Stand: 11.01.2018 13:23 Uhr

Instagram: Hinter den Kulissen der Plüschwelt

Der ARD Digitalexperte Dennis Horn erzählt im Interview von seinem Besuch in der Instagram-Zentrale und von seinem Gespräch mit einem der Gründer des Netzwerks.

Instagram hat weltweit rund eine Milliarde Nutzer und ist fest in das Leben vieler Nutzer integriert: Unser Urlaub, unser Mittagessen, unser Liebesleben - nahezu alles wird auf Instagram dokumentiert. Die Bilder und Stories vermitteln uns eine heile, bunte und schöne Welt. Was nicht aus sich heraus bunt ist, wird mit einem Filter versehen.

Backstage: Zu Gast bei Instagram

Wie schafft es Instagram, den Hass aus seiner heilen Welt fernzuhalten? Wie ist die Stimmung hinter den Kulissen? Dennis Horn durfte sich in der Instagram-Zentrale im Silicon Valley, der Heimat diverser Technologie-Unternehmen in San Francisco, umschauen und schildert uns im Interview seine Eindrücke und Erkenntnisse rund um die bunte Instagram-Welt.

N-JOY: Es ist ziemlich selten, dass Unternehmen wie Instagram einen deutschen Journalisten zu sich reinlassen. Wie sind die Leute bei Insta so drauf?

Dennis Horn: Entspannt! Die sitzen ja auf dem Facebook-Campus im Silicon Valley. Da ist alles hipp und knallbunt. Keiner ist älter als 35. Ich habe einen der Gründer von Instagram, Mike Krieger, getroffen. Der ist 31 Jahre alt und würde als Informatikstudent durchgehen, niemand würde erkennen, dass er eigentlich Millionär ist. Der hatte Zeit, ist mit uns noch locker vors Gebäude gegangen, um ein paar Fotos zu machen. Das war eine äußerst entspannte Atmosphäre.

Wie ist deine Einschätzung: Wie beeinflusst uns dieses Netzwerk eigentlich?

Wir schauen ja ganz anders auf die Welt. Wir gehen zum Beispiel über die Straße und haben Instagram schon im Hinterkopf. Dazu hat Mike Krieger mir auch ein paar Worte gesagt:

Leute haben irgendwann begonnen, in Quadraten zu denken, weil wir nur quadratische Fotos erlaubt haben. Ich liebe es, wenn sie sagen, sie nehmen jetzt viel mehr wahr, weil sie denken: 'Wow, das wäre ein schönes Motiv für Instagram'. Vorher wären sie vielleicht einfach daran vorbei gelaufen. Mike Krieger, Instagram-Mitbegründer

Bei Instagram hängen ja ganze Marketingagenturen drin, die gezielt Influencer aussuchen, die davon leben, dass sie Produktplatzierungen in ihren Fotos unterbringen. Du warst auch in so einer Agentur. Wie sieht es dort aus?

Das sind normale Leute, das sind normale Werbeagenturen. Da ist ja ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden – und das alles nur wegen dieser App. In der Influencer-Agentur, die ich in San Francisco besucht habe, heißt es: So gut wie jedes große US-Unternehmen denkt gerade über eine große Influencer-Kampagne nach. Interessant ist: Für die Unternehmen ist es oft billiger, Influencer anzusprechen, als ganz normal Werbung zu schalten. Für die Influencer ist es vielleicht viel Geld, das sie verdienen. Die Unternehmen müssten aber für normale Plakatkampagnen oder Werbespots im Fernsehen viel mehr ausgeben.

Wer behauptet, das Leben sei kein Ponyhof, der hat noch niemals Instagram gesehen. Das ist ja alles Plüsch, das totale Gute-Laune-Netzwerk - Kritik oder Hass, wie man es bei Facebook oder Twitter häufig sieht, gibt es bei Instagram selten. Hast du rausgefunden, warum das so ist?

Bei Instagram geht es ja kaum um ernste Themen. Das ist Unterhaltung und zum Teil eine Scheinwelt. Da bricht nicht so schnell der Hass los. Und die Gründer von Instagram haben darauf von Anfang an geachtet, sagt Mike Krieger.

Am Anfang haben Kevin und ich Kommentare, die nicht auf Instagram gehören, noch selbst gelöscht. Das wurde aber natürlich schnell zu viel. Mike Krieger, Mitbegründer von Instagram

Mittlerweile ist Software im Einsatz, die automatisch Hasskommentare rausfiltert. Mike Krieger sagt: Wenn die Nutzer neu in dieses Netzwerk kommen und keinen Hass sehen, verhalten sie sich auch besser.

Wird da nur Hass rausgefiltert oder auch berechtigte Kritik?

Instagram hat Software im Einsatz, die darauf trainiert ist, Hass zu erkennen – das ist die offizielle Aussage. Aber man weiß natürlich nicht, ob diese Software Fehler macht. Das ist immer möglich. Instagram sagt, wir richten uns nach dem, was bei uns als Community Guidelines festgehalten ist. Da fliegt dann das Übliche raus: Bedrohungen, Hasskommentare und Dinge, die unter Straftaten fallen.

 

Das Interview führte Philipp von Kageneck.

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N-JOY | Der Graf | 11.01.2018 | 14:50 Uhr

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