Stand: 28.01.2020 11:18 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Datenschutz: Facebook verspricht mehr Kontrolle

Mehr Transparenz? Facebook will Nutzern zeigen, was Webseiten und Apps außerhalb von des sozialen Netzwerks über sie weitergeben und schaltet einen neue Funktion für alle Nutzer frei.

Bereits 2018 hat Facebook eine Funktion versprochen, mit der Nutzer sehen können, welche Webseiten und Apps mit Facebook interagieren - ohne, dass der Nutzer es mitbekommt. Die Funktion sollte das Vertrauen in das Netzwerk nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica wieder stärken. Pünktlich zum europäischen Datenschutztag am 28. Januar 2020 ist dieses Werkzeug für mehr Datenschutz fertig. In den kommenden Tagen soll es für alle Facebook-Nutzer sichtbar sein.

Die Idee der neuen Funktion ist einfach: Nutzer können über die Einstellungen in der App und auf der Homepage von Facebook auf den neuen Punkt "Aktivitäten außerhalb von Facebook" zugreifen.

"Aktivitäten außerhalb von Facebook": Was ist das?

Webseiten und Apps kommunizieren über verschiedene Wege ständig mit Facebook. Einige Webseiten übertragen beispielsweise Informationen darüber, welche Seite ein Nutzer oder eine Nutzerin sich angesehen hat, Online-Shops können Facebook mitteilen, welches Produkt er oder sie in den Warenkorb gelegt hat. Ähnliche Informationen geben auch Apps an den Tech-Konzern weiter: Der Nutzer hat die App geöffnet, er hat sich eingeloggt und eine Playlist gestartet. Als App-Nutzer bekommt man von diesen Datenübertragungen bisher nichts mit.

Was zeigt die Funktion?

Die neue Funktion zeigt an, welche Daten die Apps und Webseiten an das Netzwerk schickt. Nutzer können die bereits gesammelten Daten löschen und die Datenübertragung unterbinden. Ein kleiner Schieberegel verhindert, so verspricht Facebook, dass Apps und Webseiten zukünftig Informationen zu Loginzeitpunkten, gespeicherten Produkten oder besuchten Webseiten weitergeben.

Klage gegen Facebook

Gericht verpflichtet Facebook zur Änderung der Privatsphäreeinstellungen

Nur wenige Tage bevor Facebook die neue Funktion zu Privatsphäre für die breite Masse zur Verfügung gestellt hat, hat die Verbraucherzentrale bekannt gegeben, eine Klage gegen Facebook gewonnen zu haben. Der Vorwurf: Facebook verstoße gegen geltendes Datenschutzrecht. 26 Verstöße klagten die Verbraucherschützer an. Viele davon haben die Richter bestätigt. Unter anderem ging es um die Freunde-in-der-Nähe-Funktion, die Chatpartnern verrät, wo das Gegenüber unterwegs ist. Und auch die Tatsache, dass Facebook Nutzer-Profile standardmäßig für Suchmaschinen auffindbar macht, kritisierten die Richter, sodass Facebook die Datenschutzeinstellungen anpassen muss.

Aktivitäten außerhalb Facebooks: Bringt das was?

Die neue Funktion beinhaltet ein großes Versprechen: Transparenz. Sie soll Nutzern das Gefühl geben, besser zu verstehen, wer welche Daten von ihnen hat und sie mit dem sozialen Netzwerk teilt. Sie zeigt, welche Daten automatisiert mit dem Netzwerk geteilt werden und bietet interessierten Nutzern einen besseren Überblick. Indem Facebook den Blick auf die Unternehmen lenkt, die die Daten weitergeben, wollen sie gleichzeitig aber auch einen Teil der Verantwortung abschieben.

Denn Fakt ist: Bei Facebook laufen die Daten zusammen. Sie unterstützen bei der Charakterisierung einzelner Personen und sind das Herzstück der Nutzeranalyse. Diese Datenweitergabe zum Teil in die Hände der Community zu legen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch die automatisierten Daten, die die Apps an Facebook schicken, sind nur ein Teil der Daten die der Konzern von Unternehmen zur Optimierung von zielgerichteter Werbung bekommt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | Der Graf | 28.01.2020 | 12:00 Uhr

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