Stand: 02.01.2018 09:25 Uhr | AutorIn: Eva Köhler

Pixel Buds: Googles Bluetooth-Kopfhörer im Test

Die Pixel Buds sind Googles Kampfansage an Apples AirPods. Die In-Ear-Kopfhörer reagieren auf Finger-Tipps und Sprachbefehle und sollen sogar fast simultan übersetzen. Wir haben sie getestet.

Kopfhörer aufladen, Box öffnen und verbinden: So einfach soll das Starten der Google-Bluetooth-Köpfhörer sein. Bei unseren Versuchen mussten wir jedoch teilweise kämpfen. Das Google Pixel 2, das neue Smartphone des Suchmaschinen-Betreibers, hat sich relativ schnell mit dem Gadget verbunden. Ein Einrichtungsbildschirm führt direkt durch die Funktionen und erklärt, wie der Google-Assistent gestartet und eingerichtet wird. Bei einem Samsung-Tablet mit Android 7 (Nougat) sind wir allerdings daran gescheitert, die Kopfhörer zu verbinden. Aber von Anfang an: Wir haben die Pixel Buds drei Tage lang im Alltag ausprobiert und ihre Stärken und Schwächen gefunden.

1. Der Akku

... ist eine Stärke der Pixel Buds. Während einer Zugfahrt haben die Kopfhörer gute vier Stunden am Stück Musik und Podcasts abgespielt. Dabei ist der Akkustand von 97 Prozent auf 25 Prozent gesunken. Die Kopfhörer teilen durch einen kurzen Ton mit, dass der Akku langsam leer wird. Ein Zeichen, die Pixel Buds in die Ladeschale zurückzulegen. Nach nur zehn Minuten aufladen reicht der Strom für eine weitere Stunde Musik hören.

Fazit: In drei Tagen, einer langen Zugfahrt (sechs Stunden), mehreren stundenlangen Telefonaten (ca. drei Stunden) und mindestens eineinhalb Stunden Musik hören auf dem Arbeitsweg (drei Stunden) war der Akku noch nicht leer. Am Morgen des vierten Tages leuchtete bei der Akku-Anzeige der Lade-Box noch eine von drei Lampen.

 

2. Die Musik-Qualität

... könnte besser sein. Die Pixel Buds kosten knapp 180 Euro. Dafür ist der Sound in Ordnung - mehr aber auch nicht. Bei Pop-Songs sind die Töne zwar klar, bei Rock- oder Alternative-Songs fehlt den Kopfhörern aber Qualität - die Songs klingen dumpf, die Höhen fehlen, der Kontrast zwischen Gitarre und Gesang verschwimmt.

Zweiter Minus-Punkt: Laute Musik dringt nach außen. Das können herkömmliche und deutlich günstigere In-Ear-Kopfhörer besser. Unser Umfeld muss nicht mitbekommen, was wir hören - das sollte bei Kopfhörern mittlerweile eigentlich Standard sein.

Fazit: Bei einem Preis von 180 Euro müssen Kopfhörer einen guten Klang bieten. Bei den Pixel Buds gibt es hier Nachbesserungsbedarf. Allerdings schreibt die US-Tech-Seite Mashable, die Ton-Qualität wäre besser als die der Apple AirPods. Der US-Blog MacRumors hingegen sieht den Sound der AirPods vor den Google-Kopfhörern. Wir konnten diesen Vergleich in der Redaktion leider nicht ziehen.

 

3. Der Sprachassistent

... ist hilfreich - zumindest in ruhigen Umgebungen. "Lies mir die Nachrichten vor", "Schreibe eine SMS an ...", "Starte N-JOY bei Tune-In", "Navigiere mich nach Hause": Sprachbefehle erteilt ihr den Kopfhörern, indem ihr mit dem Finger auf den rechten Kopfhörer tippt. Der Assistent erledigt den Rest für euch.

Das ist angenehm, um Kleinigkeiten zu erledigen, den Freund oder die Freundin anzurufen oder das Radio zu starten. Das Problem: In lauten Umgebungen erkennt der Assistent die eigene Stimme nicht. Vorbeifahrende Busse, Mitfahrer in U- oder S-Bahn, Stimmgewirr - all das stört und sorgt für Un- oder Missverständnisse mit der Sprachsteuerung.

Fazit: Der Sprachassistent hilft bei Kleinigkeiten. An den Luxus, nicht ständig das Smartphone aus der Tasche holen zu müssen, gewöhnt man sich schnell. Allerdings geht es teils nicht anders, weil das Mikrofon in lauten Umgebungen nicht versteht, was ihr sagt. Also: Nette Funktion, die unsere Stimme in lärmender Umgebung noch besser erkennen muss.

 

4. Telefonieren

"Ruf Svenja an" - nach diesem Sprachbefehl durchsucht der Assistent das Telefonbuch innerhalb weniger Augenblicke und fragt: "Möchtest du Svenja Privat oder Home anrufen?" Der Rufaufbau funktioniert, der Gesprächspartner ist gut zu verstehen. Die Lautstärke lässt sich mit einem Wisch über den rechten Kopfhörer leiser (nach hinten) oder lauter (nach vorne) verändern. Auflegen funktioniert mit einem Finger-Tipp auf den berührungsempfindlichen Kopfhörer.

Auch die Gesprächspartner haben meist alles gut verstanden. Aber: Laute Umgebungsgeräusche bringen die Pixel Buds auch hier an ihre Grenzen. Ein Gespräch mussten wir abbrechen - es war zu laut, unser Gegenüber hörte nur Stimmgewirr.

Fazit: In großen Menschenmengen, überfüllten Bahnen oder beim Shopping ist das Telefonieren und Interagieren schwierig. Beim Warten am Flughafen, an Bahnhöfen oder Zuhause, also überall wo es normal laut ist, macht das Telefonieren mit den Bluetooth-Kopfhörern Spaß.

 

5. Das Umfeld

"Lies mir die Nachrichten vor" - ein Satz, den wir über drei Tage hinweg immer wieder in der Öffentlichkeit ins Nichts bellten. Der Assistent im Ohr reagierte meist, unsere Mitmenschen aber auch. Nach einigen Versuchen haben wir ein Gespür dafür entwickelt, wann wir sprechen sollten (im Wartebereich am Flughafen) und wann schweigen (in Bahnen). Gleichzeitig ist uns aufgefallen, dass viele Außengeräusche durch die Kopfhörer gelangen. Zwar haben die Pixel Buds ein Noise-Cancelling, trotzdem dringen Straßenlärm und Stimmen durch die Ohreinsätze - auch, weil die Pixel Buds nicht perfekt in den Ohren sitzen.

Fazit: In der Öffentlichkeit müsst ihr damit rechnen, irritierte Blicke zu ernten, wenn ihr mit den Kopfhörern sprecht. Es macht aber meist Spaß - auch wenn die Kopfhörer Außengeräusche besser abschirmen könnten.

 

6. Der Übersetzer

Wenn ihr die Google-Kopfhörer zusammen mit einem Pixel-2-Smartphone nutzt, sollen die Buds euch helfen, fremde Sprachen zu sprechen. Die Idee ist folgende: Ihr aktiviert den Assistenten mit einem Knopfdruck auf den rechten Kopfhörer und sagt: "Hilf mir, Französisch zu sprechen". Der Assistent öffnet dann den Google-Übersetzer auf dem Smartphone. Wenn ihr jetzt wieder mit dem Finger den Kopfhörer berührt und sagt: "Hallo, wie geht es dir. Ich möchte heute Abend feiern gehen, kommst du mit?" übersetzt die App den Satz und liest es über die Handy-Lautsprecher vor: "Bonjour. Comment allez-vous faire la fête ce soir. Venez-vous?"

Den Teil mit "Wie geht es dir" hat der Übersetzer einfach mal ausgelassen. Es funktioniert ganz gut, aber die App auf dem Smartphone - ohne die Kopfhörer - liefert die gleichen Ergebnisse, nur dass ihr hier das Telefon hin- und herreichen müsstet.

Fazit: Nette Funktion. Ob sie alltagstauglich ist, muss sich aber erst noch zeigen. Und da sie leider nur in Zusammenspiel mit einem teuren Pixel-2-Smartphone funktioniert, ist das Fazit ehrlicherweise: Ein nettes Gimmick, aber kein Kaufgrund.

 

7. Die Bedienung

... ist einfach, intuitiv und reagiert schnell. Per Wisch-Geste über den rechten Kopfhörer ändert ihr die Lautstärke. Fasst ihr mit einem Finger an den Kopfhörer, aktiviert sich der Assistent. Anrufe nehmt ihr an und beendet sie mit einem kurzen Tipp auf das Plastik-Gehäuse. In Zusammenarbeit mit dem Google-Smartphone reagiert der Kopfhörer in unserem Test sofort.

 

Testergebnis: Wer braucht es, wer nicht?

Ganz ehrlich: Die Google-Kopfhörer müssen noch erwachsen werden. Sie zu testen ist nett, aber zuviele Kleinigkeiten stören und erfüllen die Erwartungen, die Nutzer an ein 180 Euro teures Kopfhörer-Paar stellen sollten, nicht.

Für Besitzer eines Google-Smartphones mit aktuellem Android Oreo (8) kann das Gadget Spaß machen. Bei Besitzern anderer Smartphones: Checkt, ob euer Smartphone überhaupt mit den Kopfhörern kompatibel ist und ob ihr den Google Assistenten in der aktuellen Version habt.

Außerdem: Die Übersetzer-Funktion läuft ausschließlich beim Pixel-2-Smartphone. Deswegen checkt, wenn ihr auf der Suche nach Bluetooth-Kopfhörern seid, die Alternativen.

 

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