben Schädel aus Kunstharz mit unterschiedlich dichter Schafshaut überzogen und anschließend Gewichte auf den nachgebauten Schädel fallen lassen.


Studie: Angst im Kino kann man riechen

Kann eine chemische Analyse der Luft im Kinosaal helfen, um den Grad von Gewalt, Sex und anderen nicht jugendfreien Inhalten zu bestimmen und so die richtige Altersfreigabe zu finden? Diese Frage haben sich Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Neuseeland, Griechenland, Zypern und Österreich in einer Studie gestellt - und dafür den "Ig-Nobelpreis" 2021 in der Kategorie "Chemie" gewonnen.

Dass wir über unseren Atem und die Haut Stoffe aussenden, die unter anderem auch von unserem emotionalen Zustand abhängen, ist bewiesen. 2018 hat das Forscher-Team herausgefunden, dass man die Emotionen des Publikums tatsächlich an der Raumluft in Kinosälen ablesen kann. Besonders gut geeignet, um spannende Film-Momente zu ermitteln, sei der Nachweis der Chemikalie Isopren in der Luft. Ob die Erkenntnisse hierzulande einen Einfluss auf die Alterseinstufungen von Filmen haben werden, bleibt allerdings abzuwarten.


Studie: Hass auf Geräusche als Krankheit

Eine Studie, die gar nicht so kurios ist, wie sie auf den ersten Blick scheint: Falls es euch wahnsinnig macht, wenn andere Menschen Kau- und Schmatzgeräusche von sich geben, seid ihr damit nicht allein. Für die Verzweiflung, die das hervorruft, gibt es sogar einen Begriff: "Misophonie".

Für die Diagnose dieses bisher nicht anerkannten medizinischen Befunds bekamen Forschende aus Belgien und den Niederlanden den "Ig-Nobelpreis" 2020. In der Studie wurden 42 Patientinnen und Patienten, die über Misophonie klagten, von einem Psychiater interviewt und untersucht. Das Ergebnis: Die Teilnehmenden zeigten ein ähnliches Symptommuster, bei dem ein akustischer Reiz sofort eine körperliche Reaktion mit Wut, Ekel und Aggression auslöste. Die Studienautoren sprechen von einem "intensiven Leiden". In einer späteren Studie wurde außerdem gezeigt, dass Misophonie behandelbar ist.

 

Studie: Pizza schützt vor Krankheiten

Darauf haben Pizza-Liebhaber gewartet: Wer Pizza isst, kann sich damit gegen Krankheiten wappnen. Das sagt zumindest eine Studie, an der neben niederländischen auch - Überraschung - italienische Forschende beteiligt waren.

2019 gab es dafür den "Ig-Nobelpreis" in der Kategorie "Medizin". Der Studie nach könnte Pizza vor allem Krebs vorbeugen: Regelmäßige Pizzaesser hätten ein geringeres Risiko, beispielsweise an Krebs der Speiseröhre, der Mundhöhle oder des Kehlkopfes zu erkranken.

An der Studie haben mehr als 8.000 Menschen teilgenommen. Diejenigen, die zweimal in der Woche eine Pizza gegessen haben, sollen zu 59 Prozent seltener an Speiseröhrenkrebs und zu 26 Prozent seltener an Darmkrebs erkrankt sein. Zu verdanken haben wir dies, so der Forscher Dr. Silvano Gallus, vermutlich der Tomatensauce, die die Bildung von Tumoren verhindern soll.

 

Studie: Achterbahnfahrten können gegen Nierensteine helfen

Weil es so spannend ist, hier noch ein Preisträger aus der Kategorie "Medizin" - diesmal aus dem Jahr 2018. Die ausgezeichnete Studie soll entstanden sein, nachdem ein Mann einem Arzt berichtet hat, dass er nach einer Achterbahnfahrt einen Nierenstein ausgeschieden hat - und nach der zweiten und dritten Fahrt noch einen zweiten und dritten Nierenstein.

US-Forschende haben dies wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Ja, Achterbahnen können gegen Nierensteine helfen!

 

Studie: Im Rückwärtsgang verschütten wir weniger Kaffee

Ihr seid echte Tollpatsche und verschüttet gerne mal euren Kaffee? Vielleicht hilft euch dieser Trick, den ein US-Amerikaner im Rahmen einer Physik-Arbeit erarbeitet hat: Den Becher von oben festhalten, geradeaus schauen und dabei rückwärts laufen!

Für die Arbeit gab es 2017 den "Ig-Nobelpreis" - wir können es kaum erwarten, den Trick auszuprobieren.

 

Studie: Nach links gebeugt wird der Eiffelturm kleiner eingeschätzt

Und zum Schluss noch ein Schmuckstück aus der Kategorie "Psychologie": Ein Forscher-Team hat herausgefunden, dass Schätzwerte kleiner ausfallen, wenn wir uns bei unserer Antwort nach links lehnen.

Um diesen Zusammenhang zwischen der Körperhaltung und einer Tendenz zum Unterschätzen von Mengen und Größen zu beweisen, haben die Forschenden 91 Freiwillige auf ein Balance-Board gestellt. Anschließend wurden sie einem Schätz-Test unterzogen, in dem Längen, Höhen und andere Größen abgefragt wurden. Wurde der Schwerpunkt des Boards ohne das Wissen der Probanden verändert, wurde zum Beispiel die Höhe des Eiffelturms oder auch die Anzahl der Enkelkinder von Königin Beatrix deutlich anders eingeschätzt.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | N-JOY mit Susan Hammann | 07.01.2020 | 09:00 Uhr

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