Stand: 13.08.2018 14:24 Uhr

Eine App gegen 8 Millionen Tonnen Plastik im Meer

Kaum zu glauben: Jedes Jahr werden weltweit 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen hergestellt. 32 Prozent landen davon unkontrolliert in der Umwelt. Ein kleiner Verein aus St. Peter-Ording möchte mit einer simplen App dem Konsumenten eine Stimme geben und ein Zeichen gegen Plastikverpackungen setzen.

Plastik sammeln? Für viele ist das längst ein gängiges Hobby. Für die Mitglieder des Vereins "Küste gegen Plastik" ist es mittlerweile allerdings so was wie Berufung geworden. Fast wöchentlich laufen sie die Strände und Salzwiesen an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins auf und ab. Und fast jedes Mal werden sie dort auch fündig: Angespülte Plastikflaschen, Kanister und Verpackungen aller Art liegen in Massen fernab der gesäuberten Touristen-Strände. Fleißiges Sammeln hilft jedoch nur kurzzeitig. Schon wenige Tage nachdem die Vereinsmitglieder mit Müllsäcken bepackt vom Strand abgerückt sind, sieht es dort schon wieder aus, als wenn niemals jemand Plastik gesammelt hätte.

Das Problem lässt sich nicht lösen, wenn man Plastik am Deich sammelt und in Säcke packt. Jennifer Timrott - Gründerin von "Küste gegen Plastik"

In Supermärkten dominieren Plastikverpackungen

Die Gründerin des Vereins "Küste gegen Plastik", Jennifer Timrott, will es deswegen nicht beim Aufräumen belassen. Ihr Ziel: Der zukünftige Plastikmüll soll gar nicht erst produziert werden.

Das Internet ist voll mit traurigen Videos über die Folgen von Plastikverschmutzung - gleichzeitig sind die Supermarktregale erschreckend leer, wenn man sich alle Produkte mit Plastikverpackung mal für einen Augenblick wegdenkt.

Unnötige Plastikverpackungen per App melden

Um die Supermarktregale von unnötigen Plastikverpackungen zu befreien, entwickelt der Verein 2017 eine App. Sie heißt "Replace Plastic" und mit ihr kann der Kunde dem Hersteller mitteilen, dass er sich sein Produkt in einer Verpackung ohne Plastik wünscht.  Dafür muss man in der App lediglich den Barcode des gewünschten Produktes scannen. Dadurch geht eine Meldung in die Datenbank des Vereins ein. Sobald ein Produkt 20 Mal von verschiedenen Kunden gescannt wurde, sendet der Verein eine E-Mail an den Hersteller raus. In ihr wird erklärt, was eine Umstellung  in der Produktion bewirken kann. Weit über 5.000 E-Mails konnten so schon verschickt werden.

Man muss einen Sog erzeugen, der andere Hersteller dazu drängt, auf Plastik zu verzichten Jennifer Timrott

"Replace Plastic" bringt Hersteller zum Umdenken

Rund 52.000 Produkte wurden schon gescannt. Und einen ersten Erfolg konnte der Verein auch vor Kurzem feiern. Ein Getränke-Hersteller aus Eckernförde will zukünftig auf Plastik in seinen Verpackungen verzichten. Er hatte im Februar 2018 Feedback über die App bekommen. Pro Jahr werden so 2.000 Kilogramm Folienkunststoffe vermieden.

Dass das nur ein kleiner Etappensieg gegen die Plastikflut ist, weiß Jennifer Timrott. Trotzdem hofft sie, dass immer mehr Unternehmen auf den Zug der plastikfreien Produktion aufspringen. Ihre Theorie: Wenn erst einmal kleine Hersteller anfangen, den Wünschen der Kunden nachzugehen, müssen auch die Großen nachziehen. Deswegen lädt der Verein auch immer wieder größere Unternehmen an den Strand ein, um zu zeigen, dass sich schleunigst etwas verändern muss.

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Auch an anderen Stränden macht sich das Plastikmüllproblem immer bemerkbarer:

Ein Gruppe sammelt Plastikmüll am Strand der Insel Minsener Oog.

Kampf dem Müll: Sammelaktion auf Minsener Oog

Hallo Niedersachsen -

Plastikmüll wird im Nationalpark Wattenmeer immer mehr zum Problem, auch auf der Vogelinsel Minsener Oog. Wassersportler der Seglervereinigung Soltwaters haben dort nun aufgeräumt.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der N-JOY Nachmittag mit Nina und dem Haacke | 13.08.2018 | 15:00 Uhr

N-JOY
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