Stand: 12.03.2018 15:31 Uhr

Geschenktes Geld? Vorsicht bei "Minuszins-Krediten"!

Verschiedene Onlineportale locken mit Krediten, bei denen ihr weniger Geld zurückzahlen müsst als ihr euch geliehen habt. Das Angebot klingt verlockend - doch die Verbraucherzentrale warnt: Sich darauf einzulassen, kann nach hinten losgehen.

Stellt euch vor, jemand bietet an, euch 1.000 Euro zu leihen, ohne dass ihr Zinsen zahlen müsst - im Gegenteil: Ihr müsst nur 950 Euro zurückzahlen.

Das klingt nach einem tollen Deal - schließlich werden euch 50 Euro "geschenkt". Mehrere Onlineportale werben gerade mit diesen sogenannten Minuszinskrediten. Doch solch ein Deal kann viele Stolperfallen bereithalten.

Verbraucherzentrale: "Das Ganze hat gravierende Nachteile"

Zum Einen können solche vermeintlich unschlagbaren Angebote dazu führen, dass ihr euch Geld leiht, das ihr eigentlich gar nicht braucht, und am Ende auf einem Berg Schulden sitzt.

Zum Anderen ist es immer sinnvoll, die genauen Bedingungen unter die Lupe zu nehmen und die Intention der Portale und Banken zu hinterfragen. Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt im N-JOY Interview davor, solch einen Kredit nur abzuschließen, weil es gerade billig ist.

Diese Fallen lauern bei vielen Minuszins-Angeboten im Netz:

 

Minuszins gilt oft nur für "flüssige" Menschen

Aktionskredite zu so verlockenden Konditionen werden laut der Verbraucherzentrale meist nur an Menschen vergeben, die ohnehin Geld haben und bei denen der Vermittler beziehungsweise die Bank mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass das Geld auch zurückgezahlt wird.

Das verstärkt den Anreiz, sich grundlos Geld zu leihen - hilft aber niemandem, der beispielsweise seinen Dispo oder einen anderen Kredit ausgleichen möchte. Denn für Menschen, die schon Schulden oder ein relativ leeres Konto haben, gelten meist deutlich schlechtere Konditionen.

Onlineportale und Banken sammeln Daten

Egal ob ihr den Kredit am Ende bekommt oder nicht - schon bei der Antragstellung müsst ihr eine Menge von euch preisgeben. Der Experte warnt: Was mit diesen Daten passiert, ist nicht klar.

Gerade wenn ich ein Darlehen nicht bei einer einzelnen Bank, sondern bei einem (Online-) Vermittler beantrage, muss ich davon ausgehen, dass meine Daten - Name, Anschrift, Einkommen, Arbeitgeber - an alle möglichen angeschlossenen Unternehmen weitergegeben werden, die bei diesem Vermittler gelistet sind. Michael Herte, Verbraucherzentrale Schweswig-Holstein

Im schlimmsten Falle könnten mehrere hundert Unternehmen eure Daten bekommen, meint Herte. "Faktisch bezahle ich mit meinen Daten und werde möglicherweise mit Werbung belästigt."

Aktionskredite dienen der Kundenakquise

Die Vermittlungsportale und Banken vergeben günstige Kredite nicht, weil sie euch etwas Gutes tun wollen oder Geld zu verschenken haben. Sie verfolgen damit natürlich Ziele.

Die Aktionskredite sind ein Marketingtool: Einerseits lernen die Unternehmen euch durch eure Daten besser kennen. Andererseits wollen sie mit solchen Angeboten Kunden werben, die später vielleicht einen höheren Kredit zu deutlich "teureren" Konditionen abschließen.

Darlehen: Die Schufa sieht alles

Die Wirtschaftsauskunftei Schufa sammelt Daten über eure Bonität. Personen oder Unternehmen wie zum Beispiel Vermieter, Banken oder Onlineshopping-Portale können dann bei der Schufa anfragen, wie flüssig ihr seid und wie viele Schulden ihr habt. Nehmt ihr einen Kredit auf, geht das in eure Schufa-Bewertung ein - und sei das Darlehen noch so klein.

Die mögliche Folge: Ihr steht nicht nur bei eurem nächsten Vermieter schlechter da - eine schlechte Schufa-Bewertung kann auch dazu führen, dass ihr in einem richtigen Ernstfall kein Geld mehr von einer Bank bekommt.

Verbraucherschützer: "Bitte keinen Kredit abschließen, nur weil er billig ist"

Der Verbraucherschützer Michael Herte findet klare Worte zu den Minuszins-Krediten:

Man sollte ein Darlehen nur aufnehmen, wenn man tatsächlich gerade dringend Geld braucht und diese Ausgabe sich nicht verschieben lässt. Man sollte keinen Darlehensvertrag abschließen, nur weil das Angebot gerade günstig ist. Michael Herte, Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein

1.000 Euro seien schnell ausgegeben - und dann sei es oft gar nicht der Zins, der wehtue, sondern die Pflicht, über Jahre hinweg Raten zurückzuzahlen.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Der Graf | 12.03.2018 | 12:00 Uhr

N-JOY
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