Stand: 07.08.2020 14:15 Uhr

Wildcampen in Europa: Was ist wo erlaubt?

Ihr habt total Lust auf Camping, Campingplätze sind aber nicht so euer Ding? In einigen europäischen Ländern dürft ihr auch außerhalb ausgewiesener Plätze campen. Ein Überblick über die Wildcamping-Regeln in Deutschland und drumherum.

Die Tür oder den Reißverschluss aufmachen und direkt aufs Meer oder in den Sternenhimmel schauen - davon träumen viele, die schon immer mal einen Camping-Trip machen wollten.

In manchen Ländern müsst ihr für einen solchen Ausblick einen traumhaft gelegenen Campingplatz finden, in anderen Regionen Europas dürft ihr euer Lager fast überall aufschlagen. Und dann gibt es noch Länder, in denen die Sache kompliziert ist.

Ob ihr mit unserem XL-Wohnmobil inklusive Sprit- und Taschengeld durch Europa cruisen oder einfach mitten in der Natur euer Zelt aufschlagen wollt: Diese Regeln zum Wildcampen gelten in beliebten europäischen Urlaubsländern.

Wildcampen in Deutschland: Was ist erlaubt, was ist verboten?

In Deutschland ist Wildcampen grundsätzlich verboten. Je nachdem, wo ihr Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil verbotenerweise hinstellt, droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro. Die konkrete Gesetzeslage ist jedoch mehr als unübersichtlich und auch abhängig vom Bundesland. Hier lohnt sich ein Blick in das jeweilige Naturschutz-, Deich- und Waldgesetz.

Für das echte und hundertprozentig legale Camping-Erlebnis sucht ihr euch also am besten einen schönen Campingplatz. Es gibt jedoch Ausnahmen und rechtliche Grauzonen. So ist es zum Beispiel nicht verboten, auf öffentlichen Parkplätzen ein Nickerchen zu machen, um die Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen.

Auch das sogenannte "Biwakieren" - also ohne Zelt unter freiem Himmel zu übernachten - ist abseits von Naturschutzgebieten nicht grundsätzlich verboten. Als Alternative zu Campingplätzen gibt es in einigen Regionen Deutschlands außerdem sogenannte Trekkingplätze. Dies sind spezielle Plätze ohne großen Komfort, auf denen Wanderer für eine Nacht ihr Zelt aufschlagen können. Die Trekkingplätze sind meist günstig, in Schleswig-Holstein gibt es sogar einige kostenlose Trekkingplätze.

 

Dänemark: Zelten in speziellen Wäldern erlaubt

Auch in Dänemark ist es verboten, sich mit dem Wohnmobil irgendwo hinzustellen und dort seinen Urlaub zu verbringen. Daher seid ihr auch hier auf einem Campingplatz am besten aufgehoben.

In Sachen Schlupflöcher ist die Lage ähnlich wie in Deutschland: Zur Herstellung der Fahrtüchtigkeit dürft ihr euch im Fahrzeug ausruhen. Achtet aber unbedingt auf die Beschilderung, ob das Abstellen von Wohnmobilen auf dem Parkplatz eurer Wahl nicht ausdrücklich verboten ist. Biwakieren ist in Dänemark ebenfalls nicht ausdrücklich verboten. Eine Ausnahme bilden Naturparks und Strände während der Vogel-Brutzeit.

Etwas besser seid ihr dran, wenn ihr nur mit dem Zelt unterwegs seid: In Dänemark gibt es viele Naturlagerplätze ("Store lejrpladser"), auf denen ihr ganz legal und kostengünstig im Freien übernachten könnt und dafür meist einfache Toiletten und kaltes Wasser geboten bekommt. Autos und andere Fahrzeuge sind hier allerdings nicht erlaubt. Außerdem gibt es in mehr als 200 Wäldern "Fri teltning", also "Freies Zelten". Mehr Informationen findet ihr hier.

 

Schweden, Norwegen und Finnland: Wildcampen dank Jedermannsrecht

Das skandinavische Jedermannsrecht sorgt dafür, dass Anwohner und Besucher große Freiheiten haben, sich in der Natur zu bewegen. In Sachen Camping gilt: Auf Flächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden und nicht in der Nähe eines Wohnhauses liegen, ist Zelten erlaubt. Wollt ihr länger als ein bis zwei Nächte bleiben, solltet ihr dies jedoch mit dem Grundbesitzer eurer Campingfläche absprechen.

Die konkreten Regeln unterscheiden sich in Schweden, Norwegen und Finnland leicht. Grundsätzlich solltet ihr aber ausreichend Abstand zu Wohnhäusern halten - in Norwegen beispielsweise mindestens 150 Meter.

Mit dem Wohnmobil und dem Wohnwagen habt ihr in Skandinavien weniger Freiheiten als mit dem Zelt: Mit Camping-Fahrzeugen dürft ihr offiziell nicht einfach ins Nirgendwo fahren und euch überall hinstellen. In Schweden und Norwegen könnt ihr aber zum Beispiel am Straßenrand oder auf öffentlichen Parkplätzen stehen - es sei denn, dies ist durch Schilder ausdrücklich verboten. Nach 24 Stunden oder am nächsten Werktag solltet ihr weiterfahren und euch einen neuen Standort suchen.

In jedem Fall gilt: Respektiert die Natur und die Tierwelt! Natürlich sollte jeder seinen Müll wieder mitnehmen und nichts zerstören. Außerdem gibt es in jedem Land spezielle Regeln, falls ihr Feuer machen wollt.

 

Frei stehen in Estland, Lettland und Litauen? Los geht's!

Im Baltikum wird das Wildcampen ähnlich locker gesehen wie in den skandinavischen Ländern. Viele Reiseblogger berichten, dass die Bevölkerung ganz entspannt mit Campern umgeht, die frei stehen. Sowohl mit dem Zelt als auch mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen habt ihr einige Freiheiten. Da in Estland, Lettland und Litauen viel Platz ist, gibt es viele freie Flächen, die zum Campen in der Natur einladen. Teilweise stehen sogar freie Stellplätze mit ein wenig Infrastruktur wie Trockentoiletten oder Feuerstellen zur Verfügung.

Natürlich gibt es aber auch in Estland, Lettland und Litauen einige Regeln. Wie überall gilt: Nehmt Rücksicht! Außerdem ist das Übernachten in Naturschutzgebieten und Nationalparks, in Städten und in der Nähe von Wohnhäusern untersagt. Auch auf Privatgrundstücken kann es selbstverständlich Einschränkungen geben. Bei Unsicherheiten fragt ihr am besten die Einheimischen, was erlaubt ist und was nicht.

 

Großbritannien: Schottland hat ein Herz für Wildcamper

In England, Wales und Irland ist Wildcampen generell nicht erlaubt, wird in einigen Regionen aber angeblich geduldet. Verlassen könnt ihr euch darauf nicht.

In Schottland hingegen ist Wildcampen grundsätzlich erlaubt. Auch hier gibt es natürlich bestimmte Camping-Gebiete und Regeln, die ihr im "Scottish Outdoor Access Code" findet. Darin steht zum Beispiel, dass ihr nur zwei oder drei Nächte bleiben dürft, keinen Müll hinterlassen dürft und den Besitzer fragen solltet, wenn ihr in der Nähe eines Gebäudes campieren wollt.

 

Belgien und Niederlande: "Paalkamperen" erlaubt

Campen in der Wildnis ist in Belgien und den Niederlanden grundsätzlich verboten. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Das "Pfahlcampen". Über die Niederlande und Teile Belgiens verteilt stehen einfache Holzpfähle, auf denen darauf hingewiesen wird, dass die Übernachtung im Zelt an dieser Stelle erlaubt ist.

Maximal drei Tage lang könnt ihr in einem Umkreis von zehn Metern um einen solchen Pfahl herum euer Zelt aufschlagen. Also: Achtet auf die "Paalkamperen"-Hinweise und genießt die Natur!

 

Österreich, Schweiz, Italien: Strenge Regeln, hohe Strafen

Hier solltet ihr vorsichtig sein. Wildcampen ist in Österreich, der Schweiz und in Italien grundsätzlich erst einmal verboten. Missachtet ihr das Verbot, drohen teils saftige Strafen.

In Österreich gibt es allerdings in einigen Regionen Ausnahmen, in der Schweiz dürft ihr höchstens oberhalb der Baumgrenze euer Lager aufschlagen - es sei denn, Schilder weisen auf etwas anderes hin oder der Ort eurer Wahl liegt in einem Schutzgebiet. In Italien gibt es auf Privatgrundstücken keine Einschränkungen, sofern der Besitzer einverstanden ist. Ihr seht - die Lage ist kompliziert!

 

Portugal, Spanien, Frankreich: Wildcampen größtenteils verboten

In Portugal ist das Wildcampen grundsätzlich verboten, in Spanien braucht ihr die Genehmigung der örtlichen Behörde, um euer Zelt außerhalb offizieller Campingplätze im Freien aufzuschlagen. Außerdem gibt es auch in Spanien regionale Verbote. Habt ihr vor, dort frei zu campen, müsst ihr euch also durch die Gesetze eurer Zielregion wühlen.

In Frankreich ist Campen auf Privatgrundstücken mit dem Einverständnis des Besitzers erlaubt. Nur einige wenige Gemeinden erlauben die Übernachtung im Zelt in bestimmten Bereichen. Ansonsten braucht ihr eine Genehmigung der örtlichen Behörde, um an Straßen oder auf Parkplätzen zu campen. Auch hier ist es also keine gute Idee, mit dem Wohnmobil oder dem Zelt im Gepäck an irgendeinen Strand zu fahren und sich dort heimisch einzurichten.

 

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Kuhlage und Hardeland - Die N-JOY Morningshow | 03.08.2020 | 05:00 Uhr

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