Stand: 07.11.2021 05:00 Uhr

Stadt oder Land - wo soll ich leben?

Wohnraum, Freizeitangebote, Verkehr und mehr - das Leben in der Stadt und auf dem Land unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Wo wir am glücklichsten werden, ist dabei sicherlich auch abhängig davon, was uns wichtig ist. Zur ARD Themenwoche "Stadt.Land.Wandel": Vor- und Nachteile des Stadt- und Dorflebens

Seit einigen Jahren ziehen immer mehr Menschen von der Stadt in die Vororte. Und die Landsehnsucht scheint ungebrochen: Eine Studie aus Februar 2020 zeigt, dass 61 Prozent aller Menschen in Deutschland unabhängig von ihrem jetzigen Wohnort lieber auf dem Dorf leben würden. Weitere Forschungen legen nahe, dass sich dieser Wunsch bei einigen durch die Corona-Pandemie sogar noch verstärkt hat.

Doch wie finden wir raus, wo wir dauerhaft leben möchten? Wer das Gefühl hat, den perfekten Lebensmittelpunkt noch nicht gefunden zu haben, kann sich schnell überfordert fühlen: Großstadt, Kleinstadt, mittendrin oder am Stadtrand - oder vielleicht doch auf dem Dorf? Die Möglichkeiten sind vielfältig.

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ARD-Themenwoche 2021 "Stadt.Land.Wandel" im NDR

Wie können wir das Leben in Stadt und Land attraktiv gestalten? Die ARD-Themenwoche vom 7. bis 13. November 2021 im NDR. mehr

Eine kleine Entscheidungshilfe kann sein, sich unterschiedliche Aspekte des Alltags in Bezug auf das Leben in der Stadt und auf dem Land genauer anzuschauen. Je nachdem, was euch besonders wichtig ist, könnt ihr den konkreten Ort, den ihr zum Leben ins Auge gefasst habt, auf diese Punkte hin einmal genau unter die Lupe nehmen.

Einkaufsmöglichkeiten und weitere Infrastruktur

Seid ihr eher der Typ "Wocheneinkauf" oder eher der Typ "Mal schnell eine Kleinigkeit kaufen gehen"? Je nachdem, wie sehr es euch stört, wenn der nächste Supermarkt nicht direkt um die Ecke ist, solltet ihr euch eure neue Umgebung genauer anschauen - direkt vor Ort oder auch über einen Kartendienst.

Bedenkt dabei auch, wie wichtig es euch ist, dass es in der Nähe Ärzte, Apotheken, Bank- und Postfilialen und ähnliche Geschäfte des mehr oder weniger täglichen Bedarfs gibt. Wer vorhat, irgendwann eine Familie zu gründen, sollte auch vorausschauend planen: Gibt es in der Nähe Schulen, Kindergärten und Spielplätze?

Mobilität in der Stadt und auf dem Land

Komme ich gut von A nach B? Das ist für viele sicherlich entscheidend - und vor allem relevant, wenn ihr erwägt, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Gerade im öffentlichen Nahverkehr ist das Angebot in Städten deutlich größer als auf dem Land. Dafür staut es sich in ländlichen Gebieten vielerorts auf den Straßen nicht so sehr wie in den Städten, sodass weitere Strecken zumindest mit dem Auto besser zurückzulegen sind. Wo ihr in Sachen Mobilität besser aufgehoben seid, ist also auch eine Typfrage - je nachdem, ob ihr lieber mit Bus und Bahn oder mit dem Auto unterwegs seid.

Der ADAC Monitor "Mobil auf dem Land" aus dem Jahr 2018 zeigt: Die große Mehrheit der Bewohner ländlicher Gebiete ist zufrieden mit der eigenen Mobilität - allerdings nur, solange ein Auto zur Verfügung steht. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt Regionalbahnen oder Busse laut dem ADAC so gut wie nie. Viele Befragten würden sich aber dringend mehr Investitionen in neue Bahn- und Busangebote wünschen. Besonders die Befragten in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein bewerteten die Direktverbindungen mit Bahn und Bus als schlecht und die Fahrtdauer als zu lang.

Nun, da immer mehr Verbraucherschützer den Ausbau des ÖPNV auf dem Land fordern und das Wort "Mobilitätswende" auch aus Klimaschutzgründen in aller Munde ist, könnte sich in dieser Hinsicht etwas mehr tun. Erwägt ihr einen Umzug von der Stadt aufs Land, könnte sich also auch ein Blick in die Planungen zum Ausbau des Bus- und Bahnnetzes in der Region eurer Wahl lohnen.

Wohnraum und Verdienst

Wie viel Geld verdiene ich? Und wie viel bleibt davon am Ende übrig? Fragen, die sich jeder sicherlich regelmäßig stellt - egal, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ein Stadt-Land-Vergleich in Sachen Gehalt und Lebenskosten offenbart: Auf dem Land verdient man prinzipiell weniger - doch nach Abzug der Lebenshaltungskosten bleibt anteilig mehr übrig als in der Stadt.

Eine Sache, die in der Stadt meist deutlich teurer ist: die Mietkosten. Vor allem in den Metropolen steigen diese seit Jahren. Gleichzeitig wird auch Wohneigentum immer teurer. Zwar steigen die Preise auf dem Land weniger als in den größeren Städten und Metropolregionen - dennoch müssen selbst durchschnittlich bis gut verdienende Familien in einigen Regionen mittlerweile kalkulieren, ob sie sich eine Immobilie leisten können und wollen.

Freizeit

Ihr geht gerne regelmäßig ins Kino und probiert jedes Wochenende ein neues Restaurant oder eine neue hippe Bar aus? Dann seid ihr wahrscheinlich in oder in der Nähe einer Stadt besser aufgehoben. Ihr macht es euch am liebsten zu Hause gemütlich und braucht nicht viel Action - und wenn, dann am liebsten draußen in der Natur? Dann deuten zumindest eure Freizeitvorlieben eher auf ein Leben im ländlicheren Bereich hin.

Auch hier gilt: Ob ihr lieber eure Ruhe oder viel Action habt - prüft die neue geplante Umgebung auf Vor- und Nachteile.

Digitalisierung: Telefon und Internet

Unterwegs meist super Handyempfang, zu Hause schnelles Internet - das ist ein Traum, der in der Stadt zumeist eher Realität wird als auf dem Land. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, denn es gibt natürlich auch ländlichere Regionen, in denen beispielsweise Glasfaseranschlüsse verfügbar sind. Dies könnt ihr - auch in Verbindung mit den entsprechenden Konditionen - über Verfügbarkeitsprüfungen im Netz rausfinden.

Über das "Mobilfunk-Monitoring" sowie die "Funkloch-Karte" der Bundesnetzagentur könnt ihr euch außerdem einen ersten Überblick verschaffen, wie es in unterschiedlichen Orten um den Empfang bei Handygesprächen und beim mobilen Surfen bestellt ist.

Vor Ort eine Runde spazieren zu gehen und dabei die Empfangsbalken auf dem Smartphone im Blick zu haben, kann für ein erstes Gespür aber sicherlich auch nicht schaden - schließlich gibt es nichts Nervigeres, als unterwegs dauerhaft nicht telefonieren zu können oder in Notfällen nicht erreichbar zu sein.

Luftqualität in der Stadt und auf dem Land

Landluft ist gesund - so lautet die gängige Annahme. Klar, in der Stadtluft ist die Konzentration von Schadstoffen höher - zum Beispiel aufgrund von Auto- oder Heizungsabgasen. Doch auch in der Landluft schwirrt einiges umher. Trotzdem gibt es laut Expertinnen und Experten einige Hinweise darauf, dass Landluft gesünder sein könnte als Stadtluft.

So zeigt eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts, dass Großstädter häufiger unter allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis leiden als Landbewohner. Der Anteil der Betroffenen steigt dabei mit der Größe des Wohnorts: In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern sind 29 Prozent einmal in ihrem Leben von einer der Krankheiten betroffen, in mittelgroßen Städten mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern sind es 30 Prozent und in Großstädten 33 Prozent.

Einige Forschende erklären dies damit, dass die Landluft uns abhärtet, wenn wir schon in den ersten Lebensjahren mit bestimmten Mikroben in Kontakt kommen. Andere vermuten, dass die Luftverschmutzung in den Städten Allergien auslösen könnte.

Mentale Gesundheit in der Stadt und auf dem Land

Menschen, die in der Stadt wohnen, leiden außerdem häufiger an psychischen Erkrankungen als Landbewohner. Laut einer Analyse aus dem Jahr 2010 liegt das Risiko, psychisch zu erkranken, bei Stadtbewohnern rund 40 Prozent höher als bei Menschen, die auf dem Land leben. Weitere Studien bestätigen dieses erhöhte Risiko.

Die Ursachen dafür sind nicht abschließend geklärt. Forschungen des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit an der Universtität Mainz zufolge werden Stress und Gefühle bei Menschen aus der Großstadt anders verarbeitet: Ihr Hirn reagiere deutlich empfindlicher auf Stress als das von Kleinstädtern und erst recht das von Landbewohnern.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder, der in einer größeren Stadt wohnt, psychisch krank wird. So ist es laut Expertinnen und Experten wichtig, kontrollieren zu können, ob wir unter Leute gehen oder uns zurückziehen möchten. Ein für uns gesundes Maß an sozialer Interaktion zu finden, kann aber natürlich sowohl in der Stadt als auch auf dem Land gelingen oder auch misslingen.

Natur in der Stadt und auf dem Land

Eine entscheidende Rolle für unser Wohlbefinden spielen auch Grünflächen in unserer Umgebung. Das zeigen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen. Je grüner der Wohnort ist, an dem wir aufwachsen, desto geringer ist einer dänischen Studie zufolge das Risiko für eine spätere psychische Erkrankung.

Dass ländlichere Regionen in Sachen Grünflächen deutlich mehr punkten als größere Städte, ist unbestritten. Wie wichtig es der oder dem Einzelnen ist, viel Grün um sich herum zu haben, ist aber sicherlich typabhängig.

Außerdem sagen Expertinnen und Experten auch, dass es schon einen Unterschied macht, ob Menschen in der Stadt in einem relativ grünen Stadtteil oder in einem sehr dicht bebauten Stadtteil ohne Grünflächen leben. Auch ein Park vor der Haustür kann also schon helfen.

Soziale Kontakte

Wer schon mal eine Zeit lang ländlich und anschließend städtischer gewohnt hat - oder umgekehrt - , kann es wahrscheinlich bestätigen: Im Trubel der Stadt ist es deutlich einfacher, anonym zu leben. Dennoch bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel - denn auch in Dörfern kann es eher distanziert zugehen, gleichzeitig können natürlich auch in Großstädten sehr herzliche Nachbarschaften entstehen.

Die Tendenz ist allerdings wissenschaftlich bestätigt: In größeren Städten kennen mehr Menschen viele ihrer Nachbarn nicht persönlich. Gleichzeitig sind sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ähnlich viele Menschen neugierig, was die Nachbarn so treiben. Interessant: Auf dem Land fühlen sich mit 45 Prozent trotzdem deutlich mehr Menschen beobachtet als in der Stadt mit 36 Prozent.

Übrigens: Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen, dass Großstädter geselliger sind als Menschen in kleineren Städten und Gemeinden. 48 Prozent der in Großstädten lebenden Menschen geben an, ihre Freunde, Verwandten und Nachbarn jede Woche zu sehen. In mittelgroßen Orten sind es 43 Prozent, auf dem Dorf nur 40 Prozent.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Kuhlage und Hardeland - Die N-JOY Morningshow | 08.11.2021 | 05:00 Uhr

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