Stand: 19.02.2021 13:04 Uhr

Tanzvideos im Netz hochladen: Darauf solltet ihr achten

Mit Tanzvideos zu "Jerusalema" wollten Firmen, Krankenhäuser und Polizeiwachen für Abwechslung in Corona-Zeiten sorgen. Doch das hat jetzt für manche ein teures Nachspiel. Die Inhaber der Rechte am Hit "Jerusalema" verlangen Lizenzgebühren.

Wir haben einen Anwalt für Medienrecht, gefragt, was Firmen und Organisationen tun sollten, wenn sie so ein Schreiben erhalten. Stephan Grulert gibt außerdem Tipps, was wir generell beachten sollten, wenn wir eigene Tanzvideos ins Netz stellen.


Vom Musik-Hit zur Tanz-Challenge

Personal aus Krankenhäusern, von der Feuerwehr oder auch der Polizei haben zu dem Hit "Jerusalema" des südafrikanischen Künstlers Kgaogelo Moagi alsia Master KG getanzt und das Video davon ins Netz gestellt. Gerade im Sommer war das für viele eine willkommene Abwechslung während der Corona-Pandemie.

Der Spaß hat jetzt jedoch ein teures Nachspiel. Denn die Plattenfirma Warner Music, bei der der Musiker Master KG unter Vertrag steht, hat nachträglich von manchen Organisationen, die ein Video des Tanzes online gestellt haben, Lizenzgebühren gefordert, wie "Focus Online" als erstes berichtete.

"Wir lieben, dass die Fans hinter 'Jerusalema' stehen. Aber wenn Organisationen den Song nutzen, um sich selbst zu promoten, sollten sie sich Lizenz sichern", wird ein Unternehmenssprecher von Warner Music zitiert. In diesen "schwierigen Zeiten" sei es "wichtiger denn je, dass Künstler und Künstlerinnen für ihre Musik bezahlt werden, wenn sie von Dritten genutzt wird, um ihre Reputation zu steigern."

Viele Menschen im Netz äußerten Kritik gegenüber der Plattenfirma Warner Music. Schließlich habe hinter den Tanzvideos nur eine gute Absicht gesteckt.


Zwiespalt: privater oder kommerzieller Zweck?

Natürlich sei das Vorgehen von Warner Music "moralisch ein bisschen verwerflich", sagt Stephan Grulert, Anwalt für Medienrecht. Es sei ein Zwiespalt, in dem man nun stecke: "Wo fängt es an, dass es ein privates Video ist, was nur lustig sein soll, und wo beginnt hier tatsächlich auch eine Art kommerzieller Zweck?"

Das Recht, Linzengebühren einzufordern, hat Warner Music laut Grulert aber. Er gibt zu bedenken, dass insbesondere die Juristen großer Kliniken oder Firmen auf die Verletzung des Urheberrechts vorher hätten aufmerksam werden müssen. Wenn Firmen, Kliniken oder Polizei ein Video mit ihrem Logo versehen, kann das aus Grulerts Sicht bereits einen gewissen Werbeeffekt haben und somit als kommerziell angesehen werden.


Anwalt einschalten und Video offline stellen

Firmen, Vereine und Organisationen, die bereits ein Schreiben von Warner erhalten haben, sollten sofort reagieren, meint der Experte weiter. Er rät, einen Anwalt einzuschalten und das Video erstmal von der Plattform, auf der es gepostet wurde, runterzunehmen, um den Schaden zu begrenzen.

Ein Anwalt könne dann prüfen, ob die geforderten Lizenzgebühren marktüblich sind. Grundsätzlich gilt, dass die Summe gezahlt werden müsse, die auch aufgekommen wäre, wenn vorher eine Anfrage bei der Plattenfirma gestellt worden wäre. Im Zweifelsfall können dazu noch die Anwaltskosten kommen, die für Warner Music durch diese Urheberrechtsverletzung entstanden sind.


Nicht jeder muss Angst vor der großen Rechnung haben

Aber nicht jeder müsse laut Grulert jetzt Angst vor der großen Rechnung wegen Missachtung der Lizenz haben:

Es kommt wirklich darauf an, wo ich das poste. Poste ich das auf meiner eigenen Webseite, dann muss ich das klären. Poste ich das aber auf Youtube unter irgendeinem Pseudonym auf einem Kanal, den ich nicht kommerziell betreibe, dann ist Youtube in dem Moment dafür verantwortlich, das zu klären. Stephan Grulert - Anwalt für Medienrecht

Wichtig sei also die Unterscheidung zwischen privat und kommerziell: "Wenn ich das anonym bei Youtube reinstelle, ist die Chance, dass ich abgemahnt werde, eigentlich gleich null", sagt Grulert. Das Schlimmste, was einem als Privatperson passieren kann, ist laut Grulert, dass das Video gesperrt wird. Das gelte übrigens nicht nur für hochgeladene Videos bei Youtube, sondern auch für alle anderen Plattformen.

Aufpassen mit den Lizenzen, der in einem Video verwendeten Musik, müssten hingegen diejenigen, die einen Tiktok- oder Youtube-Channel oder eine Webseite kommerziell betreiben. Dazu zählt laut Grulert zum Beispiel auch, wenn jemand in dem Video ein T-Shirt von einer Firma trägt, die ihn dafür bezahlt.

Dann müsse die verwendete Musik geklärt werden - und zwar nicht nur mit dem Sänger beziehungsweise der entsprechenden Plattenfirma, sondern auch mit dem Komponisten. Das können teilweise unterschiedliche Personen und damit auch unterschiedliche Rechteinhaber sein, betont der Anwalt.


Reform des Urheberrechts geplant

Derzeit plant die Bundesregierung übringens eine umfangreiche Reform des Urhebergesetzes in Deutschland. Dadurch soll das rechtliche Verhältnis zwischen Urhebern, Internet-Plattformen und Nutzern festgelegt werden, etwa beim Hochladen von urheberrechtlich geschützten Fotos, dem Teilen von Artikeln oder Videoausschnitten.

Nicht-kommerzielle Beiträge von Nutzern, die Fremdmaterial enthalten, sollen grundsätzlich erstmal hochgeladen werden dürfen – unter bestimmten Bedingungen: So sollen bei Video- und Tonaufnahmen zum Beispiel nur bis zu 15 Sekunden erlaubt sein.

Das Vorhaben ist jedoch umstritten. Die Medien- und Musikbranche etwa sieht Schlupflöcher, die Rechteinhaber benachteiligen könnten, während sich Kreative um Nutzerrechte und den Einsatz von Uploadfiltern sorgen. Netzplattformen wie YouTube, Facebook und Co. kritisieren zudem rechtliche Unsicherheiten.

 

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